Wirtschaft · Autobranche unter Druck
Porsche wird für Volkswagen zum Krisenfaktor
Der Sportwagenhersteller Porsche verschärft die Lage im Volkswagen-Konzern. Die Marke, die lange als besonders renditestark galt, steht vor einer strategischen Neuaufstellung. Nach Angaben von ZDFheute will der neue Porsche-Chef Michael Leiters in dieser Woche seine Pläne vorstellen. Bereits bekannt ist: Porsche setzt wieder stärker auf Verbrennungsmotoren. Zugleich zeigen neue Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes einen deutlichen Rückgang bei den Neuzulassungen. Im September 2026 lagen sie fast 19 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.
Leiters stellt neue Linie vor
Michael Leiters führt Porsche seit Anfang des Jahres. In Stuttgart will er seine Strategie zunächst Medienvertreterinnen und Medienvertretern erläutern, anschließend den Investoren. Für Porsche ist diese Präsentation zentral, weil der Hersteller zuletzt an Strahlkraft verloren hat. Das betrifft nicht nur die Marke selbst, sondern auch den Mutterkonzern Volkswagen.
Der Sportwagenbauer war im Konzernverbund lange ein wichtiger Ergebnistreiber. Während die Kernmarke Volkswagen mit hohen Kosten und schwächerer Profitabilität kämpfte, lieferte Porsche über Jahre starke Margen. Inzwischen hat sich das Bild verschoben. Der Absatz ist unter Druck geraten, und die bisherige Ausrichtung auf Elektromodelle wird angepasst.
Leiters korrigiert damit einen Kurs, den sein Vorgänger Oliver Blume maßgeblich geprägt hatte. Blume ist heute Vorstandschef des Gesamtkonzerns Volkswagen. Unter seiner Führung hatte Porsche stärker auf elektrische Modelle gesetzt. Nun soll der Hersteller wieder breiter fahren und Verbrenner erneut stärker berücksichtigen.
Macan soll wieder Benziner bekommen
Besonders deutlich zeigt sich der Kurswechsel beim Macan. In der Europäischen Union wurde das Modell bereits auf reine Elektrovarianten umgestellt. Unter Leiters soll 2028 wieder ein Macan mit Benzinmotor angeboten werden. ZDFheute ordnet diesen Schritt als deutliche strategische Kehrtwende ein.
Die Entscheidung fällt in eine schwierige Marktphase. Porsche muss Kundinnen und Kunden zurückgewinnen, die sich mit der rein elektrischen Ausrichtung bestimmter Modelle offenbar nicht ausreichend anfreunden konnten. Gerade bei Sportwagen spielt für viele Käuferinnen und Käufer der klassische Verbrennungsmotor weiterhin eine besondere Rolle.
Gleichzeitig ist der Schritt riskant. Der Gesamtmarkt entwickelt sich nicht einheitlich. Elektroautos gewinnen in Teilen des Automarkts an Bedeutung. Porsche will künftig nicht ausschließlich auf Verbrenner setzen, gewichtet diese aber wieder stärker als bisher. Daraus entsteht eine Doppelstrategie, die sowohl elektrische Antriebe als auch Benzinmodelle umfasst.
China bleibt ein Prüfstein
Eine wichtige Frage für Porsche ist die Entwicklung in China. Der Markt gilt als besonders anspruchsvoll und stark umkämpft. Dort treffen deutsche Premiumhersteller auf lokale Anbieter, die bei Elektroautos schnell wachsen und technologisch selbstbewusst auftreten. Für Porsche geht es deshalb nicht nur um einzelne Modelle, sondern um die Positionierung der Marke.
Die schwächeren Zulassungszahlen in Deutschland erhöhen den Druck. Ein Minus von fast 19 Prozent im September gegenüber dem Vorjahresmonat ist ein deutliches Signal. Es zeigt, dass Porsche derzeit nicht einfach an frühere Erfolge anknüpfen kann. Ob der stärkere Verbrenner-Fokus die Nachfrage stabilisiert, muss sich erst zeigen.
Für Volkswagen kommt die Unsicherheit bei Porsche zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Konzern steht ohnehin vor großen Herausforderungen durch hohe Investitionen, den Wandel zur Elektromobilität und harte Konkurrenz auf wichtigen Absatzmärkten. Wenn ausgerechnet Porsche weniger verlässlich zum Ergebnis beiträgt, wächst der Druck auf die Konzernführung.
Einordnung für Volkswagen
Porsche bleibt für Volkswagen strategisch wichtig. Die Marke steht für hohe Preise, internationales Prestige und eine Kundschaft, die bislang vergleichsweise treu war. Gerade deshalb wiegt die aktuelle Schwäche schwer. Der Kurswechsel unter Leiters soll helfen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und die Modellpalette breiter abzusichern.
Der Schritt zeigt zugleich, wie schwierig die Transformation der Autoindustrie geworden ist. Hersteller müssen Milliarden in Elektromobilität investieren, dürfen aber bestehende Kundengruppen nicht verlieren. Porsche versucht nun, beide Wege offenzuhalten. Für Volkswagen wird entscheidend, ob diese Balance gelingt und ob Porsche wieder stärker zur Stabilisierung des Konzerns beitragen kann.