Wirtschaft · Preise und Märkte
US-Inflation schürt neue Zinssorgen
Die Teuerung in den Vereinigten Staaten hat im September wieder angezogen und die Finanzmärkte belastet. Die Verbraucherpreise lagen um 3,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Ökonomen, die Reuters befragt hatte, hatten laut FAZ mit 3,6 Prozent gerechnet. Die Zahlen verstärkten die Sorge, dass die amerikanische Notenbank Fed früher als bislang angenommen reagieren könnte. Besonders stark traf es Aktien von Unternehmen, die Rechenzentren und Cloudkapazitäten für Künstliche Intelligenz finanzieren.
Börsen reagieren mit Verlusten
Nach der Veröffentlichung der Inflationsdaten gaben die amerikanischen und asiatischen Aktienmärkte deutlich nach. Der Technologieindex Nasdaq verlor am Mittwoch rund 1,9 Prozent. Es war der kräftigste Tagesrückgang seit Juli. In Südkorea fiel der Kospi am Donnerstag um 8,6 Prozent. Der Index wird stark von großen Technologiewerten geprägt, darunter Samsung und SK Hynix.
Noch stärker unter Druck standen spezialisierte Cloudanbieter, die Rechenleistung für KI-Systeme bereitstellen. Die Aktie von Coreweave verlor am Mittwoch 15 Prozent, Nebius gab um zehn Prozent nach. Anlegerinnen und Anleger blicken bei diesen Firmen zunehmend auf die Finanzierungsseite: Viele Anbieter investieren massiv in neue Rechenzentren, sind aber zugleich stark von Fremdkapital abhängig.
Zinserwartungen drehen nach oben
Die höheren Inflationswerte verändern auch die Erwartungen an die US-Geldpolitik. Nach Daten des Analyseinstruments Fedwatch der Chicagoer Börse stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Fed noch in diesem Monat auf rund 30 Prozent. Eine Woche zuvor hatte der Wert bei etwa 18 Prozent gelegen.
Steigende Leitzinsen verteuern Kredite für Staaten und Unternehmen. Für Firmen mit hohem Kapitalbedarf kann das besonders belastend werden. Das gilt vor allem dort, wo große Investitionen erst mit Verzögerung Einnahmen bringen. Genau dieses Spannungsfeld beschäftigt derzeit die Märkte für KI-Infrastruktur.
Die FAZ verweist dabei auf Coreweave als Beispiel für die Risiken der Branche. Das Unternehmen meldete zum Ende des zweiten Quartals 2026 Verbindlichkeiten von rund 35 Milliarden Dollar. Gleichzeitig lag der freie Mittelabfluss bei 5,7 Milliarden Dollar. Zwar verfügt Coreweave über ein Auftragsvolumen von etwa 104 Milliarden Dollar. Innerhalb von 24 Monaten nach Juni 2026 sollen davon aber nur rund 40 Prozent umgesetzt werden.
Kreditmärkte zeigen Nervosität
Auch am Markt für Kreditausfallversicherungen zeigt sich die wachsende Skepsis. Die Preisaufschläge für Absicherungen auf Coreweave-Schulden stiegen über 1.000 Basispunkte. Damit kostet die Versicherung eines Kreditvolumens von zehn Millionen Dollar mehr als eine Million Dollar. Zugleich stieg die Rendite von Unternehmensanleihen des Anbieters auf knapp 16 Prozent. In diesem Bereich gelten Anleihen als stark gefährdet.
Die Entwicklung betrifft nicht nur einzelne Spezialanbieter. Auch bei großen Technologieunternehmen wie Oracle, Amazon, Meta und Nvidia wurden steigende Absicherungskosten registriert. Beim japanischen Technologieinvestor Softbank legten vergleichbare Aufschläge laut FAZ um 24 auf 424 Basispunkte zu. Softbank hatte zuletzt ein großes Anleihepaket platziert, um den KI-Entwickler Open AI zu finanzieren.
KI-Boom braucht hohe Erlöse
Hintergrund ist der enorme Kapitalbedarf der Branche. Amazon, Meta, Alphabet und Microsoft planen in diesem Jahr Investitionen zwischen 735 und 760 Milliarden Dollar. Ein erheblicher Teil davon fließt in Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Hinzu kommen kleinere Anbieter, die sich auf Rechenleistung und Cloudkapazitäten spezialisiert haben.
Die Unternehmensberatung Bain erwartet, dass bis 2030 fünf bis 6,5 Billionen Dollar in neue Rechenzentren investiert werden könnten. Damit sich diese Ausgaben langfristig tragen, müssten KI-Anwendungen bis 2031 jährlich rund sechs Billionen Dollar Umsatz erzielen. Bain sieht auf Basis der derzeit absehbaren Anwendungen jedoch eine Lücke von etwa 4,2 Billionen Dollar. Bain-Partner Philipp Sautner sagte der FAZ: „Der KI-Boom ist eine Billionenwette auf Wachstum, das erst noch entstehen muss.“
Auch die IT-Analysten von Gartner warnen vor Risiken. Bis Ende 2030 könnten mehr als 3,5 Billionen Dollar an Ausgaben für KI-Infrastruktur von Wertberichtigungen betroffen sein, falls die Anbieter ihr aktuelles Investitionstempo beibehalten. Die neuen Inflationsdaten treffen damit auf einen Markt, der ohnehin hohe Bewertungen, große Schulden und unsichere künftige Erträge neu bewertet.