Wirtschaft · Autobranche unter Druck
VW steht vor deutlich härterem Stellenabbau
Volkswagen steht in der angespannten Lage der Autoindustrie vor besonders weitreichenden Kürzungen. Während BMW bis Ende 2027 weltweit etwa 8.000 Stellen abbauen will, sollen bei VW zusätzlich zu laufenden Einschnitten weitere 50.000 Arbeitsplätze wegfallen. Insgesamt könnten dort bis zum Ende des Jahrzehnts rund 100.000 Jobs betroffen sein, berichtet Heise in einem Branchenvergleich.
VW mit besonders großem Sparprogramm
Der Umfang der geplanten Kürzungen zeigt, wie stark der Druck auf die deutschen Hersteller gewachsen ist. Bei Volkswagen werden als Gründe Überkapazitäten, Schwierigkeiten im Modellprogramm und Konkurrenz aus Asien genannt. Künstliche Intelligenz spielt demnach nicht die zentrale Rolle in der Begründung des Umbaus.
Damit unterscheidet sich VW von BMW, wo der Umbau ausdrücklich mit schlankeren Strukturen und digital unterstützten Prozessen verbunden wird. Der Münchner Konzern will die Zahl seiner Geschäftsbereiche und der dazugehörigen Managementfunktionen um 20 Prozent senken. Betroffen sind laut Medienberichten vor allem Führungsebenen unterhalb des Vorstands; insgesamt könnten rund 100 hochrangige Positionen entfallen.
BMW verknüpft diese Straffung mit dem Ziel, Berichtslinien zu verkürzen und Hierarchien abzubauen. KI-Systeme sollen Routineaufgaben übernehmen, Daten schneller zusammenführen und Entscheidungen vorbereiten. Die Auswahl von Führungskräften, die den Konzern verlassen, soll dabei nicht eigenständig durch Software erfolgen.
BMW setzt auf Freiwilligkeit
Der Managementumbau bei BMW ist Teil eines breiteren Personalprogramms. Weltweit sollen bis Ende 2027 etwa 8.000 Stellen entfallen. Das entspricht rund fünf Prozent der Belegschaft. Betroffen sind vor allem Verwaltung, Forschung und Entwicklung sowie Planungsbereiche. Arbeitsplätze in der Produktion sind ausdrücklich nicht der Schwerpunkt.
In Deutschland, wo BMW etwa 85.000 Menschen beschäftigt, soll voraussichtlich mehr als die Hälfte der Kürzungen anfallen. Nach einer Einigung mit dem Betriebsrat ist ein freiwilliges Abfindungsprogramm vorgesehen, das im Oktober startet. Rund 40.000 fest Beschäftigte in Deutschland können grundsätzlich ein individuelles Angebot erhalten. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach den Angaben nicht geplant.
BMW reagiert damit auf ein schwierigeres Marktumfeld. Der Konzern erwartet im Automobilgeschäft für 2026 nur noch eine EBIT-Marge von 1 bis 3 Prozent. Bis 2028 soll sie auf 3 bis 5 Prozent steigen, langfristig peilt BMW wieder 8 bis 10 Prozent an. Zusätzlich will das Unternehmen bis 2028 den freien Mittelzufluss im Autogeschäft auf mehr als fünf Milliarden Euro erhöhen.
Ifo sieht anhaltende Krise
Die angespannte Lage betrifft nicht nur einzelne Unternehmen. Das Ifo-Institut sieht die deutsche Autoindustrie weiter in der Krise, wie der FAZ-Business-Ticker berichtet. Im September verschlechterten sich demnach die Exporterwartungen, nachdem sie zuvor gestiegen waren. Auch die Beschäftigungserwartungen gingen zurück.
Zugleich bewerteten die Unternehmen ihren Auftragsbestand erneut schwächer als im Vormonat. Die Ertragslage sank im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal deutlich. Diese Entwicklung erhöht den Druck, Kosten zu senken und Geschäftsmodelle schneller an veränderte Märkte anzupassen.
Ein wichtiger Belastungsfaktor bleibt der Wettbewerb aus China. Günstigere Anbieter setzen vor allem im Segment der Elektroautos etablierte Hersteller unter Druck. Gleichzeitig führen hohe Investitionen in Software, Batterieantriebe und neue Plattformen dazu, dass viele Konzerne ihre Strukturen überprüfen.
Staat fördert E-Auto-Käufe
Parallel versucht die Bundesregierung, den Absatz elektrifizierter Fahrzeuge zu stützen. Seit Mai wurden 100.000 Anträge für die neue E-Auto-Prämie bewilligt, wie der Spiegel unter Berufung auf Bundesumweltminister Carsten Schneider berichtet. Die Förderung richtet sich an private Käuferinnen und Käufer sowie Leasingnehmerinnen und Leasingnehmer.
Unterstützt werden neue Elektroautos, bestimmte Plug-in-Hybride und Elektroautos mit Reichweitenverlängerer. Die Höhe des Zuschusses hängt von Fahrzeug, Einkommen und Familiengröße ab und kann bis zu 6.000 Euro erreichen. Insgesamt stehen drei Milliarden Euro bereit, die nach Regierungsangaben für etwa 800.000 geförderte Fahrzeuge bis 2029 reichen sollen.
Für die Hersteller lösen Kaufanreize jedoch nicht das Grundproblem. Die Nachfrage verschiebt sich, Margen sinken, und der internationale Wettbewerb wird härter. Volkswagen setzt deshalb auf besonders große Einschnitte, während BMW den Umbau stärker über Organisation, freiwillige Abgänge und KI-gestützte Prozesse steuert.