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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Volkswagen unter Druck

VW-Sparkurs erhöht Druck auf Werke und Zulieferer

Volkswagen verkauft deutlich weniger Autos. Der Sparkurs rückt Standorte, Beschäftigung und Zulieferer stärker in den Fokus, auch außerhalb Deutschlands.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine moderne Autofertigung steht für den wachsenden Druck auf Werke und Zulieferer.
Symbolbild: Eine moderne Autofertigung steht für den wachsenden Druck auf Werke und Zulieferer. KI-generiert

Volkswagen gerät wegen schwächerer Verkäufe weiter unter Sparzwang. In den ersten neun Monaten setzte der Konzern rund 6 Millionen Fahrzeuge ab, neun Prozent weniger als zuvor. Damit wächst die Debatte über mögliche Stellenstreichungen und Standortfolgen. Betroffen ist nicht nur Deutschland: Auch Werke und Zulieferer in der Slowakei blicken auf die nächsten Entscheidungen des Konzerns.

Bratislava zwischen Sorge und Hoffnung

Besonders sichtbar wird die Lage im VW-Werk Bratislava. Nach Angaben der tagesschau ist es das zweitgrößte Werk des Konzerns und zugleich eines der modernsten. Dort arbeiten rund 11.000 Menschen für mehrere Marken der Volkswagen-Gruppe. Unter anderem läuft dort der Porsche Cayenne vom Band.

Die Fertigung wurde zuletzt technisch aufgerüstet. Seit Februar kann die Produktionslinie Verbrenner, Hybridmodelle und Elektroautos über dasselbe Band führen. Diese Flexibilität gilt als wichtiger Vorteil des slowakischen Standorts. Zugleich steht genau diese Produktion im Zentrum der Unsicherheit: Die wichtige Cayenne-Fertigung könnte nach Leipzig verlagert werden. Das sächsische Werk gilt als zu schwach ausgelastet, zugleich aber als kostenintensiv. Eine mögliche Verlagerung soll mit deutlichen Einsparvorgaben verbunden sein.

Slowakische Medien sehen die Entscheidung noch nicht als gefallen. Volkswagen Slovakia äußert sich dazu nicht. Pavol Prepiak vom Verband der slowakischen Autoindustrie sagte der tagesschau, er sehe in der laufenden Neuordnung bei Volkswagen auch Chancen für zusätzliche Modelle in der Slowakei. Dabei geht es um mögliche Verschiebungen aus deutschen Werken, die vollständig auf Elektroautos ausgerichtet sind.

Deutsche Werke im Fokus

In der Diskussion werden vor allem Emden in Niedersachsen und Zwickau in Sachsen genannt. Laut Medienberichten könnte der Nachfolger des elektrischen Audi Q4 aus Zwickau künftig in Bratislava entstehen. Der neue Volkswagen ID.4 soll demnach ins tschechische Skoda-Werk in Mlada Boleslav wechseln.

Solche Überlegungen zeigen, wie eng die Sparpläne mit der Auslastung einzelner Standorte verknüpft sind. Für Beschäftigte bedeutet das Unsicherheit, auch wenn einzelne Werke von Modellverlagerungen profitieren könnten. Bratislava erscheint dabei nicht nur als möglicher Verlierer einer Cayenne-Verlagerung, sondern zugleich als Kandidat für neue Aufträge.

Auch an anderer Stelle bleibt die Slowakei in den Umbau eingebunden. Volkswagen beteiligt sich an einer Batteriefabrik in Surany im Süden des Landes, wo der chinesische Technologiekonzern Gotion ein Werk errichtet. Damit könnte die slowakische Industrie trotz der Krise eine Rolle in der Batterie- und Elektrostrategie des Konzerns behalten.

Zulieferer unter Druck

Die Bedeutung von Volkswagen für die Slowakei ist groß. Volkswagen Slovakia ist das umsatzstärkste Unternehmen des Landes. Im Jahr 2025 liefen dort knapp 340.000 Fahrzeuge vom Band. Hinzu kommen weitere Autowerke im Land, etwa von Kia, Stellantis und Jaguar Land Rover; Volvo soll folgen.

Auch das zweite VW-Werk in Martin ist Teil der Neuordnung. Es liefert Komponenten für mehr als 60 Automodelle von sechs Marken und soll verkauft werden, möglicherweise an die Konzerntochter MAN. Für die rund 350 Zulieferunternehmen in der Slowakei entsteht zusätzlicher Druck, besonders wenn sie stark an deutsche Standorte liefern.

Die Autoindustrie prägt die slowakische Volkswirtschaft. Der Ökonom Radovan Durana vom Thinktank INESS beziffert ihren Anteil am Bruttoinlandsprodukt auf etwa zehn Prozent. Direkt beschäftigt die Branche mehr als 100.000 Menschen, indirekt mehr als 200.000. Damit hängt ein erheblicher Teil der Industriearbeitsplätze an der Entwicklung der Autobauer.

Konkurrenz aus China bleibt Thema

Der Druck auf Volkswagen entsteht nicht nur durch eigene Absatzprobleme. Europäische Hersteller stehen zugleich im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern. Die taz berichtet über eine EU-Regelung, die für vier Jahre eine jährliche Quote von rund 350.000 Hybridfahrzeugen aus China vorsieht. Für europäische Autobauer bedeutet das Zeit, um bei Kosten und Technik aufzuholen.

Gleichzeitig bleibt die Innovationskraft ein wichtiger Faktor. Das Handelsblatt berichtet unter Verweis auf eine exklusive Auswertung des Beratungsunternehmens Quant IP, dass Volkswagen gemessen am Wert seiner Patente deutlich höher bewertet werde als an der Börse. Für Investoren zählt damit nicht nur der aktuelle Absatz, sondern auch die technische Substanz des Konzerns.

Für Volkswagen entscheidet sich die Lage nun an mehreren Fronten zugleich: Der Konzern muss Kosten senken, Werke besser auslasten, Zulieferketten stabil halten und im internationalen Wettbewerb Schritt halten. Welche Standorte am Ende Aufträge verlieren oder gewinnen, wird für Beschäftigte in Deutschland und der Slowakei zur zentralen Frage.