Wirtschaft · US-Finanzmärkte
Ölpreissprung drückt Wall Street ins Minus
Die wichtigsten US-Aktienindizes geben am Donnerstag überwiegend nach. Ein kräftiger Anstieg der Ölpreise belastet die Stimmung an der Wall Street, weil teurere Energie die Inflationserwartungen und damit auch den Anleihemarkt beeinflussen kann. Zugleich sorgen geopolitische Risiken für zusätzliche Nervosität: Neben dem Krieg im Nahen Osten rücken Berichte über mögliche US-Militärschläge gegen den Iran in den Fokus.
Große Indizes geben nach
Der Dow Jones liegt laut Handelsblatt am Donnerstag 0,44 Prozent niedriger bei 50.960 Punkten. Auch der marktbreite S&P 500 verliert und notiert 0,4 Prozent im Minus bei 7.770 Zählern. Technologiewerte stehen ebenfalls unter Druck: Die Nasdaq gibt 0,6 Prozent auf 27.366 Punkte ab. Der Nasdaq 100, der die 100 größten Nicht-Finanzwerte der Technologiebörse umfasst, sinkt ebenfalls um 0,6 Prozent auf 30.969 Punkte.
Damit setzt sich an den US-Märkten eine vorsichtige Haltung durch. Für Anlegerinnen und Anleger stehen derzeit nicht nur Unternehmensdaten und Zinsaussichten im Mittelpunkt, sondern vor allem die Entwicklung an den Rohstoffmärkten. Öl ist für die Finanzmärkte ein zentraler Kostenfaktor. Steigende Preise können Unternehmen belasten, Verbraucherpreise antreiben und Erwartungen an die Geldpolitik verändern.
Öl verteuert sich deutlich
Besonders stark bewegen sich am Donnerstag die Energiemärkte. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember steigt in der Spitze um 5,2 Prozent auf 105,46 Dollar je Fass. Die US-Sorte WTI für November klettert ebenfalls zeitweise um 5,2 Prozent und erreicht 92,84 Dollar pro Barrel.
Auslöser sind Sorgen vor einer Verknappung des Angebots. Der Krieg im Nahen Osten erhöht die Unsicherheit über mögliche Folgen für Produktion, Transport und Versorgung. Zusätzlich bewegt sich ein Hurrikan in Richtung US-Offshore-Fördergebiete. Solche Wetterlagen können die Förderung im Golf von Mexiko beeinträchtigen und damit kurzfristig die Erwartungen am Markt verschieben.
Für Aktienmärkte ist ein solcher Ölpreisschub doppelt relevant. Zum einen verteuert Energie die Kosten vieler Unternehmen, etwa in Industrie, Transport und Konsumgüterproduktion. Zum anderen können höhere Ölpreise den Druck auf die Inflation verstärken. Das wiederum beeinflusst die Renditen am Anleihemarkt und die Einschätzung, wie lange die US-Notenbank eine straffe Linie beibehalten muss.
Berichte über Iran-Optionen
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch einen Bericht des Magazins „The Atlantic“. Demnach soll das Weiße Haus das US-Verteidigungsministerium aufgefordert haben, mögliche Angriffsoptionen gegen den Iran auszuarbeiten. Das Handelsblatt verweist dabei auf zwei Regierungsvertreter, auf die sich das Magazin beruft. Die Optionen könnten dem Bericht zufolge noch vor den Zwischenwahlen im November relevant werden.
Diese Darstellung steht im Gegensatz zu der verbreiteten Erwartung, dass US-Präsident Donald Trump vor den Wahlen eine weitere Zuspitzung im Konflikt mit Teheran vermeiden würde. Für die Märkte ist bereits die Möglichkeit einer Ausweitung des Konflikts bedeutsam, weil sie Risiken für die Energiemärkte und internationale Lieferketten erhöht.
Anleger bleiben vorsichtig
Die Kursverluste an der Wall Street zeigen, wie eng geopolitische Risiken, Rohstoffpreise und Zinserwartungen derzeit miteinander verbunden sind. Während steigende Ölpreise Energieunternehmen stützen können, überwiegt am breiten Markt die Sorge vor höheren Kosten und neuen Inflationsimpulsen.
In einem solchen Umfeld reagieren Anlegerinnen und Anleger häufig empfindlich auf Nachrichten, die das Risiko weiterer Preissprünge erhöhen. Der Blick richtet sich deshalb nicht nur auf Konjunkturdaten und Unternehmensberichte, sondern auch auf die Lage im Nahen Osten und die Entwicklung des Hurrikans nahe wichtiger US-Förderregionen.