Wirtschaft · Kraftstoffmarkt
Studie sieht Wettbewerbsproblem bei Dieselpreisen
Die Preise an deutschen Zapfsäulen reagieren bei Diesel besonders ungleich auf Bewegungen am Rohölmarkt. Eine Untersuchung von drei Ökonomen zeigt: Verteuert sich Rohöl, ziehen die Dieselpreise schnell und stark an. Wird Öl billiger, fällt die Entlastung für Autofahrerinnen und Autofahrer langsamer und geringer aus. Das berichtet die F.A.Z., der die Studie vor der Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Wirtschaftsdienst“ vorliegt. Die Autoren sehen darin vor allem ein Problem für die Wettbewerbspolitik.
Dieselpreise steigen schneller
Die Studie stammt von Tomaso Duso, dem Vorsitzenden der Monopolkommission, Ferdinand Fichtner von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sowie Sebastian Oschmann von der Monopolkommission. Sie untersucht Preisdaten aus den Jahren 2005 bis 2025 und vergleicht 26 EU-Staaten.
Besonders auffällig ist der Befund für Diesel in Deutschland. Wird Rohöl um 10 Euro je 159-Liter-Fass teurer, erhöht sich der Dieselpreis innerhalb von zwölf Wochen um 10 Cent pro Liter. Fällt der Rohölpreis im gleichen Umfang, sinkt der Dieselpreis dagegen nur um 7,5 Cent pro Liter. Damit geben die Anbieter Belastungen stärker weiter als Entlastungen.
Auch beim Tempo zeigen sich deutliche Unterschiede. Ein großer Teil der Verteuerung kommt rasch bei den Kundinnen und Kunden an. Nach zwei Wochen sind 90 Prozent des höheren Rohölpreises in den Dieselpreisen enthalten. Bei sinkenden Rohölpreisen dauert es neun Wochen, bis 90 Prozent der Entlastung an den Zapfsäulen sichtbar werden.
Deutschland sticht im Vergleich hervor
Die Autoren beschreiben dieses Muster als asymmetrische Preisanpassung. In der Wissenschaft wird dafür auch der Begriff Raketen-Feder-Effekt verwendet: Preise steigen schnell, fallen aber nur langsam. Der Effekt findet sich laut Untersuchung in allen betrachteten Ländern. Deutschland schneidet bei Diesel jedoch besonders schlecht ab.
Bei Benzin zeigen sich ähnliche Bewegungen, allerdings weniger ausgeprägt. Auch hier gehört Deutschland im Vergleich zu den auffälligen Ländern. Der Studie zufolge liegt die Bundesrepublik bei Benzin auf dem zweiten Platz hinter Finnland.
Die Ergebnisse erklären, warum viele Verbraucherinnen und Verbraucher Preissenkungen am Ölmarkt oft erst verspätet an der Zapfsäule wahrnehmen. Fichtner sagte der F.A.Z., bei steigenden Ölpreisen gebe es „Mitnahmeeffekte für die Unternehmen“. Die Untersuchung verortet das Problem nicht bei der Kraftstoffsteuer und auch nicht bei zeitlich befristeten politischen Entlastungen.
Tankrabatte gelten nicht als Lösung
Die Debatte über Spritpreise hatte sich zuletzt auch an der Frage entzündet, ob Mineralölunternehmen staatliche Entlastungen vollständig an Kundinnen und Kunden weitergeben. Die Ökonomen sehen darin jedoch nicht den Kern des Problems. Sie raten von Eingriffen wie Tankrabatten, Preisdeckeln oder Übergewinnsteuern ab.
Solche Maßnahmen könnten die ungleiche Weitergabe von Ölpreisänderungen nicht beseitigen. Sie überlagerten das Problem höchstens für kurze Zeit. Entscheidend sei aus Sicht der Autoren, den Wettbewerb zu stärken. Die beobachteten Effekte lägen in der Marge vor Steuern und hätten sich in den vergangenen Jahren eher verstärkt.
Den Ansatzpunkt sehen die Ökonomen nicht vor allem bei den vielen Tankstellen. Sie vermuten die Ursache eher auf vorgelagerten Marktstufen. Dort gibt es nur wenige Raffinerien und Großhandelsanbieter. Wenn dort Wettbewerb fehlt, kann sich das bis zu den Endpreisen an der Zapfsäule auswirken.
Bedeutung für die Preispolitik
Für die Politik ist der Befund relevant, weil sich die öffentliche Debatte häufig auf Steuern und kurzfristige Entlastungen konzentriert. Die Untersuchung legt nahe, dass solche Instrumente an der Struktur des Kraftstoffmarkts vorbeigehen. Wenn Preisbewegungen nach oben schneller und vollständiger durchgereicht werden als Preisrückgänge, profitieren Unternehmen von der Verzögerung.
Die Autoren plädieren deshalb für eine wettbewerbspolitische Antwort. Dazu gehört die Frage, wie stark einzelne Anbieter auf Raffinerie- und Großhandelsebene den Markt prägen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt entscheidend, ob sinkende Rohölpreise künftig schneller und vollständiger ankommen. Gerade beim Diesel zeigt die Studie, dass Deutschland im europäischen Vergleich besonders großen Nachholbedarf hat.