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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Autobranche unter Druck

VW-Krise verschärft sich durch China-Einbruch

Volkswagen verliert in China deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Die Schwäche belastet die Gewinne und erhöht den Druck auf Sparprogramme in Deutschland.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Autofabrik steht für den wachsenden Druck auf Volkswagen und die deutsche Autoindustrie.
Symbolbild: Eine Autofabrik steht für den wachsenden Druck auf Volkswagen und die deutsche Autoindustrie. KI-generiert

Volkswagen gerät in China immer stärker unter Druck. In den ersten acht Monaten lagen die Zulassungen des Konzerns in der Volksrepublik rund 30 Prozent unter dem Vorjahreswert; ein Jahr zuvor waren es zu diesem Zeitpunkt noch etwa 400.000 Fahrzeuge mehr. Der Rückgang trifft VW in einer Phase, in der der Konzern bereits harte Einschnitte prüft: In Deutschland stehen nach Handelsblatt-Angaben vier Werke zur Debatte.

China verliert Rolle als Gewinnmotor

Der chinesische Automarkt ist insgesamt eingebrochen, deutsche Hersteller trifft die Entwicklung jedoch besonders hart. Eine Handelsblatt-Auswertung chinesischer Versicherungsregistrierungen zeigt: Von Januar bis August wurden in China knapp drei Millionen Autos weniger zugelassen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das entspricht einem Minus von 20 Prozent.

Die großen deutschen Hersteller schneiden schlechter ab. Zusammengenommen kamen VW, BMW, Mercedes, Audi und Porsche auf ein Minus von 27 Prozent. Volkswagen liegt mit rund 30 Prozent Rückgang nochmals darunter. Auch andere deutsche Premiumanbieter verlieren deutlich: Mercedes verzeichnete ein Minus von fast 27 Prozent, BMW lag 22 Prozent unter dem Vorjahresstand, Porsche büßte nahezu 36 Prozent ein.

Für Volkswagen ist das besonders brisant, weil China über Jahre ein zentraler Ergebnistreiber war. Der Konzern kalkuliert für das Geschäft dort derzeit nur noch mit einem Gewinnbeitrag zwischen 200 und 600 Millionen Euro. Früher waren es rund fünf Milliarden Euro. Dieser Ausblick entstand noch vor der jüngsten Zuspitzung des Marktrückgangs.

Gewinnziele geraten unter Druck

Die Schwäche in China belastet die Bilanzen der deutschen Autobranche bereits sichtbar. Im ersten Halbjahr verdienten die deutschen Hersteller zusammen 8,5 Milliarden Euro nach Steuern. Das war ein Viertel weniger als ein Jahr zuvor. BMW und Volkswagen haben ihre Gewinnziele bereits gesenkt, Mercedes kappte seine Umsatzerwartungen.

VW-China-Chef Ralf Brandstätter rechnet laut Handelsblatt damit, dass die Zahl der verkauften Autos in China im Gesamtjahr um ein Fünftel sinkt. Auch bei anderen Herstellern ist die Unsicherheit groß. BMW-Chef Milan Nedeljkovic äußerte sich zurückhaltend zu Prognosen für den chinesischen Markt.

Ein besonders deutlicher Einschnitt zeigt sich bei einzelnen Gemeinschaftsunternehmen. BMW erzielte 2023 mit BMW Brilliance Automotive noch 3,2 Milliarden Euro Nachsteuergewinn bei 33 Milliarden Euro Umsatz. Im vergangenen Jahr fiel der Gewinn auf 270 Millionen Euro, der Umsatz sank auf 20,5 Milliarden Euro. Mercedes musste im ersten Halbjahr über seinen Joint-Venture-Partner BBAC anteilig einen Ergebnisverlust von 445 Millionen Euro hinnehmen. Ein Jahr zuvor hatte dort noch ein Gewinn von 645 Millionen Euro gestanden.

Sparprogramme treffen Deutschland

Die Konzerne reagieren mit Kostensenkungen. Bei Volkswagen stehen vier Werke zur Diskussion. Mercedes hat in Deutschland ein neues Abfindungsprogramm gestartet und verweist intern auf die schwierige Lage in China. Dort heißt es, Erfolge in anderen Weltregionen würden durch Rückgänge auf dem chinesischen Markt übertroffen. Zudem ist die Zukunft eines Produktionswerks und eines Komponentenwerks in Deutschland offen.

Bei BMW geht es bislang nicht um Fabrikschließungen. Nach Handelsblatt-Informationen will der Konzern aber etwa 8.000 Stellen abbauen, ein großer Teil davon in Deutschland. Damit zeigt sich ein Muster: Wenn die Nachfrage in China fällt, werden Einschnitte vor allem am Heimatstandort vorbereitet.

Der Automotive-Berater Thomas Luk warnt, deutsche Hersteller könnten in China bald rote Zahlen schreiben, falls der Abwärtstrend anhält. Er verweist dabei auf zusätzliche Belastungen wie Entwicklungskosten, Händlerunterstützung, Restwertrisiken und Kapitalkosten für schwach ausgelastete Werke. Luk erwartet für dieses Jahr nur noch 18,4 Millionen Neuwagenverkäufe in China. Im vergangenen Jahr waren es 23,6 Millionen.

Abhängigkeit rächt sich

Die Krise zeigt, wie stark sich deutsche Autobauer auf China verlassen haben. Über Jahre lieferte der Markt hohe Gewinne und kompensierte Belastungen an anderer Stelle. Nun sinken die Zulassungen, während lokale und internationale Wettbewerber robuster wirken. Für Volkswagen verschärft das die strategische Lage: Der Konzern muss Kosten senken, ohne den Anschluss im größten Automarkt der Welt zu verlieren.

Gleichzeitig ist Sparen in China schwierig. In den Joint-Venture-Strukturen mit chinesischen Partnern lassen sich Kapazitäten nicht einfach reduzieren. Luk verweist auf politischen Druck und die geringe Bereitschaft, Personal vor Ort abzubauen. Für VW und andere deutsche Hersteller verlagert sich damit ein Teil der Krisenfolgen nach Deutschland. Die bisherige Stärke in China wird zur Schwachstelle, weil der Markt nicht mehr verlässlich wächst.