Wirtschaft · VW-Rückrufserie
VW begrenzt Ladeleistung bei Tausenden E-Autos
Volkswagen bereitet in Deutschland einen neuen Rückruf für Elektroautos vor. Es geht um einige Tausend Fahrzeuge der ID.-Baureihe, bei denen einzelne Hochvolt-Batteriezellen nicht den internen Vorgaben entsprechen. Bis zur Klärung begrenzt der Konzern die Ladeleistung der betroffenen Autos auf 80 Prozent. Hintergrund sind mögliche Produktionsmängel bei Zulieferern, die im ungünstigsten Fall zu einem Brand führen könnten.
Batterieprüfung in der Werkstatt
Nach Angaben des Unternehmens wurden die Auffälligkeiten bei internen Qualitätskontrollen entdeckt. Betroffen ist demnach nur ein eingegrenzter Herstellungszeitraum. Volkswagen verweist auf einen Fehler in der Produktion von Batteriezellen bei Zulieferern. Dadurch könne sich die thermische Belastung einzelner Batterien erhöhen. In einer vom Tagesspiegel wiedergegebenen Konzernangabe heißt es, in seltenen Fällen könne im Extremfall ein Brand entstehen.
Welche Modelle Volkswagen offiziell einbezieht, nannte der Konzern zunächst nicht. Dem Handelsblatt zufolge zählen unter anderem ID.3, ID.4, ID.7 und ID. Buzz aus bestimmten Bauzeiträumen zwischen 2023 und 2025 dazu. Auch der Cupra Born soll betroffen sein. In den Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes war die Aktion zuletzt noch nicht aufgeführt.
Ein Teil der Fahrzeuge soll in Servicebetriebe gebracht werden. Dort werden die Hochvolt-Batterien überprüft. Erst nach einer unauffälligen Prüfung kann die Ladebegrenzung wieder aufgehoben werden. Weitere technische Maßnahmen stehen noch nicht endgültig fest. Ein Austausch einzelner Batteriemodule ist nicht in jedem Fall vorgesehen; möglicherweise reicht bei bestimmten Fahrzeugen ein Softwareupdate.
Rückrufe laufen bereits in anderen Ländern
In Großbritannien und den USA sind entsprechende Rückrufe bereits angelaufen. Für die USA nennen Behörden mehr als 22.000 betroffene ID.4. Für Deutschland und weitere Märkte bereitet Volkswagen nach Angaben eines Sprechers vergleichbare Schritte vor. Der Konzern stimmt sich dazu mit den zuständigen Behörden ab.
Kundinnen und Kunden sollen schriftlich informiert werden. Das Schreiben soll den Ablauf, Anlaufstellen und weitere Hinweise enthalten. Wer keinen Brief erhält, soll nach Darstellung des Unternehmens nicht zu der betroffenen Gruppe gehören. Auch über spätere Abhilfemaßnahmen will Volkswagen schriftlich informieren.
Die neue Aktion trifft den Konzern kurz nach einem größeren Werkstattaufruf. Ende September hatte Volkswagen weltweit etwa fünf Millionen Fahrzeuge wegen einer korrosionsanfälligen Schraube im Bereich der Lenkung zurückgerufen. In Deutschland waren fast 1,4 Millionen Autos der Marken Volkswagen, Audi, Seat und Skoda betroffen. Der Defekt kann in Einzelfällen die Befestigung und damit die Funktion der Lenkung beeinträchtigen.
Weitere Belastung für Qualität und Zulieferkette
Für Volkswagen ist es bereits der zweite größere Batteriekomplex in diesem Jahr. Im März hatten Volkswagen und Cupra weltweit mehr als 90.000 Fahrzeuge wegen Batterieproblemen in die Werkstätten gerufen. In Deutschland betraf diese Aktion 28.000 Autos.
Der aktuelle Fall lenkt den Blick erneut auf die Qualitätskontrolle in der Lieferkette. Volkswagen führt die Auffälligkeiten bei den Hochvolt-Zellen auf Produktionsfehler bei Zulieferern zurück. Für den Konzern bedeutet das zusätzlichen organisatorischen Aufwand in den Werkstätten und neue Abstimmungen mit Behörden in mehreren Märkten.
Auch andere Hersteller hatten zuletzt Probleme mit Hochvoltbatterien. Die Welt verweist unter anderem auf Rückrufe bei Elektroautos und Plug-in-Hybriden von Mercedes, Ford und Porsche. Bei solchen Fällen geht es häufig um mögliche Kurzschlüsse, Brandrisiken oder nachträgliche technische Begrenzungen. Für die Hersteller bleibt die Batterietechnik damit ein zentrales Qualitäts- und Kostenrisiko beim Ausbau der Elektromobilität.