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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Entlastung an Zapfsäulen

Tankrabatt drückt Spritpreise schon zum Start

Seit Mitternacht gilt ein neuer Tankrabatt für Benzin und Diesel. An vielen Tankstellen sanken die Preise sofort deutlich, doch die Maßnahme bleibt umstritten.

Presseonline-Redaktion · · 4 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Tankvorgang an einer Zapfsäule steht für sinkende Kraftstoffpreise nach dem Start des Tankrabatts.
Symbolbild: Ein Tankvorgang an einer Zapfsäule steht für sinkende Kraftstoffpreise nach dem Start des Tankrabatts. KI-generiert

Der neue Tankrabatt hat an den Zapfsäulen sofort Wirkung gezeigt. Seit Mitternacht gilt für Benzin und Diesel ein Steuernachlass von 16,7 Cent je Liter, wenn Kraftstoff Tanklager und Raffinerien verlässt. Nach Angaben der Tagesschau fielen die Preise bereits in der Nacht spürbar, am Vormittag lag Super E10 im bundesweiten Durchschnitt deutlich niedriger als am Vortag. Diesel wurde ebenfalls günstiger, blieb aber meist oberhalb der Marke von zwei Euro pro Liter.

Preise fallen direkt nach Mitternacht

Der Preisrückgang setzte unmittelbar nach Beginn der Maßnahme ein. Der ADAC ermittelte um 8.00 Uhr für Super E10 im bundesweiten Schnitt ein Minus von 14,5 Cent gegenüber demselben Zeitpunkt am Vortag. Diesel war demnach 15,2 Cent günstiger. Bis 11.45 Uhr sank E10 auf durchschnittlich 2,052 Euro pro Liter, Diesel auf 2,197 Euro.

Kurz danach zeigte sich jedoch, dass die Entlastung an den Zapfsäulen nicht geradlinig verläuft. Gegen 12.15 Uhr lagen die Preise wieder um rund 20 Cent höher. Solche Bewegungen zur Mittagszeit sind im deutschen Tankstellenmarkt nicht ungewöhnlich. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer hatten deshalb offenbar den Vormittag genutzt. An zahlreichen Stationen war der Betrieb lebhaft, vereinzelt bildeten sich Warteschlangen.

Auch der MDR berichtete zum Start der neuen Regelung von einer deutlichen Entlastung bei den Kraftstoffpreisen. Entscheidend für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt nun, ob der niedrigere Steuersatz dauerhaft in den Endpreisen sichtbar bleibt.

Unterschiede je nach Region

Die Preissenkung kam nicht überall gleich stark an. E10 wurde am Morgen in einigen Gegenden für weniger als zwei Euro pro Liter angeboten. Das galt nach Daten des ADAC-Portals unter anderem vielerorts in Städten wie München, Stuttgart oder Leipzig. In Berlin gab es ebenfalls zahlreiche entsprechende Angebote, in Hamburg deutlich weniger. Für Köln wurden am Morgen keine Tankstellen unterhalb dieser Schwelle angezeigt.

Beim Diesel blieb die Lage angespannter. Selbst nach den ersten Abschlägen lagen die Preise in der Regel klar über zwei Euro pro Liter. Heise berichtete unter Berufung auf das Spritpreisportal Tankerkönig, dass die dort erfassten bundesweiten Durchschnittswerte schon zwischen 23.41 Uhr und 0.41 Uhr um etwa zehn bis elf Cent nachgaben. Am frühen Morgen zeigte sich demnach eine ähnliche Differenz zum Vergleichszeitpunkt am Vortag.

Eine Pflicht der Tankstellen, die Steuersenkung vollständig weiterzugeben, gibt es nicht. Zudem wirken Einkaufspreise, Lagerbestände, regionale Konkurrenz und tägliche Preiszyklen auf die Anzeige an der Säule. Deshalb dürfte sich erst in den nächsten Tagen genauer zeigen, wie viel der Entlastung dauerhaft bei Kundinnen und Kunden landet.

Kritik an der Maßnahme hält an

Der Tankrabatt ist politisch und wirtschaftlich umstritten. Die Bundesregierung begründet ihn mit den zuletzt extrem hohen Kraftstoffkosten. Der September war laut den Berichten der bislang teuerste Tankmonat. Hohe Energiepreise schlagen auch auf die allgemeine Teuerung durch und beeinflussen Transportkosten, die für Handel und Lebensmittelversorgung eine Rolle spielen.

Der ADAC sah am Vormittag bereits einen großen Teil der steuerlichen Entlastung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern angekommen. Zugleich warnte der Club davor, spätere Preiserhöhungen könnten die Wirkung wieder abschwächen. Schon beim vorherigen Tankrabatt im Mai und Juni war diskutiert worden, ob die Senkung vollständig an den Zapfsäulen ankam. Nach Berechnungen der Monopolkommission verblieben damals gut 200 Millionen Euro des Entlastungsvolumens von 1,6 Milliarden Euro bei Mineralölunternehmen.

Ökonominnen und Ökonomen sehen den neuen Rabatt weiter kritisch. Veronika Grimm sagte der „Augsburger Allgemeinen“ laut Tagesschau, erneut sei offen, welcher Anteil bei den Endverbraucherinnen und Endverbrauchern ankomme. Clemens Fuest vom Ifo-Institut hält den Tankrabatt ebenfalls für ungeeignet. Er argumentiert, vor allem Vielfahrer mit großen Autos profitierten. Aus seiner Sicht wären gezieltere Instrumente für besonders belastete Gruppen sinnvoller.

Bedeutung für Alltag und Handel

Für private Haushalte bringt ein niedrigerer Literpreis kurzfristig Entlastung, besonders wenn lange Arbeitswege oder regelmäßige Fahrten mit dem Auto anfallen. Zugleich bleibt die Wirkung begrenzt, solange die Preise insgesamt hoch sind und tägliche Schwankungen stark ausfallen.

Auch für Unternehmen mit Lieferverkehr ist die Entwicklung relevant. Lebensmittel müssen produziert, gekühlt, gelagert und transportiert werden; Kraftstoffkosten sind dabei ein Kostenfaktor. Ein sinkender Dieselpreis kann den Druck auf einzelne Lieferketten mindern. Ob sich daraus spürbare Änderungen bei Verbraucherpreisen ergeben, hängt jedoch von vielen weiteren Kosten ab, darunter Energie, Löhne, Mieten und Rohstoffe.

Der neue Tankrabatt ist damit sofort sichtbar, aber noch nicht abschließend bewertet. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die niedrigeren Preise Bestand haben oder ob ein Teil der Entlastung durch neue Aufschläge wieder verloren geht.