Wirtschaft · Preise und Zinsen
Neue Preisdaten schüren Zinsangst an den Märkten
Die Teuerung rückt wieder stärker in den Mittelpunkt von Haushalten, Märkten und Staaten. In Deutschland verteuern sich einzelne Alltagsgüter deutlich, Angebotsmieten steigen wieder kräftiger. Gleichzeitig lösen hohe US-Inflationsdaten neue Spekulationen über weitere Zinsschritte aus und belasten vor allem Technologiewerte.
Kartoffeln und Mieten verteuern den Alltag
In Deutschland zeigt sich der Preisauftrieb besonders bei einzelnen Produkten des täglichen Bedarfs. Kartoffeln kosteten im September 11,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie tagesschau.de unter Berufung auf das Statistische Bundesamt berichtete. Damit lag der Anstieg deutlich über der allgemeinen Inflationsrate von 3,3 Prozent. Als Grund gilt eine schwache Ernte, die das Angebot verknappt.
Auch Wohnen wird für viele Haushalte teurer. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft registrierte im dritten Quartal einen Anstieg der Angebotsmieten um durchschnittlich 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im Jahresvergleich betrug das Plus 3,7 Prozent. Der Deutschlandfunk berichtete, dass die Dynamik vor allem von bestehenden Wohnungen ausgeht. Neubauwohnungen legen weniger stark zu.
Das Institut verweist dabei auf die hohen Kosten neuer Wohnungen. Bei diesen Preisen komme offenbar nur noch ein kleinerer Teil der Haushalte als Nachfragegruppe infrage. In den größten Städten bleiben Neubauwohnungen im Durchschnitt 14 Tage länger inseriert als Wohnungen aus dem Bestand.
Börsen reagieren empfindlich auf Zinssignale
An den Finanzmärkten verstärken die neuen US-Inflationsdaten die Sorge, dass die amerikanische Notenbank Fed ihre Geldpolitik weiter straffen könnte. Der Leitzins in den USA liegt derzeit bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Bei der nächsten Sitzung am 27. und 28. Oktober beraten die Währungshüter über den weiteren Kurs. Viele Fachleute rechnen mit der Möglichkeit einer zusätzlichen Erhöhung noch in diesem Jahr.
Höhere Zinsen treffen Aktienmärkte auf mehreren Ebenen. Kredite werden teurer, Investitionen weniger attraktiv, und festverzinsliche Anlagen gewinnen im Vergleich zu Aktien an Reiz. Besonders anfällig sind Technologieunternehmen, deren Bewertungen stark auf künftige Gewinne ausgerichtet sind.
Der DAX startete am Donnerstag mit einem Minus von 0,5 Prozent und fiel auf 25.173 Punkte. Zuvor waren asiatische Börsen deutlich unter Druck geraten. Das Handelsblatt bezifferte den Rückgang des südkoreanischen Kospi auf 7,6 Prozent, tagesschau.de sprach von rund neun Prozent. Der japanische Nikkei verlor knapp fünf Prozent, der Topix 2,4 Prozent.
Zweifel am KI-Boom belasten Chipwerte
Die Kursverluste konzentrierten sich vor allem auf Halbleiterwerte. Neben der Inflations- und Zinsdebatte wächst die Unsicherheit, ob die hohen Erwartungen an Künstliche Intelligenz und Rechenzentren in der Breite gerechtfertigt sind. In Südkorea gerieten große Speicherchip-Konzerne stark unter Druck. Auch in Japan traf es entsprechende Titel.
Gute Zahlen einzelner Unternehmen reichten nicht aus, um die Stimmung zu drehen. Der taiwanische Chip-Auftragsfertiger TSMC meldete für das dritte Quartal einen weiteren Rekordgewinn. Der Gewinn stieg im Jahresvergleich um mehr als zwei Drittel auf gut 763 Milliarden Taiwan-Dollar, umgerechnet 21,2 Milliarden Euro. Analystenschätzungen wurden damit übertroffen.
Trotzdem blieb das Marktumfeld angespannt. Anlegerinnen und Anleger achten derzeit nicht nur auf starke Gewinne, sondern vor allem darauf, ob das Wachstum bei KI-Anwendungen die hohen Bewertungen weiter tragen kann. Nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen Monate reichen neue Unsicherheiten aus, um Gewinnmitnahmen auszulösen.
Staatsschulden werden teurer
Die Preisentwicklung hat auch Folgen für die Finanzpolitik. Der Internationale Währungsfonds warnte bei seiner Herbsttagung in Bangkok vor steigenden Staatsschulden. Nötig seien geringere Ausgaben und ein Abbau der Verschuldung, meldete der Deutschlandfunk. Wegen hoher Inflation und steigender Renditen für Staatsanleihen müssten Regierungen rasch handeln.
Für Staaten verteuert sich die Aufnahme neuer Schulden, wenn Anlegerinnen und Anleger höhere Zinsen verlangen. Nach Einschätzung des IWF bewegt sich die durchschnittliche Staatsverschuldung weltweit in Richtung 100 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das wäre der höchste Wert seit dem Zweiten Weltkrieg.
Damit verdichten sich mehrere Belastungen: Verbraucherinnen und Verbraucher spüren höhere Preise bei Lebensmitteln und Mieten, Unternehmen und Märkte kalkulieren mit teurerem Kapital, und Staaten geraten bei neuen Schulden stärker unter Druck. Die weitere Inflationsentwicklung bleibt deshalb entscheidend für Kaufkraft, Börsen und Haushaltspolitik.