Wirtschaft · Autobranche unter Druck
Volkswagen ringt mit Absatzkrise und Sparkurs
Volkswagen gerät in der Absatzkrise weiter unter Druck. Der Konzern verkaufte in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 6,01 Millionen Fahrzeuge und damit neun Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie die FAZ berichtete. Besonders schwer wiegt der Einbruch in China. Dort sank der Absatz um rund 30 Prozent. Parallel wächst der Wettbewerbsdruck in Europa, wo chinesische Hersteller mit mehr Marken und Modellen präsenter werden.
Schwaches China-Geschäft belastet den Konzern
Für Europas größten Autobauer ist China seit Jahren ein zentraler Markt. Der aktuelle Rückgang trifft den Konzern deshalb an einer empfindlichen Stelle. Auf Markenebene verschärfte sich die Lage im dritten Quartal ebenfalls: Volkswagen und Audi setzten jeweils knapp ein Fünftel weniger Fahrzeuge ab. Skoda konnte seine Verkäufe dagegen ungefähr halten. Die Nutzfahrzeugholding Traton entwickelte sich als Gegenpol positiv und legte um gut zehn Prozent zu.
Die Zahlen zeigen, dass die Krise nicht nur einzelne Modelle betrifft. Sie trifft wichtige Marken, zentrale Regionen und damit auch die industrielle Struktur des Konzerns. Für Volkswagen kommt der Absatzrückgang zu einem Zeitpunkt, an dem hohe Investitionen in Elektromobilität, Software und neue Plattformen weiter finanziert werden müssen.
Sparkurs mit Folgen für Standorte
Der Vorstand will den Konzern robuster und wettbewerbsfähiger machen. Dazu sollen in den kommenden Jahren Milliarden eingespart werden. Zusätzlich steht ein weiterer Abbau von 50.000 Stellen weltweit im Raum, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Wie sich diese Zahl genau auf Volkswagen und andere Konzernmarken verteilt, ist öffentlich nicht beziffert.
Offen bleibt zudem, welche Rolle einzelne Werke künftig spielen. Genannt werden die Volkswagen-Standorte Emden, Hannover und Zwickau sowie der Audi-Standort Neckarsulm. Für die Beschäftigten und die betroffenen Regionen ist die Unsicherheit groß, weil die Werke eng mit Zulieferern und lokalen Dienstleistern verbunden sind.
An der Börse reagierten Anleger zunächst gelassen. Die Volkswagen-Aktie gewann zu Handelsbeginn 1,4 Prozent. Für Investoren zählt jedoch nicht nur der kurzfristige Kursausschlag. Entscheidend wird, ob der Konzern den Umbau finanzieren kann, ohne weitere Marktanteile zu verlieren.
Chinesische Anbieter drängen nach Europa
Der Druck kommt nicht mehr nur aus China selbst. Chinesische Autohersteller treten inzwischen deutlich sichtbarer auf dem europäischen Markt auf. Auf der Automesse in Paris waren so viele chinesische Marken vertreten wie nie zuvor. Nach Angaben des Handelsblatts meldeten sich 20 Hersteller aus China für die Messe an.
Auch die Marktdaten unterstreichen den Trend. Der europäische Branchenverband Acea bezifferte den Anteil chinesischer Hersteller an den EU-Neuzulassungen im August auf rund elf Prozent. Ein Jahr zuvor lag er bei etwa sieben Prozent. Damit wächst die Konkurrenz ausgerechnet in einer Phase, in der europäische Hersteller ihre Heimatmärkte stärker verteidigen wollen.
Die Süddeutsche Zeitung zitierte Renault-Chef François Provost in Paris mit den Worten: „Die Zeiten sind nicht einfach.“ Er verwies dabei auf neue Wettbewerber. Gemeint sind vor allem Hersteller aus China, die ihre Modellpalette ausbauen und sich in Europa breiter aufstellen.
Europas Hersteller verlieren Spielraum
Für Volkswagen verschieben sich damit die Kräfteverhältnisse auf zwei Ebenen. In China verlieren europäische Anbieter an Boden, während chinesische Unternehmen in Europa zulegen. Das setzt Preise, Margen und Produktionsplanung zusätzlich unter Druck. Zugleich müssen die Unternehmen entscheiden, welche Technologien, Werke und Modelle in den nächsten Jahren Vorrang haben.
Die EU prüft härtere Instrumente zum Schutz der europäischen Autoindustrie. Ob solche Maßnahmen den Vormarsch chinesischer Anbieter bremsen, bleibt für die Hersteller eine zentrale Frage. Für Volkswagen ist der Handlungsdruck bereits jetzt konkret: sinkende Verkäufe, hohe Fixkosten und ein tiefgreifender Sparkurs bestimmen die nächste Phase des Konzernumbaus.