Wirtschaft · Autobranche unter Druck
Porsche-Schwenk erhöht Druck in der VW-Krise
Porsche stellt seine Strategie deutlich um und setzt künftig stärker auf ein kleineres, teureres Angebot. Vorstandschef Michael Leiters verabschiedet sich von früheren Zielen für Elektroautos, Absatz und Rendite. Zugleich sollen Kosten sinken, unter anderem durch Stellenabbau, weniger Modellvarianten sowie schlankere Abläufe in Produktion und Verwaltung. Damit verschärft sich der Druck im Umfeld der Volkswagen-Krise, weil auch eine wichtige Premiummarke ihren Kurs neu ausrichtet.
Weniger Volumen, mehr Luxus
Der Sportwagenhersteller will nach Darstellung der FAZ künftig nicht mehr auf stark steigende Stückzahlen setzen. Stattdessen sollen weniger Fahrzeuge verkauft werden, diese aber zu höheren Preisen und mit stärkerem Fokus auf das Luxussegment. Leiters rückt damit klar von der Linie seines Vorgängers Oliver Blume ab.
Blume hatte noch vor einigen Jahren deutlich ambitioniertere Ziele formuliert. Für 2030 stand demnach ein Absatz von weit mehr als 300.000 Fahrzeugen im Raum. Zudem sollten vier von fünf verkauften Autos elektrisch fahren. Auch die Profitabilität sollte hoch bleiben: Als Ziel galt eine operative Umsatzrendite von 20 Prozent.
Leiters verfolgt nun einen anderen Ansatz. Porsche will in den kommenden zehn Jahren vor allem weiter Modelle mit Verbrennungsmotor entwickeln, bauen und verkaufen. Der Plan setzt darauf, dass Käuferinnen und Käufer der Marke auch künftig zu klassischen Antrieben greifen und für neue, höher positionierte Modelle mehr bezahlen.
Verbrenner bleiben länger wichtig
Der neue Kurs ist auch eine Abkehr von einem schnellen Elektro-Umbau. Leiters geht davon aus, dass Porsche mit Verbrennermodellen bis 2035 noch erhebliche Mittel verdienen kann. Dieses Geld soll wiederum neue Produkte finanzieren. Zugleich will sich der Hersteller auf unterschiedliche politische Vorgaben vorbereiten, falls sich die Regeln für Verbrenner in Europa verändern.
Die Strategie orientiert sich an einem Muster, das im Luxussegment funktionieren kann: Sportwagen mit konventionellem Antrieb erzielen dort oft hohe Margen. Für Porsche liegt darin eine Chance, die Gewinnkraft auch bei niedrigeren Stückzahlen zu halten. Entscheidend wird jedoch, ob die Marke ihre Preise am Markt durchsetzen kann.
Ein Risiko entsteht durch neue Wettbewerber aus China. Elektrische Premiumfahrzeuge chinesischer Anbieter kosten laut FAZ teils weniger als die Hälfte vergleichbarer Angebote. Porsche muss daher darauf bauen, dass Markenimage, Fahrleistung und Exklusivität für die Kundschaft stärker zählen als der Preisvorteil der Konkurrenz.
Einschnitte sollen Gewinnschwelle senken
Zur Neuausrichtung gehören auch interne Sparmaßnahmen. Genannt werden Stellenabbau, weniger Varianten und vereinfachte Strukturen in Fertigung und Verwaltung. Ziel ist eine niedrigere Gewinnschwelle. Porsche soll also auch dann profitabel arbeiten können, wenn deutlich weniger Autos vom Band laufen.
Offen bleibt, wie weit diese Maßnahmen reichen. Die FAZ verweist auf die Frage, ob Porsche bei einer Produktion unter 200.000 Fahrzeugen jährlich sicher profitabel bleibt. Sollte das nicht gelingen, könnten weitere Einschnitte nötig werden.
Für Beschäftigte und Standorte bedeutet der Kurs vor allem Unsicherheit. Der Hersteller richtet sich auf geringere Mengen aus und überprüft zugleich seine Kostenbasis. Damit steht nicht nur die Modellpolitik im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wie viel Personal und Komplexität ein kleineres Porsche künftig braucht.
Strategiewechsel mit Signalwirkung
Der Porsche-Schwenk fällt in eine Phase, in der deutsche Autohersteller unter hohem Anpassungsdruck stehen. Elektromobilität, schwächere Nachfrage in einzelnen Segmenten, starke chinesische Anbieter und hohe Kosten zwingen die Konzerne zu neuen Prioritäten.
Besonders auffällig ist die Geschwindigkeit der Kehrtwende. Aus dem früheren Ziel eines wachsenden, stark elektrifizierten Porsche wird ein Konzept mit weniger Volumen, mehr Exklusivität und längerer Rolle des Verbrenners. Für die Volkswagen-Krise ist das ein weiteres Signal: Selbst im profitablen Premiumbereich reichen frühere Pläne nicht mehr aus, um die kommenden Jahre abzusichern.