Wirtschaft · Energiepreise
Tankrabatt entlastet Autofahrer nur teilweise
Hohe Ölpreise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher weiter, obwohl die Politik die Energiesteuer auf Kraftstoffe gesenkt hat. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung kommt der Tankrabatt an den Zapfsäulen nur zum Teil an: Bei Diesel werden demnach 13 Cent je Liter weitergereicht, bei Benzin 11 Cent. Der mögliche Entlastungsspielraum liegt bei knapp 17 Cent.
DIW sieht Lücke an der Zapfsäule
Der Wettbewerbsökonom Tomaso Duso, Leiter der DIW-Abteilung Unternehmen und Märkte und Vorsitzender der Monopolkommission, nannte die Zahlen im Deutschlandfunk gut eine Woche nach Beginn der Maßnahme. Die Differenz zwischen möglicher und tatsächlicher Weitergabe ist für Haushalte mit Auto spürbar, weil der Entlastungseffekt pro Tankfüllung geringer ausfällt als politisch angelegt.
Die Steuersenkung wurde von Union und SPD beschlossen. Sie soll die hohen Kraftstoffkosten dämpfen, die durch den Ölmarkt und die Energiepreislage verstärkt werden. Nach DIW-Berechnungen bleibt aber ein Teil der Entlastung in der Preiskette hängen. Damit rückt erneut die Frage in den Mittelpunkt, ob ein allgemeiner Rabatt auf Kraftstoffe Verbraucherinnen und Verbraucher zielgenau erreicht.
Duso verwies zudem auf Erfahrungen mit einer früheren Entlastungsrunde im Frühjahr. Damals hatte die Bundesregierung 1,6 Milliarden Euro eingesetzt. Bis zu 300 Millionen Euro seien nach seiner Darstellung bei Mineralölgesellschaften verblieben. Der Ökonom hält direkte Hilfen für Haushalte mit geringen Einkommen oder für kleinere Unternehmen für sinnvoller. Auch die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer kritisiert die Maßnahme, weil staatliches Geld aus ihrer Sicht nicht an der wirksamsten Stelle eingesetzt wird.
Öl bleibt ein Marktrisiko
Die Entwicklung an den Finanzmärkten zeigt, dass der Ölpreis längst nicht nur für Autofahrerinnen und Autofahrer entscheidend ist. Nach Angaben von tagesschau.de beruhigte sich der Ölmarkt am Freitag zwar, das Preisniveau blieb aber hoch. Der DAX erholte sich daraufhin und schloss bei 25.087 Punkten. Das entsprach einem Tagesplus von 1,13 Prozent. Für die Woche stand dennoch ein Minus von knapp 0,6 Prozent. Der MDAX legte am Freitag um 1,64 Prozent auf 29.989 Punkte zu.
Hinter der Nervosität steht vor allem die Lage rund um den Persischen Golf. US-Präsident Donald Trump hatte erklärt, dass der Iran vor den Kongresswahlen im November nicht angegriffen werde. Diese Aussage entspannte die Märkte kurzfristig. Zugleich bleibt die Unsicherheit hoch, weil Investoren mögliche neue Eskalationen in der Region einpreisen. Eine Verschärfung könnte den Ölpreis erneut nach oben treiben und damit auch Kraftstoffe verteuern.
Hohe Energiepreise wirken außerdem auf die Geldpolitik. Bleiben Öl und Kraftstoffe teuer, steigt der Druck auf die Inflationsraten. Das kann Notenbanken zu weiteren Zinsschritten bewegen. Für Unternehmen würden Finanzierungen damit teurer, für Verbraucherinnen und Verbraucher Kredite ebenfalls. So wird der Ölpreis zu einem Faktor, der vom Tankstellenpreis bis zu Aktienkursen und Anleiherenditen reicht.
Entlastung bleibt umstritten
Für die Verkehrskosten privater Haushalte zählt am Ende der Preis an der Zapfsäule. Wenn eine Steuersenkung nur teilweise weitergegeben wird, sinkt die Belastung weniger stark als beabsichtigt. Besonders Haushalte, die auf das Auto angewiesen sind, profitieren dann nicht in vollem Umfang. Gleichzeitig kostet die Maßnahme den Staat erhebliche Einnahmen.
Der Streit über den Tankrabatt fügt sich damit in eine breitere energiepolitische Debatte ein. Kurzfristige Entlastungen können Preisspitzen abmildern, lösen aber nicht die Abhängigkeit von Ölpreisen und geopolitischen Risiken. Solange der Ölmarkt angespannt bleibt, bleiben auch Spritkosten ein zentrales Verbraucherthema. Entscheidend wird, ob die Entlastung an den Tankstellen stärker bei Kundinnen und Kunden ankommt oder ob die Politik künftig andere Instrumente wählt.