Wirtschaft · Proteste in Frankreich
Rathaus von Limoges nach Brand weitgehend zerstört
Das Rathaus von Limoges ist am Samstagabend während landesweiter Proteste in Frankreich in Brand geraten und nach Behördenangaben weitgehend zerstört worden. Der zuständige Präfekt Maurice Barate sprach von einer vorsätzlich gelegten Feuerattacke durch Randalierer. Landesweit kam es am Rande der Demonstrationen zu Gewalt, brennenden Gebäuden, Plünderungen und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Das Innenministerium zählte rund 400 Festnahmen.
Historisches Gebäude schwer getroffen
Das Rathaus der Stadt Limoges wurde 1883 fertiggestellt und zählt zu den prägenden Bauwerken der Kommune. Nach Angaben von Präfekt Barate stürzte das Dach auf darunterliegende Etagen. Lediglich der Westflügel blieb demnach ausgenommen. Außerdem seien große Teile der Fassade zerstört worden.
Barate bezeichnete den Brand als „Katastrophe für das kulturelle Erbe“. Augenzeuginnen und Augenzeugen berichteten, maskierte Personen seien in das Gebäude eingedrungen, bevor dort Feuer gelegt wurde. Der Präfekt sprach von einer gezielten Tat von Randalierern.
Für Limoges hat das Rathaus auch eine politische und historische Bedeutung. Während des Zweiten Weltkriegs diente es zeitweise belgischen Exilpolitikern als Zufluchtsort. Zudem war das Gebäude ein wichtiger Ort für Aktivitäten des Widerstands in der südlichen Region Frankreichs gegen die deutsche Besatzung.
Proteste gegen hohe Kosten
Zu dem landesweiten Protesttag hatten Gewerkschaften, Schülerinnen und Schüler, Studierende, Landwirte sowie weitere Organisationen aufgerufen. Im Mittelpunkt standen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungsbereich.
Die Angaben zur Beteiligung gingen auseinander. Das Innenministerium sprach von 550.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in ganz Frankreich. Die Organisatoren nannten eine deutlich höhere Zahl von 800.000 Menschen.
Auch in Paris kamen zahlreiche Menschen zusammen. Dort registrierte das Innenministerium 110.000 Teilnehmende. Nach Angaben des Pariser Bürgermeisters Emmanuel Grégoire wurden in der Hauptstadt ganze Straßenzüge „methodisch verwüstet“.
Gewalt am Rand der Demonstrationen
Die Proteste verliefen vielerorts nicht friedlich. In mehreren Städten brannten Gebäude, Rathäuser wurden beschädigt und Geschäfte geplündert. Die Polizei setzte Tränengas ein. Es kam zu Zusammenstößen zwischen Einsatzkräften und Teilnehmenden der Demonstrationen.
Die rund 400 Festnahmen zeigen das Ausmaß der Eskalation. Besonders der Brand in Limoges rückt die Schäden an öffentlicher Infrastruktur und historisch bedeutsamen Gebäuden in den Mittelpunkt. Während die Proteste soziale und bildungspolitische Forderungen aufgriffen, prägten in vielen Städten Ausschreitungen das Bild des Tages.
Der Fall Limoges steht damit für eine doppelte Krise: einerseits die breite Unzufriedenheit über Lebenshaltungskosten und Bildungspolitik, andererseits die Zerstörung kommunaler Einrichtungen und kultureller Substanz. Für die Behörden dürfte nun im Vordergrund stehen, die Verantwortlichen für den Brand zu ermitteln und das Ausmaß der Schäden an dem Rathaus zu bewerten.