Wirtschaft · Autobranche unter Druck
VW setzt bei Fahrassistenz auf Wayve
Volkswagen will beim autonomen Fahren Boden gutmachen und setzt dabei auf das britische KI-Unternehmen Wayve. Der Schritt fällt in eine Phase, in der sich die Stimmung in der deutschen Autoindustrie weiter eintrübt: Das ifo-Barometer für die Branche sank im September auf minus 35 Punkte, nach minus 22 Punkten im August.
Wayve soll Fahrassistenz stärken
Der VW-Konzern richtet seine Entwicklung bei automatisierten Fahrfunktionen neu aus. Heise berichtete unter Verweis auf den Spiegel, dass Wayve bei Testfahrten in London mehrere Konkurrenten hinter sich gelassen habe, darunter auch Nvidia. Das Start-up aus Großbritannien soll VW nun bei Technologien für autonomes Fahren unterstützen.
Volkswagen hatte sich zuvor von Bosch als Technologiepartner in diesem Feld getrennt. Die neue Zusammenarbeit mit Wayve soll helfen, Assistenzsysteme der Konzernmarken leistungsfähiger zu machen. Im Wettbewerb stehen Hersteller dabei vor allem mit Systemen von Tesla und Mercedes. Wayve arbeitet den Angaben zufolge auch mit Mercedes zusammen.
Bei den Erprobungen in London ging es um Fahrverhalten im dichten Stadtverkehr. Besonders überzeugt haben soll eine Situation, in der ein Audi A6 e-Tron mit Wayve-Software ein Signal eines entgegenkommenden Fahrers richtig einordnete und danach selbstständig in eine Parklücke fuhr. Für VW ist die Entscheidung damit Teil einer breiteren Anstrengung, bei softwaregestützten Fahrzeugfunktionen aufzuschließen.
Schwache Branchenstimmung
Parallel zur technischen Neuaufstellung verschärft sich das wirtschaftliche Umfeld. Der Deutschlandfunk meldete unter Berufung auf das Münchner ifo-Institut den Rückgang des Branchenindikators auf minus 35 Punkte. Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl sagte demnach, die Autoindustrie stecke weiter in der Krise.
Die befragten Unternehmen rechnen mit rückläufigen Ausfuhren. Auch bei der Beschäftigung erwarten sie einen weiteren Abbau. Damit bleibt die Autoindustrie deutlich unter Druck, während sich die Stimmung in anderen Industriezweigen zuletzt verbessert hat. Genannt werden die Elektroindustrie und die Chemiebranche.
Für die deutschen Hersteller kommt die Schwächephase zu einem Zeitpunkt, in dem hohe Investitionen in Software, Elektrifizierung und neue Fahrzeugarchitekturen nötig sind. Gerade bei automatisierten Fahrfunktionen entscheidet nicht allein die klassische Fahrzeugtechnik. Immer wichtiger werden Datenverarbeitung, künstliche Intelligenz und die Fähigkeit, komplexe Verkehrssituationen zuverlässig zu erkennen.
Konkurrenz aus China wächst
Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist die starke Konkurrenz chinesischer Hersteller, besonders bei Elektroautos. Anbieter aus China treten mit hohem Tempo, eigener Softwarekompetenz und wettbewerbsfähigen Modellen auf. Für deutsche Hersteller erhöht das den Druck auf Preise, Entwicklungsgeschwindigkeit und technische Ausstattung.
Volkswagens Entscheidung für Wayve passt in diese Lage. Der Konzern sucht externe Unterstützung in einem Bereich, der für künftige Modelle und die Position im internationalen Wettbewerb zentral ist. Autonome und teilautonome Fahrfunktionen gelten als ein Feld, auf dem Hersteller sich voneinander abheben wollen. Gleichzeitig können Rückstände teuer werden, wenn Kundinnen und Kunden digitale Funktionen stärker gewichten.
Die Krise der Branche zeigt sich damit nicht nur in Stimmungswerten. Sie betrifft auch die strategische Frage, wie schnell traditionelle Hersteller neue Technik in marktreife Produkte bringen. Für Volkswagen ist die Kooperation mit Wayve ein Schritt in diese Richtung. Ob sie den Abstand zu besonders softwarestarken Wettbewerbern verkleinert, entscheidet sich in der weiteren Entwicklung und später im Einsatz in Serienfahrzeugen.
Einordnung
Die deutsche Autoindustrie steht vor mehreren gleichzeitigen Herausforderungen. Exporte schwächeln, Beschäftigungsperspektiven trüben sich ein, und der Wettbewerb bei Elektrofahrzeugen wird härter. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an digitale Systeme im Auto.
Für Volkswagen bedeutet das: Technische Partnerschaften werden wichtiger, um Entwicklungszeiten zu verkürzen und spezialisiertes Know-how einzubinden. Die Zusammenarbeit mit Wayve zeigt, dass der Konzern beim autonomen Fahren stärker auf KI-Kompetenz von außen setzt. In der aktuellen Branchenlage ist das nicht nur ein Technologieprojekt, sondern auch ein Wettbewerbsfaktor.