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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Künstliche Intelligenz

Telekom plant Milliardenentlastung durch KI

Die Deutsche Telekom will mit KI und Automatisierung ihre Kosten deutlich drücken. Bis 2030 soll die Entlastung 2,5 Milliarden Euro erreichen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein vernetzter Leitstand steht für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Telekommunikationsnetzen.
Symbolbild: Ein vernetzter Leitstand steht für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Telekommunikationsnetzen. KI-generiert

Die Deutsche Telekom macht Künstliche Intelligenz zu einem zentralen Hebel für ihre Kostenpläne. Der Bonner Konzern rechnet damit, dass KI und Automatisierung die indirekten jährlichen Kosten bis 2030 um rund 2,5 Milliarden Euro gegenüber 2023 senken. Für 2027 liegt die angepeilte Bruttoentlastung bei 1,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig will die Telekom das KI-Geschäft mit Firmenkunden außerhalb der USA deutlich ausbauen.

Investorentag mit neuen KI-Zielen

Die Zahlen stellte der Dax-Konzern am Montag im Umfeld eines Investorentags vor. Nach Angaben, über die unter anderem heise berichtete, hält die Telekom zugleich an ihrer Prognose und an den mittelfristigen Unternehmenszielen fest. An der Börse blieb eine größere unmittelbare Reaktion zunächst aus: Vor Handelsstart bewegte sich die Aktie auf Tradegate kaum im Vergleich zum Xetra-Schluss vor dem Wochenende.

Für das Geschäft mit KI-Lösungen in Unternehmen außerhalb der USA nennt die Telekom ein klares Wachstumsziel. Der Umsatz in diesem Feld soll bis 2030 auf 800 Millionen Euro steigen. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern rund 250 Millionen Euro. Damit verbindet die Telekom Einsparungen im eigenen Betrieb mit der Hoffnung auf zusätzliche Erlöse im Unternehmenskundengeschäft.

Konzernchef Tim Höttges ordnet KI als grundlegenden Umbau ein. Laut Mitteilung sagte er: „KI verändert die Telekom von Grund auf.“ Sie solle Netze leistungsfähiger machen, den Service stärker personalisieren und neue Angebote ermöglichen, etwa Assistenten in Telefongesprächen oder Infrastruktur für europäische Industriekunden.

Automatisierung in Netz und Service

Der Konzern setzt KI vor allem in Bereichen ein, in denen viele ähnliche Vorgänge anfallen. Dazu zählen der Netzbetrieb, der Kundendienst, interne Verwaltungsabläufe und die Softwareentwicklung. Im Mobilfunknetz soll die Technik Lastspitzen und mögliche Störungen früher erkennen. Im Service sollen digitale Systeme Anfragen schneller einordnen und Beschäftigte entlasten.

Im ersten Halbjahr übernahm der Chatbot „Frag Magenta“ nach Angaben der Telekom bereits rund 2,6 Millionen Anrufe im Kundenservice. In den USA sank die Zahl der Anrufe im Kundendienst um 55 Prozent. Dort werden inzwischen 40 Prozent der Kundenkontakte durch KI-Agenten bearbeitet. Diese Angaben zeigen, wie stark der Konzern einzelne Serviceprozesse bereits automatisiert hat.

Auch in der Softwareentwicklung soll KI eine größere Rolle spielen. Entwicklerteams erhalten Unterstützung beim Programmieren und beim Umbau älterer IT-Systeme. Das Handelsblatt berichtet zudem, dass die Telekom an einer Plattform für mittelständische Unternehmen arbeitet, mit der wiederkehrende Aufgaben automatisiert werden können. Damit zielt der Konzern nicht nur auf interne Effizienz, sondern auch auf vermarktbare Anwendungen für Firmen.

Neue Dienste für Privatkunden

Neben dem Unternehmenskundengeschäft sieht die Telekom auch im Privatkundensegment neue Möglichkeiten. Geplant sind KI-Funktionen, die Telefongespräche in Echtzeit übersetzen können. Digitale Assistenten sollen außerdem Inhalte zusammenfassen oder Fragen zu Gesprächen beantworten. Solche Funktionen könnten bestehende Mobilfunkangebote ergänzen und zusätzliche Dienste attraktiver machen.

Die Telekom betreibt nach Handelsblatt-Angaben unter anderem ein KI-Rechenzentrum in München. Solche Infrastruktur ist für den Konzern wichtig, weil er KI-Anwendungen nicht nur nutzen, sondern auch als Bestandteil eigener Produkte anbieten will. Dabei positioniert sich das Unternehmen zugleich als Anbieter für Kunden, die auf europäische Infrastruktur setzen wollen.

Einsparungen und Investitionen

Die genannten 2,5 Milliarden Euro beziehen sich auf die Senkung indirekter jährlicher Kosten gegenüber 2023. Das Handelsblatt weist darauf hin, dass die Ausgaben für die Nutzung von KI-Technologie in dieser Rechnung nicht enthalten sind. Die Zielgröße beschreibt damit eine Bruttoentlastung, nicht den vollständigen Nettoeffekt auf das Ergebnis.

Ein Teil der frei werdenden Mittel soll in den Glasfaserausbau fließen. Damit verbindet die Telekom ihre KI-Strategie mit einem klassischen Infrastrukturthema des Konzerns. Die Pläne zeigen, wie eng Automatisierung, Kundendienst, Netzbetrieb und neue digitale Geschäftsmodelle inzwischen zusammenrücken. Für die Telekom geht es nicht allein um effizientere Abläufe, sondern auch um die Frage, wie sich ein Telekommunikationskonzern im KI-Wettbewerb neu aufstellt.