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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Chemieindustrie im Wandel

Leuna nimmt weltgrößte Bioraffinerie in Betrieb

Im Chemiepark Leuna ist eine große Bioraffinerie eröffnet worden. Der finnische Konzern UPM investiert 1,37 Milliarden Euro in Chemierohstoffe aus Holz.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine moderne Industrieanlage verarbeitet Holz zu chemischen Grundstoffen.
Symbolbild: Eine moderne Industrieanlage verarbeitet Holz zu chemischen Grundstoffen. KI-generiert

Im Chemiepark Leuna hat der finnische Konzern UPM eine neue Bioraffinerie eröffnet. Die Anlage soll jährlich bis zu 220.000 Tonnen produzieren und gilt nach Unternehmensangaben als größte ihrer Art weltweit. Sie verarbeitet Holz zu Grundstoffen, die in verschiedenen Industriezweigen fossile Rohstoffe ersetzen können. An der Einweihung nahm auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff teil, wie der Deutschlandfunk berichtete.

Holz statt fossiler Rohstoffe

Die Anlage nutzt vor allem Buchenholz aus der Waldpflege sowie Holzreste aus Sägewerken. Das Material soll aus einem Radius von etwa 200 Kilometern rund um Leuna kommen. Nach Darstellung von UPM handelt es sich um Holz, das nicht für höherwertige Nutzungen wie Möbel oder Bauprodukte vorgesehen ist.

In der Raffinerie wird das Holz in seine Bestandteile zerlegt. Daraus entstehen unter anderem flüssige Zuckerlösungen und Lignin, ein natürlicher Bestandteil von Holz. Diese Stoffe können in der Chemie weiterverarbeitet werden und sollen künftig in zahlreichen Produkten eingesetzt werden.

UPM nennt als mögliche Anwendungen Textilien, Verpackungen, Kosmetik, Baustoffe und Reifen. Damit zielt das Unternehmen auf Märkte, in denen bislang häufig Erdöl, Erdgas oder andere fossile Ausgangsstoffe eine Rolle spielen. Die neue Produktion soll erneuerbare Rohstoffe im industriellen Maßstab nutzbar machen.

Milliardenprojekt noch nicht am Ziel

Die Investitionssumme liegt nach Angaben des Unternehmens bei 1,37 Milliarden Euro. Die Raffinerie befindet sich noch in der Anlaufphase. Teile der Produktion laufen bereits stabil, darunter die Herstellung von Zuckerprodukten und Spezialchemikalien auf Ligninbasis.

Die volle Leistung soll die Anlage im Jahr 2027 erreichen. Dann wäre der Standort in der Lage, die angegebene Jahresmenge von 220.000 Tonnen zu liefern. Für den Chemiepark Leuna bedeutet das Projekt eine Erweiterung um einen Produktionszweig, der stärker auf nachwachsende Rohstoffe setzt.

UPM-Präsident und Vorstandschef Massimo Reynaudo bezeichnete das Werk bei der Eröffnung als „wegweisende Investition“. Das Unternehmen will mit der Anlage neue Absatzfelder für erneuerbare Chemikalien erschließen.

Signal für den Industriestandort

Leuna gehört zu den traditionsreichen Chemiestandorten in Deutschland. Die neue Bioraffinerie fügt sich in die Suche der Branche nach Rohstoffalternativen ein. Viele Industriebetriebe stehen unter Druck, Energie- und Materialkosten zu senken, Lieferketten robuster zu machen und ihre Produktion klimafreundlicher auszurichten.

UPM sieht in dem Projekt auch einen Weg, die Abhängigkeit von importierten fossilen Rohstoffen zu verringern. Die Anlage ersetzt solche Rohstoffe nicht überall und nicht sofort. Sie zeigt aber, wie die Chemieindustrie Teile ihrer Basisproduktion neu organisieren kann.

Für Sachsen-Anhalt ist das Vorhaben zudem ein industriepolitisches Signal. Die Investition verbindet klassische Chemieproduktion mit der Verarbeitung regional verfügbarer Rohstoffe. Ob daraus dauerhaft neue Wertschöpfung in größerem Umfang entsteht, hängt nun vom Hochlauf, von der Nachfrage der Abnehmerbranchen und von der Wettbewerbsfähigkeit der Produkte ab.