Wirtschaft · Hohe Mobilitätskosten
Spritpreise steigen trotz Rabatt wieder
Die Entlastung an den Zapfsäulen verliert in Deutschland bereits an Wirkung. Am Sonntag kostete Super E10 im bundesweiten Tagesmittel 2,137 Euro je Liter, Diesel lag bei 2,253 Euro. Zugleich läuft in Italien an diesem Montag eine staatliche Dieselvergünstigung aus. Dort halten mehrere Mineralölunternehmen ihre eigenen Preisobergrenzen zunächst aufrecht.
Preise in Deutschland ziehen wieder an
Nach Angaben des ADAC lag Super E10 am Sonntag 2,3 Cent über dem Wert vom Donnerstag. Diesel verteuerte sich im gleichen Vergleich um 0,9 Cent je Liter. Damit ist ein Teil des Preisrückgangs, der mit dem Tankrabatt eingesetzt hatte, binnen weniger Tage wieder kleiner geworden.
Der Automobilclub sieht vor allem bei Benzin keine naheliegende Erklärung für den Anstieg. Ölpreis und Euro-Dollar-Kurs hätten sich nur geringfügig bewegt. Für Autofahrerinnen und Autofahrer ist der Effekt dennoch deutlich: Der staatliche Eingriff senkte die Kosten zunächst spürbar, doch der Abstand zu den Preisen vor dem Rabatt schrumpft.
Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa meldete, ist die tatsächliche Weitergabe der Steuersenkung schwer eindeutig zu bestimmen. Kraftstoffpreise ändern sich laufend, außerdem waren sie schon vor dem Start des Rabatts gefallen. Je nach Vergleichstag lag E10 am Sonntag 10,5 bis 13,9 Cent niedriger als Ende September. Bei Diesel betrug der Abstand 13,7 bis 17,2 Cent.
Unter zwei Euro wird seltener
Auch im Tagesverlauf zeigen sich höhere Preise. Kurz vor dem typischen Preissprung am Mittag gab es am Montagvormittag in mehreren Großstädten kaum noch Angebote unter zwei Euro je Liter E10. In Berlin, Hamburg und Stuttgart wurden in der ADAC-App zu diesem Zeitpunkt keine entsprechenden Preise angezeigt.
In Leipzig und Köln fanden sich nur einzelne günstigere Tankstellen. München blieb vergleichsweise preiswerter: Dort bot mehr als jede dritte Station E10 zeitweise unter zwei Euro an. Am Donnerstag war es dort noch mehr als jede zweite gewesen. Daten des Portals Tankerkönig stützen den Befund, dass der Donnerstagvormittag im bundesweiten Schnitt günstiger war als die folgenden Vormittage.
Die Entwicklung belebt eine bekannte Debatte. Schon bei früheren Tankrabatten stritten Politik, Verbände und Verbraucherschützer darüber, wie stark steuerliche Entlastungen an die Kundschaft weitergereicht werden. Der Branchenverband en2x betonte damals wie im Vorfeld des aktuellen Rabatts, der Nachlass werde vollständig weitergegeben. Verbraucherschützer und Wirtschaftsforscher kamen in früheren Untersuchungen zu anderen Einschätzungen.
Italien setzt auf freiwillige Deckel
In Italien endet an diesem Montag eine Entlastung beim Dieselpreis von 6,1 Cent je Liter. An ihre Stelle soll ein System mobiler Verbrauchsteuern treten. Dabei sollen zusätzliche Steuereinnahmen aus Kraftstoffen für Entlastungen genutzt werden.
Mehrere Unternehmen wollen ihre Obergrenzen dennoch vorerst beibehalten. Eni hatte für seine Tankstellen einen Maximalpreis von 2,19 Euro je Liter Diesel und 1,99 Euro für Benzin festgelegt. Die Regelung gilt zunächst 30 Tage ab dem 28. September und könnte bis zum Jahresende verlängert werden. Auch Q8 und Tamoil halten ihre Deckel in diesem Monat aufrecht.
Der Tagesspiegel berichtete, die Unternehmen folgten damit einem Appell der italienischen Regierung. Ministerpräsidentin Meloni bedankte sich nach den Ankündigungen bei den Konzernen. Der italienische Ansatz unterscheidet sich damit vom deutschen Tankrabatt: Dort greift der Staat über Steuern ein, während in Italien nach dem Auslaufen der Dieselvergünstigung vor allem Unternehmenszusagen sichtbar werden.
Druck auf Landwirtschaft und Fischerei
Die hohen Treibstoffkosten belasten in Italien besonders Branchen, die stark auf Diesel angewiesen sind. In Kalabrien protestierten Landwirte gegen die Preise. In Vibo Marina blockierten sie nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa Tanklastwagen vor Treibstoffdepots. Auf Lampedusa demonstrierten Fischer; Boote blieben im Hafen, an der Mole hingen Protestbanner.
Die aktuellen Maßnahmen zeigen, wie stark Regierungen unter Druck stehen, Mobilitäts- und Produktionskosten zu dämpfen. Gleichzeitig bleibt umstritten, wie verlässlich Rabatte und Deckel wirken. Für Verbraucherinnen und Verbraucher zählt am Ende der Preis an der Zapfsäule. Dort ist die Entspannung in Deutschland bereits kleiner geworden.