Wirtschaft · Autobranche unter Druck
Stimmung in der Autoindustrie fällt deutlich
Die Stimmung in der deutschen Automobilindustrie hat sich im September deutlich verschlechtert. Das Geschäftsklima des Münchner Ifo-Instituts fiel auf minus 35,0 Punkte, nach minus 22,0 Punkten im August. Damit bewerten die Unternehmen ihre Lage so schwach wie in diesem Jahr noch nicht. Besonders stark belastet die Branche der Einbruch bei den Exporterwartungen, zugleich trüben sich Auftragsbestand, Ertragslage und Beschäftigungsperspektiven ein.
Geschäftslage rutscht stark ab
Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf das Ifo-Institut berichtet, fällt die aktuelle Einschätzung der Unternehmen besonders negativ aus. Die Beurteilung der Geschäftslage sank im September deutlich und erreichte den schwächsten Stand des laufenden Jahres. Die Erwartungen für die kommenden Monate blieben ebenfalls klar im negativen Bereich, nachdem sie bereits im August stark nachgegeben hatten.
In einer dpa-Meldung beim Tagesspiegel werden die Einzelwerte genauer beziffert. Die Einschätzung der Geschäftslage verschlechterte sich demnach von minus 6,1 auf minus 31,3 Punkte. Die Geschäftserwartungen lagen bei minus 38,6 Punkten. Gegenüber August war der Rückgang hier vergleichsweise gering, weil die Erwartungen bereits zuvor sehr niedrig gewesen waren.
Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl ordnete die Entwicklung mit den Worten ein, die Autoindustrie stecke „weiterhin in der Krise“. Die Aussage beschreibt eine Lage, in der nicht nur einzelne Indikatoren schwächeln, sondern mehrere Kennzahlen gleichzeitig nach unten zeigen.
Exporterwartungen kippen ins Minus
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Exporten. Im August hatten die Unternehmen ihre Auslandsaussichten noch positiv eingeschätzt. Der Wert lag damals bei 17,4 Punkten. Im September drehte die Erwartung deutlich ins Negative und fiel auf minus 15,1 Punkte. Damit hat sich die Einschätzung der Exportchancen innerhalb eines Monats grundlegend verändert.
Auch der Deutschlandfunk berichtete über die Ifo-Umfrage und verwies darauf, dass die Unternehmen mit sinkenden Ausfuhren und einer schwächeren Beschäftigung rechnen. Die Beschäftigungserwartungen gaben ebenfalls nach. Das deutet darauf hin, dass die Unternehmen nicht nur kurzfristig vorsichtiger werden, sondern auch ihre Personalplanung zurückhaltender beurteilen.
Der Auftragsbestand wurde von den befragten Firmen erneut schlechter bewertet als im Vormonat. Hinzu kommt eine schwächere Ertragslage. Diese Kennzahl wird vierteljährlich erhoben und fiel im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal deutlich. Damit verschärft sich der Druck auf eine Branche, die bereits seit längerer Zeit mit strukturellen Herausforderungen kämpft.
Konkurrenz aus China belastet
Ein wesentlicher Faktor ist der Wettbewerb durch chinesische Hersteller, vor allem bei Elektroautos. Chinesische Autobauer drängen stärker nach Europa. Hintergrund ist unter anderem eine schwächere Nachfrage im eigenen Markt und eine hohe Produktion. Gleichzeitig ist der Zugang zum US-Markt wegen der Handelspolitik erschwert.
Für deutsche Hersteller erhöht sich dadurch der Preisdruck in einem Segment, das als zentral für die Zukunft der Branche gilt. Elektrofahrzeuge sind nicht nur technologisch wichtig, sondern auch strategisch. Wer hier Marktanteile verliert, gerät in einem zentralen Wachstumsfeld unter zusätzlichen Druck.
Die Schwäche der Autoindustrie steht zudem im Kontrast zu anderen Industriezweigen. In der Elektroindustrie und in der Chemieindustrie hat sich die Stimmung zuletzt spürbar verbessert. Die Autobranche fällt damit innerhalb der deutschen Industrie negativ auf.
Debatte über Handelspolitik
Die schwierige Lage beeinflusst auch die handelspolitische Debatte. Die deutsche Autoindustrie lehnt Importzölle nicht mehr grundsätzlich ab. Zugleich betont der Verband der Automobilindustrie, dass die Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit und der Dialog mit China wichtig bleiben.
Damit geht es nicht nur um kurzfristige Konjunkturdaten, sondern auch um die Frage, wie deutsche Hersteller ihre Position im internationalen Wettbewerb sichern können. Die aktuellen Ifo-Werte zeigen, dass die Unternehmen derzeit wenig Zuversicht haben. Schwache Exportaussichten, geringere Aufträge und sinkende Ertragserwartungen treffen eine Branche, die zugleich hohe Investitionen in neue Antriebe, Software und Produktion stemmen muss.