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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Autobranche unter Druck

Stellenabbau belastet VW und die Metall-Tarifrunde

Vor dem Start der Metall-Tarifrunde steht die Autoindustrie unter Druck. Volkswagen bleibt im Krisenfokus, während Arbeitgeber auf massiven Jobabbau verweisen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die Krise der Autoindustrie belastet auch die anstehende Metall-Tarifrunde.
Symbolbild: Die Krise der Autoindustrie belastet auch die anstehende Metall-Tarifrunde. KI-generiert

Die Krise in der deutschen Autoindustrie verschärft den Druck auf die anstehende Metall-Tarifrunde. Am Mittwoch beginnen regionale Gespräche für rund 3,7 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie. Volkswagen steht dabei besonders im Fokus: Der Konzern verhandelt zwar nicht im Flächentarif, sondern in einem eigenen Haustarif. Die Lage des Autobauers wirkt aber auf die gesamte Branche, in der Absatzprobleme, China-Konkurrenz und Beschäftigungsabbau die Stimmung prägen.

Tarifrunde startet in schwierigem Umfeld

Die IG Metall geht mit einer Forderung nach fünf Prozent mehr Entgelt für zwölf Monate in die Verhandlungen. Neben dem Inflationsausgleich will die Gewerkschaft auch über den Schutz von Arbeitsplätzen und Standorten sprechen. Hintergrund sind Sorgen vor weiteren Einschnitten in der Industrie.

Die Arbeitgeberseite sieht dagegen kaum Spielraum für höhere Löhne. Gesamtmetall verweist auf sinkende Produktion, gestiegene Kosten und den Verlust vieler Jobs. Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa berichtet, nennt der Verband einen Abbau von rund 350.000 Stellen seit 2019. Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter sagte demnach, es gehe nun darum, Kosten zu verringern und den Standort zu sichern.

Für die Tarifrunde ist die Lage besonders kompliziert, weil die Branchen sehr unterschiedlich dastehen. Teile der Elektroindustrie laufen stabil, die Luft- und Raumfahrt sowie der sonstige Fahrzeugbau profitieren von hoher Nachfrage. Der Maschinenbau ist dagegen angeschlagen. Besonders schwer wiegt die Krise der Autoindustrie.

Volkswagen bleibt Sonderfall

Volkswagen ist nicht Teil des Flächentarifs, weil für die Beschäftigten des Konzerns ein eigener Tarifvertrag gilt. Trotzdem prägt die Situation in Wolfsburg die Debatte. Die VW-Tochter Audi fällt in den Flächentarif, ebenso die Beschäftigten bei Mercedes-Benz und BMW. Damit treffen die Verhandlungen auf eine Branche, in der die Transformation zur Elektromobilität, der Wettbewerb aus China und schwächere Absätze zusammenkommen.

Die Sorge vor Werksschließungen steht inzwischen offen im Raum. Die IG Metall verbindet deshalb Lohnforderungen mit Beschäftigungssicherung. Die Arbeitgeber betonen dagegen, dass hohe Arbeitskosten die Wettbewerbsfähigkeit gefährdeten. Einzelne Unternehmensvertreter haben bereits weitergehende Forderungen erhoben, etwa nach längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Die 35-Stunden-Woche steht im Flächentarif allerdings nicht direkt zur Verhandlung.

Der Ablauf folgt zunächst dem üblichen Muster: Die ersten regionalen Runden beginnen in Südwestdeutschland und Nordrhein-Westfalen. Später könnte ein Bezirk eine Pilotlösung aushandeln, die dann auf andere Tarifgebiete übertragen wird. Nach dem Ende der laufenden Verträge am 31. Oktober sind Warnstreiks möglich.

E-Autos erhöhen den Preisdruck

Neben der Tariffrage wächst der Druck auch auf dem Absatzmarkt. Nach Berechnungen des Center Automotive Research lagen die durchschnittlichen Anschaffungspreise der beliebtesten reinen Elektroautos im September noch 2.124 Euro über vergleichbaren Verbrennern. Im August war der Abstand etwas größer. Der Tagesspiegel berichtete dazu, dass die Studie jeweils die 25 meistverkauften Modelle in Deutschland vergleicht.

Die Annäherung hat vor allem mit höheren Rabatten zu tun. Bei den gefragtesten E-Autos stiegen die Preisnachlässe im September auf durchschnittlich 17,9 Prozent. Im Monat davor waren es 17,4 Prozent. Neue und günstigere Elektrofahrzeuge verschärfen den Wettbewerb. CAR-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht dabei auch neue Modelle aus dem Volkswagen-Konzern, darunter den ID. Polo, als Faktor für zusätzlichen Preisdruck auf ältere elektrische Kleinwagen.

Für Volkswagen ist das zweischneidig. Günstigere E-Modelle können die Nachfrage beleben. Gleichzeitig sinkt der Spielraum bei Preisen und Margen. Der Abstand zu Verbrennern bleibt zwar deutlich geringer als noch vor wenigen Jahren, liegt aber weiterhin über dem Niveau von Dezember 2025.

Krise reicht über VW hinaus

Die Zuspitzung bei Volkswagen ist Teil einer größeren Industrielast. Die Autokonzerne müssen ihre Modellpaletten umbauen, Investitionen stemmen und zugleich Kosten senken. Zulieferer und Maschinenbauer spüren die Schwäche ebenfalls. Dadurch wird die Tarifrunde zu einem Stimmungstest für den Industriestandort.

Für die IG Metall geht es um Kaufkraft und Sicherheit. Für die Arbeitgeber steht die Kostenbasis im Mittelpunkt. Dass Volkswagen außerhalb des Flächentarifs verhandelt, entlastet die Gespräche nur teilweise. Die Krise des größten deutschen Autobauers bleibt ein Signal für die gesamte Metall- und Elektroindustrie.