Wirtschaft · Luftverkehr
Ryanair verlässt Bremen ab Sommer 2027
Ryanair zieht sich vollständig vom Flughafen Bremen zurück. Ab dem Sommerflugplan 2027 soll die irische Billigfluggesellschaft dort keine Verbindungen mehr anbieten. Hintergrund ist ein Streit über Entgelte und Konditionen am Standort. Für den Bremer Flughafen bedeutet der Schritt einen schweren Einschnitt: Rund 400.000 Fluggäste pro Jahr fallen weg, etwa ein Fünftel des bisherigen Passagieraufkommens.
Alle Ryanair-Strecken entfallen
Der Flughafen wurde laut taz am Dienstagabend über die Entscheidung informiert. Am Mittwoch machte die Bremer Landesregierung den Rückzug öffentlich. Betroffen sind demnach die bisherigen Ryanair-Ziele Malaga, Alicante und Zadar sowie die regelmäßigen Verbindungen nach Mallorca und London. Mallorca bleibt durch andere Fluggesellschaften erreichbar, die übrigen Ryanair-Ziele fallen zunächst weg.
Die Bremer Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt wirft Ryanair vor, in den Verhandlungen Bedingungen verlangt zu haben, die der Flughafen wirtschaftlich nicht tragen könne. Das Ressort erklärte, Ryanair habe die Infrastruktur und Dienstleistungen des Airports praktisch ohne angemessene Gegenleistung nutzen wollen. Für Bremen hätte das bedeutet, mit jedem Ryanair-Fluggast Verlust zu machen.
Vogt sagte, die Stadt sei der Fluggesellschaft entgegengekommen. Zugleich zog sie eine Grenze. Laut Welt erklärte sie, es werde keine Vereinbarung geben, die den Flughafen dauerhaft belaste und beihilferechtlich problematisch sei. In ihrer Kritik sprach Vogt davon, dass Ryanair seine Marktmacht ausspiele.
Gebührenstreit belastet den Airport
Nach Angaben der taz hätte der Flughafen bei Annahme der Forderungen pro Ryanair-Passagier fünf Euro zuschießen müssen. Das Aus der Verbindungen verursache für den Airport einen Verlust von drei Millionen Euro. Ein Einlenken gegenüber Ryanair hätte demnach sogar vier Millionen Euro gekostet.
Der Bremer Flughafen steht bereits seit Längerem finanziell unter Druck. Im September wurde ein Defizit von 13 Millionen Euro bekannt. Zudem schreibt der Airport jährlich rund 10 Millionen Euro Verlust. Ein Sparmanager soll eingesetzt werden; auch eine Insolvenz in Eigenverwaltung war bereits geplant.
Zuletzt hatte es für Bremen zumindest eine positive Nachricht gegeben: Lufthansa nimmt die Verbindung nach Frankfurt wieder auf, allerdings nur einmal täglich. Zuvor war die Strecke gestrichen worden. Frankfurt ist für Bremen wichtig, weil der Flughafen darüber wieder an das zentrale deutsche Drehkreuz angebunden ist.
Ryanair kürzt auch andernorts
Der Rückzug aus Bremen fügt sich in eine breitere Auseinandersetzung von Ryanair mit Standortkosten in Europa ein. In Deutschland hatte die Airline bereits ihr Angebot in Hamburg und Berlin reduziert und dies mit hohen Gebühren begründet. Gleichzeitig setzte das Unternehmen stärker auf kleinere Flughäfen. Die Bremer Landesregierung sieht darin eine Strategie, Betreiber kleinerer Standorte unter Druck zu setzen.
Auch außerhalb Deutschlands verschärft Ryanair seine Kürzungen. n-tv berichtet über Einschnitte in Wien: Dort will die Airline zum Winterflugplan 2026 vier stationierte Flugzeuge abziehen, zwölf Strecken streichen und 80 Arbeitsplätze abbauen. Ryanair verweist in Österreich auf höhere Kosten, darunter die Luftverkehrssteuer sowie gestiegene Gebühren bei Flugsicherung und Flughafen.
Für Bremen verschärft der Ausstieg die Lage eines ohnehin angeschlagenen Regionalflughafens. Die wegfallenden 400.000 Passagiere treffen einen Standort, der nach neuen Verbindungen sucht und zugleich seine Kosten senken muss. Politisch dürfte der Konflikt auch die Debatte über staatliche Abgaben und Gebühren im Luftverkehr weiter anheizen.