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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Industrie unter Kostendruck

Kostenstreit stoppt HP-Fertigung kurzzeitig

Ein taiwanischer Auftragsfertiger soll die Notebook-Produktion für HP zeitweise ausgesetzt haben. Auch US-Autobauer geraten durch Marktverschiebungen unter Druck.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Steigende Kosten und angespannte Lieferketten setzen Industrieunternehmen unter Druck.
Symbolbild: Steigende Kosten und angespannte Lieferketten setzen Industrieunternehmen unter Druck. KI-generiert

Kostenkonflikte in globalen Lieferketten verschärfen den Druck auf große Industriekonzerne. Der taiwanische Auftragsfertiger Quanta soll im September die Produktion von HP-Notebooks vorübergehend angehalten haben, weil der US-Konzern höhere Komponentenkosten nicht mittragen wollte. Parallel verlieren die traditionellen US-Autobauer GM, Ford und Stellantis Marktanteile, während teurer Kraftstoff die Nachfrage in Richtung sparsamerer Antriebe verschiebt.

Streit um höhere Bauteilpreise

Wie heise.de unter Berufung auf taiwanische Branchenkreise berichtet, stoppte Quanta die Fertigung für HP für rund eine Woche. Hintergrund war demnach ein Streit darüber, wer gestiegene Kosten für Bauteile übernimmt. Betroffen sind nicht nur zentrale Komponenten wie Prozessoren und Speicher. Auch Leiterplatten, Batterien, Funkchips, Bauteile für das Energiemanagement und weitere elektronische Komponenten haben sich verteuert.

Quanta gehört zu den wichtigsten Notebook-Auftragsfertigern der Welt. Das Unternehmen produziert Geräte für mehrere große Marken. HP gilt in dem Bericht als größter Kunde des taiwanischen Herstellers. Gerade deshalb wäre ein Produktionsstopp ein ungewöhnlich scharfes Mittel in einer Geschäftsbeziehung, die normalerweise auf planbare Liefermengen und enge Abstimmung angewiesen ist.

Nach der Darstellung aus Taiwan wollte HP an bereits vereinbarten Preisen festhalten. Andere PC-Hersteller sollen dagegen zumindest einen großen Teil der Mehrkosten akzeptiert haben. Quanta-Mitgründer C.C. Leung habe daraufhin entschieden, die Lieferungen an HP vorerst auszusetzen. HP entsandte laut dem Bericht Führungskräfte mit Zuständigkeit für die Lieferkette nach Taiwan, um direkt zu verhandeln.

Produktion läuft wieder

Nach etwa einer Woche nahm Quanta die Fertigung und Auslieferung für HP wieder auf. Zu konkreten Ergebnissen der Gespräche äußerten sich die Unternehmen nicht. Quanta erklärte lediglich, Kundenbeziehungen würden nicht kommentiert. HP gab dem Bericht zufolge keine Stellungnahme ab.

Der Vorgang zeigt, wie stark steigende Produktionskosten die Elektronikbranche belasten. Viele PC-Hersteller lassen Notebooks in Asien bauen. Ein Teil der Fertigung ist in Länder wie Thailand und Vietnam verlagert worden. Dort liegen die Kosten laut taiwanischen Medien aber teils deutlich höher als in China. Für Auftragsfertiger entsteht dadurch zusätzlicher Druck, entweder Preise neu zu verhandeln oder Produktionsstandorte erneut zu prüfen.

Für Markenhersteller wie HP ist der Spielraum begrenzt. Höhere Einkaufskosten können die Margen drücken, wenn sie nicht an Kundinnen und Kunden weitergegeben werden. Werden Preise im Handel erhöht, kann wiederum die Nachfrage leiden. Der Konflikt zwischen Quanta und HP macht sichtbar, dass Lieferketten nicht nur durch fehlende Teile gefährdet werden, sondern auch durch Auseinandersetzungen über die Verteilung gestiegener Kosten.

US-Autobauer verlieren Anteil

Auch in der Autoindustrie verschiebt sich das Umfeld. Das Handelsblatt berichtet, dass GM, Ford und Stellantis im dritten Quartal zusammen auf rund 37 Prozent des US-Neuwagenmarkts kamen. Grundlage sind Herstellerangaben und Daten der US-Statistikbehörde BEA. Der Marktforscher Cox Automotive bewertet den Wert als niedrigsten Stand seit Beginn seiner Aufzeichnungen; endgültige Vergleichsdaten weiterer Wettbewerber stehen noch aus.

Die Nachfrage nach Autos in den USA bleibt insgesamt robust. Das Problem der drei traditionellen Hersteller aus Detroit liegt daher weniger im Gesamtmarkt als in der Modellstruktur. Lange profitierten sie stark von großen SUV und Pick-ups mit Verbrennungsmotoren. Diese Fahrzeuge stehen nun stärker unter Druck, weil Benzin deutlich teurer geworden ist.

Eine Gallone kostete zuletzt im Schnitt rund 4,47 Dollar. Das entspricht etwa 1,04 Euro je Liter und liegt deutlich über dem Vorjahresniveau. Viele Käuferinnen und Käufer orientieren sich deshalb stärker an Hybridmodellen. In diesem Segment haben asiatische Hersteller ein breiteres Angebot als GM, Ford und Stellantis.

Kosten werden zum Wettbewerbsfaktor

Die Fälle aus der Elektronik- und der Autoindustrie zeigen denselben Trend: Unternehmen geraten nicht nur durch schwankende Nachfrage unter Druck, sondern auch durch Kostenstrukturen. In der PC-Branche geht es um Komponenten, Produktionsorte und Margen in der Lieferkette. In der US-Autoindustrie entscheidet zusätzlich das Produktangebot darüber, ob Hersteller von veränderten Verbraucherpräferenzen profitieren.

Für große Konzerne werden Verhandlungen mit Zulieferern und die richtige Modellpolitik damit noch wichtiger. Wer höhere Kosten nicht ausgleichen kann oder am Marktangebot vorbeiproduziert, verliert schnell Spielraum. Der Druck entsteht dabei an mehreren Stellen zugleich: bei Bauteilen, Energie, Standorten und im Kaufverhalten der Kundschaft.