Wirtschaft · Autokrise
Porsche-Sparkurs erhöht Druck auf Volkswagen
Die Krise bei Porsche bleibt ein Belastungsfaktor für Volkswagen. Der Sportwagenhersteller richtet seine Strategie neu aus, will Kosten deutlich drücken und die Organisation verkleinern. Dazu gehören weniger Modellvarianten, ein stärkerer Fokus auf besonders teure Fahrzeuge und weiterer Stellenabbau. Nach Angaben von n-tv soll Porsche wieder profitabler werden, nachdem Gewinne stark eingebrochen waren und die Nachfrage in wichtigen Märkten schwächer ausfiel.
Sparkurs mit Stellenabbau
Porsche plant Einschnitte in mehreren Bereichen. Die Entwicklungskosten für künftige Baureihen sollen um bis zu 20 Prozent sinken. In der Fertigung peilt das Unternehmen bei den Personalkosten mittelfristig ein Minus von bis zu 30 Prozent an. Auch Vertrieb und Verkauf sollen günstiger werden. Dort ist ein Rückgang der Kosten um 20 Prozent vorgesehen. Bei den Materialeinzelkosten nennt Porsche ein Ziel von rund 10 Prozent weniger.
Zugleich soll die Zahl der Managementposten deutlich reduziert werden. Porsche spricht von einem Abbau um 40 Prozent auf mittlere Sicht. Bereits im Sommer hatten sich Unternehmensleitung und Arbeitnehmerseite auf ein Sparprogramm geeinigt. Es sieht in der Region Stuttgart den Wegfall von 5.000 weiteren Arbeitsplätzen bis 2035 vor. Im Gegenzug sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2035 ausgeschlossen.
Die Belegschaft soll insgesamt kleiner werden. In direkten und indirekten Bereichen ist mittelfristig eine Verringerung um 25 Prozent vorgesehen, strategisch nennt Porsche 30 Prozent als Ziel. Frühere Programme betrafen auch das Leipziger Werk und Tochtergesellschaften.
Mehr Rendite mit weniger Masse
Porsche will sich stärker auf Fahrzeuge konzentrieren, die hohe Erträge versprechen. Der Anteil besonders teurer Modelle soll nach den Plänen bis 2030 von rund einem Drittel auf fast die Hälfte steigen. Bei den teuersten 10.000 verkauften Autos soll der durchschnittliche Verkaufspreis von 270.000 Euro auf 330.000 Euro klettern.
Dazu passt eine geringere Modellvielfalt. Laut FAZ will Porsche die Zahl der Varianten über das Programm hinweg um 20 Prozent verringern. Dadurch sollen einzelne Varianten höhere Stückzahlen erreichen, was die Produktion vereinfachen und Kosten senken soll. Die Gewinnschwelle soll künftig bereits bei weniger als 200.000 verkauften Fahrzeugen erreicht werden. Zuvor waren Teile des Unternehmens auf deutlich höhere Volumina ausgerichtet.
Vorstandschef Michael Leiters beschreibt den Umbau als mehrstufigen Plan, der Porsche effizienter und ertragreicher machen soll. Mittelfristig strebt der Hersteller eine operative Umsatzrendite von zehn bis 15 Prozent an. Langfristig nennt Porsche 15 Prozent als strategisches Ziel. Das frühere Renditeziel von 20 Prozent spielt damit keine Rolle mehr.
Verbrenner rücken wieder stärker in den Vordergrund
Ein wesentlicher Teil der neuen Linie betrifft die Antriebstechnik. Porsche setzt wieder stärker auf Verbrenner und Plug-in-Hybride. Auch nach 2030 soll ihr Anteil am Absatz bei etwa zwei Dritteln liegen. Im vergangenen Jahr hatten rund 78 Prozent der verkauften Porsche-Modelle einen Verbrennungsmotor.
Der neue Macan mit Verbrennungsmotor soll 2028 auf den Markt kommen. Porsche prüft zudem weitere nicht rein elektrische Modelle. Dazu gehören ein großes Luxus-SUV mit sieben Sitzplätzen, zusätzliche Varianten des 911 und ein Supersportwagen oberhalb des 911. Der elektrische 718 soll Anfang 2027 offiziell vorgestellt und am Stammsitz in Zuffenhausen gebaut werden.
Die stärkere Orientierung an Verbrennern folgt auf mehrere Belastungen. Porsche hatte mit schwächeren Verkäufen zu kämpfen, besonders in China. Hinzu kamen eine geringere Nachfrage nach Elektroautos, US-Zölle und hohe Kosten für die Verlängerung des Verbrennerangebots. Das Ergebnis nach Steuern brach im Vorjahresvergleich um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro ein. Im ersten Halbjahr stabilisierte sich die Lage.
Belastung für den VW-Konzern
Für Volkswagen ist die Entwicklung bei Porsche wichtig, weil die Sportwagentochter bisher als besonders ertragsstark galt. Wenn Porsche weniger verdient, wirkt sich das auf die Zahlen des Gesamtkonzerns aus. n-tv berichtete, die Probleme bei Porsche hätten zuletzt auch die Geschäftszahlen der Konzernmutter spürbar belastet.
Die Neuausrichtung zeigt damit, wie breit der Druck in der deutschen Autobranche geworden ist. Es geht nicht nur um geringere Kosten und Arbeitsplätze, sondern auch um die Frage, welche Antriebe und Fahrzeugsegmente künftig genug Geld einbringen. Porsche setzt nun auf weniger Masse, mehr Luxus und eine niedrigere Gewinnschwelle. Für Volkswagen bleibt entscheidend, ob dieser Kurs die Ertragskraft der Tochter stabilisiert.