Wirtschaft · Autobranche unter Druck
Volkswagen sucht Ausweg aus der Absatzkrise
Volkswagen steht in einer verschärften Absatz- und Sparkise. Besonders schwer wiegt der Einbruch in China: Von Januar bis September gingen die Auslieferungen dort um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Auch in den USA, die nun stärker zur Stabilisierung beitragen sollen, setzte der Konzern weniger Fahrzeuge ab. Parallel erhöht das Management in Wolfsburg den Druck auf die Kosten. Ende September beendete Volkswagen große Teile tariflicher Vereinbarungen; einzelne Standorte gelten als gefährdet.
China belastet den Konzern
Der Rückgang im wichtigsten Zukunftsmarkt trifft Volkswagen in einer Phase, in der der Konzern ohnehin tiefgreifend umgebaut wird. China war für den Wolfsburger Autobauer über Jahre ein zentraler Wachstumstreiber. Der aktuelle Absatzrückgang um etwa ein Drittel zeigt, wie stark sich die Lage verändert hat.
Das Handelsblatt berichtet, dass Volkswagen in den ersten neun Monaten in China 30 Prozent weniger Fahrzeuge auslieferte als ein Jahr zuvor. Damit fehlen dem Konzern große Stückzahlen in einem Markt, der für Volumen, Auslastung und Gewinn eine zentrale Rolle spielt.
Die schwächere Nachfrage erhöht den Druck auf die deutschen Werke. In Wolfsburg sorgt der Konzernumbau bereits seit Monaten für Konflikte. Die Kündigung eines Großteils der Tarifverträge Ende September markiert eine neue Eskalationsstufe. Damit schafft sich das Management Spielraum für Einschnitte, über deren genaue Ausgestaltung weiter gestritten wird.
USA sollen Verluste abfedern
Weil China schwächelt, rückt Nordamerika stärker in den Fokus. Volkswagen setzt dort unter anderem auf das Werk Chattanooga im Bundesstaat Tennessee. Dort wird eine neue Generation der Atlas-Modellreihe gebaut. Der Standort gilt im Konzern als wichtiger Baustein für die weitere Strategie in der Region.
Doch auch der US-Markt liefert derzeit keine Entlastung in der erhofften Größenordnung. In den ersten neun Monaten sanken die Auslieferungen dort um knapp acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit kämpft Volkswagen nicht nur in China, sondern auch in einem Markt mit Problemen, der eigentlich Lücken an anderer Stelle schließen soll.
Hinzu kommt ein häufiger Wechsel an der Spitze des Nordamerika-Geschäfts. Seit dem 1. Oktober führt Marco Schubert die Region. Er kam zuvor aus dem Audi-Vorstand, wo er für Vertrieb zuständig war. Innerhalb von zwei Jahren ist er bereits der dritte Manager an der Spitze des US-Geschäfts. Das zeigt, wie hoch die Erwartungen an einen Neustart sind.
Sparkurs trifft Werke und Belegschaft
Der Absatzrückgang fällt in eine Phase, in der Volkswagen an mehreren Fronten gleichzeitig handeln muss. Weniger Verkäufe schwächen die Auslastung, zugleich steigen die Anforderungen an Investitionen und Modellpolitik. Der Konzern versucht deshalb, Kosten zu senken und die Produktion neu auszurichten.
Für die Beschäftigten bedeutet der Kurs wachsende Unsicherheit. Wenn tarifliche Regelungen wegfallen und Werke zur Disposition stehen, geht es nicht mehr nur um Effizienzprogramme, sondern um die industrielle Struktur des Konzerns in Deutschland. Die kommenden Entscheidungen dürften deshalb weit über einzelne Modelle oder Absatzmärkte hinausreichen.
Der neue Atlas in den USA zeigt zugleich, dass Volkswagen weiter auf regionale Anpassung setzt. In Nordamerika will der Konzern mit passenden Fahrzeugen Marktanteile sichern. Ob das gelingt, hängt jedoch nicht allein von einem Modell ab, sondern auch von Vertrieb, Preispositionierung und Produktionskosten.
Altlasten erhöhen den Druck
Neben der Absatzkrise beschäftigen Volkswagen weiter juristische Folgen des Dieselskandals. n-tv berichtete, dass das Oberlandesgericht Celle die Zustimmung der Aktionäre zu einem Haftungsvergleich mit dem früheren Audi-Chef Rupert Stadler für unwirksam erklärt hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der Vergleich war Teil der Aufarbeitung des Abgasskandals. Insgesamt ging es bei den Vereinbarungen mit früheren Spitzenmanagern und Versicherern um rund 288 Millionen Euro. Stadler sollte 4,1 Millionen Euro zahlen, der frühere VW-Chef Martin Winterkorn 11,2 Millionen Euro. Über den Winterkorn-Teil entschied das Gericht in diesem Verfahren nicht.
Der Dieselskandal belastete Volkswagen nach Konzernangaben bisher mit etwa 33 Milliarden Euro. Diese Summe zeigt, wie schwer frühere Krisen noch immer nachwirken. Nun kommt eine neue Belastung hinzu: sinkende Verkäufe in wichtigen Märkten und ein Sparkurs, der den Konzern tief verändert.