Wirtschaft · Autobranche unter Druck
VW-Krise verschärft sich mit Einbruch in China
Volkswagen gerät in der Absatzkrise stärker unter Druck. Im dritten Quartal lieferte der Konzern nach Zahlen, über die n-tv berichtet, 1,89 Millionen Fahrzeuge aus und lag damit 14,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Kernmarke Volkswagen verlor noch deutlicher: Sie kam auf mehr als 946.000 Fahrzeuge, ein Minus von 19,3 Prozent. Besonders schwer wiegt China, wo die Konzernverkäufe um 38,5 Prozent auf 405.800 Autos sanken. Parallel treibt Vorstandschef Oliver Blume einen harten Sparkurs voran, der zehntausende Stellen und mehrere deutsche Standorte betrifft.
China belastet Volkswagen
Der chinesische Markt ist für Volkswagen zum größten Problemfeld geworden. Nach Angaben aus dem Bericht entfielen mehr als 80 Prozent des gesamten Rückgangs im Konzern auf die Volksrepublik. Dort treffen deutsche Hersteller auf sinkende Nachfrage, starken Preisdruck und wachsende Konkurrenz chinesischer Anbieter. In den ersten neun Monaten des Jahres kam der VW-Konzern noch auf gut 6 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge. Das entspricht einem Rückgang von 9,0 Prozent.
Blume fordert vor diesem Hintergrund mehr Unterstützung durch die Politik. Am Rand der Pariser Automesse sprach er sich für mehr regulatorische Flexibilität und Anreize für Produktion in Europa aus. Besonders das Geschäft mit Volumenmodellen stehe unter Druck, weil dort geringere Margen erzielt werden als im Premiumsegment. Der VW-Chef sagte, Europa müsse seine industrielle Grundlage sichern.
Sparkurs trifft Werke und Beschäftigte
Der Konzernumbau hat eine arbeitsmarktpolitische Dimension. Blume hat Volkswagen einen tiefen Einschnitt verordnet. Vorgesehen sind der Abbau weiterer zehntausender Arbeitsplätze und das Auslaufen der Fertigung in vier deutschen Werken. Auf Arbeitnehmerseite gibt es dagegen massiven Widerstand.
Die Lage wird dadurch verschärft, dass der Absatzrückgang nicht nur eine einzelne Marke betrifft. Zur Volkswagen-Gruppe gehören neben der Kernmarke unter anderem Audi, Porsche, Skoda, Seat und Cupra. Mehrere dieser Marken kämpfen ebenfalls mit schwächeren Verkäufen. Bei Audi brachen die Auslieferungen im dritten Quartal um 19,7 Prozent auf 314.905 Fahrzeuge ein. Zum Vergleich: Im dritten Quartal 2023 hatte die Kernmarke Audi noch knapp 480.000 Autos ausgeliefert.
Auch Porsche verkauft weniger. Im dritten Quartal gingen gut 56.000 Sport- und Geländewagen an Kundinnen und Kunden, 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In China sanken die Porsche-Verkäufe in den ersten neun Monaten um 33 Prozent auf rund 21.500 Fahrzeuge. Die Führung des Unternehmens stellt sich darauf ein, dort künftig höchstens noch ein Zehntel des Absatzes zu erzielen. Im Spitzenjahr 2020 hatte China noch fast 35 Prozent beigetragen, 2025 waren es knapp 15 Prozent.
Zulieferer spüren die Schwäche
Die Krise erreicht auch die Zulieferindustrie. Schaeffler nimmt wegen des schwächeren Geschäfts mit Elektromobilität in China Belastungen von rund 240 Millionen Euro vor, davon 220 Millionen Euro im dritten Quartal. Das teilte der Konzern am Dienstag mit. Wie das Handelsblatt berichtet, hängt der Schritt mit der schwachen Nachfrage nach Elektroautos europäischer Hersteller in China zusammen.
Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld sagte dem Handelsblatt, das Problem habe sich seit Jahresbeginn „deutlich verschärft“. Der Konzern korrigiert demnach Überkapazitäten in der E-Mobilitätssparte und bereinigt sein Geschäft mit Thermomanagementsystemen, die unter anderem bei der Kühlung von Batterien eingesetzt werden. Die Aktie fiel zeitweise auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr.
Schwäche der deutschen Hersteller
Volkswagen steht mit den Problemen nicht allein. Auch andere deutsche Autokonzerne meldeten im dritten Quartal sinkende Auslieferungen. BMW kam mit einem Minus von 6,3 Prozent auf gut 551.000 Fahrzeuge noch vergleichsweise besser durch die Monate Juli bis September. In China verlor BMW fast ein Viertel und erreichte gut 114.300 Autos, legte aber in Europa und den USA zu.
Mercedes-Benz setzte im dritten Quartal gut 407.000 Pkw ab, 8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In China gingen die Verkäufe um 31 Prozent zurück. Damit zeigt sich ein gemeinsames Muster: Der wichtigste Auslandsmarkt vieler deutscher Hersteller trägt nicht mehr wie früher. Zugleich steigt der Druck, Produktion, Kosten und Modellpolitik in Europa neu auszurichten.