Wirtschaft · Autoindustrie
Volkswagen rutscht tiefer in die Absatzkrise
Der Volkswagen-Konzern steht im Absatzgeschäft weiter unter Druck. Zwischen Juli und September lieferte der Autobauer weltweit rund 1,89 Millionen Fahrzeuge aus. Das waren 14,3 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Besonders schwer wiegt der Einbruch in China, wo die Auslieferungen um 38,5 Prozent zurückgingen. Seit Jahresbeginn kommt VW damit auf gut sechs Millionen verkaufte Fahrzeuge, rund 600.000 weniger als ein Jahr zuvor.
Rückgang beschleunigt sich
Die neuen Zahlen verschärfen die Lage für den Konzern aus Wolfsburg. Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa berichtet, hat sich der Absatzrückgang im dritten Quartal beschleunigt. Nach neun Monaten liegt Volkswagen konzernweit 9,0 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. In absoluten Zahlen fehlen dem Hersteller damit etwa 600.000 Fahrzeuge.
Der Konzern umfasst mehrere Marken und ist stark von internationalen Märkten abhängig. Der chinesische Markt spielt dabei eine zentrale Rolle. Der dortige Rückgang fällt mit 38,5 Prozent deutlich stärker aus als der weltweite Durchschnitt. Für Volkswagen ist das besonders relevant, weil China über Jahre einer der wichtigsten Wachstumstreiber war.
Die Zahlen kommen in einer Phase, in der deutsche Hersteller insgesamt mit schwächerer Nachfrage und stärkerer Konkurrenz kämpfen. Vor allem in China hat sich der Wettbewerb verschärft. Lokale Anbieter gewinnen dort Marktanteile, während westliche Hersteller unter Druck geraten.
Audi verliert fast ein Fünftel
Auch die VW-Tochter Audi meldet ein deutlich schwächeres Quartal. Die Kernmarke lieferte von Juli bis September 314.905 Fahrzeuge aus. Das entspricht einem Minus von 19,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal hatte der Rückgang noch bei rund acht Prozent gelegen. Damit hat sich die negative Entwicklung auch bei Audi klar verstärkt.
Für die ersten neun Monate meldet Audi 1,04 Millionen Auslieferungen. Das sind 11,4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In Deutschland und Europa liegt die Marke über diesen Zeitraum leicht im Plus. Die Probleme konzentrieren sich dagegen auf wichtige Auslandsmärkte.
Nach Angaben des Tagesspiegels gingen die Audi-Verkäufe in China in den ersten neun Monaten um knapp ein Viertel zurück. In den USA lag das Minus bei rund einem Sechstel. Der US-Markt trifft Audi zusätzlich, weil die Marke dort keine eigene Produktion betreibt. Dadurch wirken sich Zölle stärker aus als bei Herstellern, die Fahrzeuge vor Ort fertigen.
Audi verweist zudem auf Modellwechsel bei A1 und Q2. Diese Umstellungen belasten aktuell das Volumen. Dennoch zeigt der Vergleich mit früheren Werten, wie stark der Abstand gewachsen ist: Im dritten Quartal 2023 hatte Audi noch knapp 480.000 Fahrzeuge der Kernmarke ausgeliefert. Das liegt deutlich über dem aktuellen Niveau.
China wird zum zentralen Risiko
Die Entwicklung in China ist für Volkswagen und Audi besonders heikel. Der Markt war lange ein wichtiger Stabilitätsanker, nun fällt der Rückgang dort überdurchschnittlich aus. Bei Volkswagen beträgt das Minus im dritten Quartal mehr als ein Drittel. Bei Audi summiert sich der Rückgang seit Jahresbeginn auf fast ein Viertel.
Damit verdichten sich die Probleme in einem Markt, in dem sich die Kräfteverhältnisse verschieben. Deutsche Hersteller stehen dort nicht nur unter Nachfragedruck, sondern auch unter dem Einfluss eines intensiven Preis- und Technologiewettbewerbs. Für Marken mit hohem China-Anteil wirkt sich eine solche Entwicklung schnell auf die Gesamtergebnisse aus.
Auch die Unterschiede zwischen den Regionen fallen auf. Während Audi in Deutschland und Europa in den ersten neun Monaten leicht zulegte, rutschen China und die USA deutlich ab. Das zeigt, dass die Belastungen nicht überall gleich stark sind. Für den Konzern insgesamt reicht die Stabilisierung in einzelnen Märkten aber nicht aus, um die Verluste in den großen Absatzregionen auszugleichen.
Druck auf den Konzern steigt
Die Absatzzahlen erhöhen den Handlungsdruck bei Volkswagen. Ein Minus von 14,3 Prozent im dritten Quartal und ein Rückstand von rund 600.000 Fahrzeugen seit Jahresbeginn setzen den Konzern in einer ohnehin angespannten Branchenlage weiter unter Zugzwang. Für Audi fällt das Bild ähnlich aus: Die Marke bleibt in Europa zwar stabiler, verliert aber in China und den USA deutlich.
Für die Einordnung ist vor allem die Dynamik entscheidend. Sowohl bei Volkswagen insgesamt als auch bei Audi hat sich der Rückgang im dritten Quartal verstärkt. Damit geht es nicht nur um ein schwaches Einzelquartal, sondern um eine Entwicklung, die sich über mehrere Monate zeigt. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob neue Modelle und regionale Stabilisierung ausreichen, um den Abwärtstrend zu bremsen.