Wirtschaft · Energiemarkt
Ölreserven sollen Druck auf Spritpreise mindern
Die Freigabe von Ölreserven durch die G7 soll die hohen Spritpreise abfedern. Der Schritt trifft auf einen angespannten Markt: Die Opec plus will ihre Förderziele für November nach Informationen des Handelsblatts voraussichtlich unverändert lassen. Zugleich knüpft Iran die Öffnung der Straße von Hormus weiter an politische Bedingungen. Rohöl der Sorte Brent hat sich seit Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent verteuert.
Reserven gegen hohen Preisdruck
Mit zusätzlichen Mengen aus Ölreserven versuchen die G7, den Preisdruck an den Energiemärkten zu begrenzen. Ziel ist, die Folgen der teuren Rohölimporte für Verbraucherinnen und Verbraucher zu dämpfen. Der Effekt solcher Eingriffe hängt jedoch stark davon ab, ob die geopolitischen Risiken nachlassen und wie sich die großen Förderländer verhalten.
Die Lage ist für Regierungen besonders heikel, weil sich Rohölpreise schnell auf die öffentliche Debatte über Benzin- und Dieselpreise auswirken. In Deutschland wird deshalb erneut über staatliche Entlastungen beim Tanken gestritten. Die Süddeutsche Zeitung ordnete einen Tankrabatt in einem Kommentar als politisch nachvollziehbaren, aber nicht dauerhaft tragfähigen Eingriff ein.
Straße von Hormus bleibt Risikozone
Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor ist die Straße von Hormus. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist für Öl- und Gastransporte von großer Bedeutung. Iran hält an Bedingungen für eine Öffnung fest. Der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Bagher Ghalibaf, verwies am Sonntag laut Spiegel unter Berufung auf die staatsnahe Agentur Nournews auf sieben Punkte aus einem Interimsabkommen mit den USA vom Juni.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist die Lage in der Region angespannt. Teheran blockiert die Route weitgehend, die USA reagieren mit einer Seeblockade iranischer Häfen. Die weltweiten Ölpreise sind dadurch stark gestiegen. Am Samstag wurde nahe der nördlichen Spitze Omans ein Rohöltanker gemeldet, der von einem unbekannten Projektil getroffen worden sein soll. Die Besatzung soll sich in Sicherheit befinden.
Trotz der Blockade haben sich die Exporte aus der Region zuletzt ungefähr wieder dem Niveau vor dem Krieg angenähert. Große Produzenten nutzen Pipelines und andere Häfen. Zudem werden Tanker durch die Meerenge eskortiert. Für iranische Lieferungen gilt das nicht; sie sind nahezu zum Stillstand gekommen.
Opec plus sendet kein Entspannungssignal
Auch von der Opec plus kommt vorerst kein klares Signal für zusätzliche Entlastung. Drei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten dem Handelsblatt vor dem Treffen am Sonntag, die Gruppe habe sich im Grundsatz darauf verständigt, die Ziele für November beizubehalten. Zur Opec plus gehören die Opec-Staaten, Russland und weitere Förderländer.
Die Golfstaaten haben ihre Vorgaben zuletzt deutlich verfehlt. Wegen des Kriegs lagen ihre Exporte in den vergangenen Monaten nur bei 60 bis 80 Prozent des üblichen Umfangs. Damit bleibt die Frage offen, wie viel Öl tatsächlich zusätzlich auf den Weltmarkt gelangt, selbst wenn formale Förderziele stabil bleiben.
Die Opec plus war 2016 entstanden, um das Ölangebot besser zu koordinieren und Einfluss auf die Preise zu nehmen. Inzwischen steuert eine Kerngruppe um Saudi-Arabien und Russland die Linie. Ihr Gewicht am Markt hat nach Einschätzung aus dem Umfeld der Rohstoffmärkte jedoch nachgelassen. Der Konflikt im Nahen und Mittleren Osten bestimmt derzeit stärker, wie Händlerinnen und Händler Risiken bewerten.
Debatte über Eingriffe hält an
Die Freigabe von Reserven verschiebt die politische Debatte nicht nur auf die internationale Ebene. Sie berührt auch die Frage, ob Staaten Kraftstoffpreise direkt oder indirekt senken sollten. Für viele Haushalte und Betriebe sind hohe Tankkosten unmittelbar spürbar. Zugleich gelten Eingriffe in Preise als umstritten, weil sie kurzfristig entlasten, aber die Ursachen hoher Ölpreise nicht beseitigen.
Für die nächsten Wochen bleibt deshalb entscheidend, ob sich die Lage an der Straße von Hormus beruhigt und ob die Opec plus ihre Fördermengen tatsächlich stabil hält. Solange Krieg, Blockaden und Sicherheitsrisiken die Transportwege belasten, dürfte der Ölmarkt empfindlich auf neue Meldungen reagieren. Die G7-Reserven können den Druck mindern, ersetzen aber keine dauerhafte Entspannung am Rohölmarkt.