Wirtschaft · Luftverkehr in Deutschland
Ryanair streicht in Deutschland rund 700.000 Sitze
Ryanair fährt sein Angebot in Deutschland weiter zurück und plant im kommenden Winterflugplan rund 700.000 Sitzplätze weniger als ein Jahr zuvor. Das entspricht nach Angaben der irischen Fluggesellschaft einem Minus von 10 Prozent gegenüber dem Winter 2025/26. Besonders stark betroffen ist der Flughafen Berlin-Brandenburg. Dort will Ryanair zum 24. Oktober seine Basis schließen und sieben stationierte Maschinen samt Besatzungen abziehen. Als Begründung nennt der Konzern hohe staatliche Abgaben und die deutsche Luftverkehrsteuer.
Berlin verliert viele Verbindungen
Am BER fällt der Einschnitt besonders deutlich aus. Nach Angaben der taz soll das Ryanair-Angebot in der Hauptstadt etwa halbiert werden. Zwölf Strecken werden gestrichen, darunter Verbindungen nach Gran Canaria, Palermo und Thessaloniki. Weitere Routen sollen seltener bedient werden.
Die Airline kündigt an, die bisher in Berlin stationierten Flugzeuge an Standorte zu verlagern, die aus ihrer Sicht bessere wirtschaftliche Bedingungen bieten. Ryanair kritisiert dabei nicht nur die Kostenstruktur in Deutschland, sondern greift auch den Hauptstadtflughafen scharf an. Das Unternehmen bezeichnete den BER als „erfolglosesten Flughafen Europas“.
Für Reisende bedeutet der Schritt vor allem weniger Auswahl bei Direktverbindungen und möglicherweise stärkere Auslastung auf verbleibenden Strecken. Wie stark sich die Kürzungen auf Preise auswirken, lässt sich aus den angekündigten Maßnahmen nicht ableiten.
Hamburg wird gekürzt, andere Standorte wachsen
Neben Berlin reduziert Ryanair auch in Hamburg das Angebot. Dort ist von kleineren Kürzungen in einer Größenordnung von etwa 5 Prozent die Rede. Gleichzeitig setzt das Unternehmen nicht überall in Deutschland den Rotstift an. In Memmingen und Köln sollen die Kapazitäten steigen.
Außerdem nimmt Ryanair im Winterflugplan zwei weitere deutsche Flughäfen neu auf: Saarbrücken und Friedrichshafen. Damit verlagert die Gesellschaft einen Teil ihres Angebots innerhalb Deutschlands, statt den Markt vollständig zu verlassen. Der Schwerpunkt verschiebt sich weg von Standorten, die Ryanair als zu teuer bewertet, hin zu Flughäfen, an denen die Airline bessere Bedingungen sieht.
Die Begründung des Unternehmens zielt vor allem auf Kosten, die nicht direkt beim Flugbetrieb entstehen. Ryanair verweist auf hohe Gebühren und nennt die Luftverkehrsteuer in Deutschland besonders belastend. Diese Argumentation nutzt der Billigflieger seit längerem, um Reduzierungen an deutschen Flughäfen zu erklären.
Flughafen verweist auf andere Anbieter
Der Flughafen Berlin-Brandenburg stellt dem Rückzug entgegen, dass andere Fluggesellschaften am Standort wachsen. Sechs der zwölf von Ryanair gestrichenen Verbindungen würden demnach bereits von anderen Airlines bedient oder künftig übernommen. Damit bleibt ein Teil der Ziele für Fluggäste erreichbar, auch wenn Ryanair dort aussteigt.
Für den BER ist der Abzug dennoch ein deutlicher Einschnitt. Eine Basis mit stationierten Flugzeugen ist für Flughäfen wichtig, weil sie frühe Abflüge, späte Rückkehrflüge und eine dichtere Planung ermöglicht. Wenn eine Airline solche Maschinen abzieht, verringert sich in der Regel nicht nur die Zahl der Strecken. Auch die Flexibilität im Flugplan sinkt.
Ryanair ist als größter europäischer Billigflieger ein wichtiger Anbieter im Kurz- und Mittelstreckenverkehr. Änderungen im Streckennetz wirken sich deshalb rasch auf viele Reisende aus. Die nun angekündigte Reduzierung zeigt zugleich, wie stark die Debatte über Standortkosten den Wettbewerb im deutschen Luftverkehr prägt. Während einige Flughäfen Verbindungen verlieren, profitieren andere von der Verlagerung des Angebots.