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Wirtschaft · KI in Unternehmen

KI-Entscheider rücken in Unternehmensprozesse vor

Microsoft bringt ein Modell für schnelle Auswahlentscheidungen. Zugleich setzt Epic Games bei einem Disney-Spiel stärker auf KI – damit wird Kontrolle zur Wirtschaftsfrage.

Presseonline-Redaktion · · 4 Min. Lesezeit

Symbolbild: KI-Systeme übernehmen in Unternehmen zunehmend Bewertungs- und Steuerungsaufgaben.
Symbolbild: KI-Systeme übernehmen in Unternehmen zunehmend Bewertungs- und Steuerungsaufgaben. KI-generiert

KI wird in Unternehmen zunehmend nicht nur als Werkzeug für Texte, Bilder oder Code eingesetzt, sondern als System, das Abläufe bewertet, sortiert und mitsteuert. Microsoft hat mit Decision-1 ein Modell veröffentlicht, das auf knappe Entscheidungen ausgelegt ist. Gleichzeitig zeigt der Kurs von Epic Games, wie weit KI in die Produktion vordringen soll. Damit rückt für Firmen eine zentrale Frage nach vorn: Wie lassen sich Systeme kontrollieren, die schnell Ergebnisse liefern, aber nicht wie klassische Software funktionieren?

Microsoft setzt auf knappe Entscheidungen

Microsoft-Decision-1 ist laut heise für Aufgaben gedacht, bei denen keine langen Antworten, sondern eindeutige Auswahlen gefragt sind. Das Modell basiert derzeit auf Qwen3.5-9B und wurde für solche Entscheidungssituationen nachtrainiert. Microsoft will später auch andere Grundlagenmodelle nutzen, darunter eigene Modelle sowie Systeme von OpenAI.

Die Ausgaben fallen in drei Formen aus. Das Modell kann Ja-oder-Nein-Entscheidungen treffen, eine Option aus einer vorgegebenen Auswahl bestimmen oder mehrere Möglichkeiten bewerten und in eine Rangfolge bringen. Die Resultate erscheinen als Zahlenwerte, etwa als Wahrscheinlichkeiten. Andere Software kann anschließend auf dieser Grundlage weiterarbeiten.

Genannt werden unter anderem das Weiterleiten von Anfragen an ein passendes KI-Modell, die Prüfung von Eingaben nach Qualitätskriterien oder die Einordnung von Kundenrückmeldungen. Auch für Systeme, die Computer oder Roboter steuern, sieht Microsoft mögliche Anwendungen: Dabei würde die KI zwischen vorher festgelegten Handlungsoptionen auswählen.

Gerade dort wird der Unterschied zu klassischen Steuerungen wichtig. Decision-1 liefert keine Erklärung zu seinen Zahlenwerten. Für Unternehmen kann das Tempo attraktiv sein, weil solche Modelle auf klar abgegrenzte Aufgaben zugeschnitten sind und günstiger arbeiten können als große Sprachmodelle. Der Preis liegt bei 0,042 US-Dollar je Million Eingabe-Token; Ausgabe-Token sind kostenlos. Verfügbar ist das Modell über Microsoft Foundry und OpenRouter.

Verlässlichkeit bleibt begrenzt

Decision-1 wirkt auf den ersten Blick wie ein regelbasiertes System, arbeitet aber weiterhin auf Basis eines Sprachmodells. Microsoft gibt an, dass sich die Entscheidung in 1,3 Prozent der Fälle verändert. Wenn nur die Reihenfolge der Antwortmöglichkeiten oder die Formulierung verändert wurde, lag die Veränderungsrate laut Microsoft bei 0 Prozent.

Das ist für viele Anwendungen ein hoher Stabilitätswert. Es ersetzt aber keine vollständig deterministische Logik, wie sie etwa Entscheidungsbäume oder herkömmliche Algorithmen bieten. Für den betrieblichen Einsatz bedeutet das: Ein KI-System kann schneller auswählen als ein Mensch und flexibler sein als starre Regeln, bleibt aber in seiner inneren Arbeitsweise schwerer nachvollziehbar.

Die Kontrollfrage verschiebt sich dadurch. Es geht nicht nur darum, ob ein Modell eine richtige Antwort liefert. Unternehmen müssen auch festlegen, wann ein KI-Entscheid weiterverarbeitet wird, wann Menschen eingreifen und welche Systeme eine Ausgabe stoppen oder verwerfen. Je näher solche Modelle an reale Abläufe heranrücken, desto stärker wird aus technischer Leistungsfähigkeit ein Organisations- und Haftungsthema.

Epic stellt Produktion stärker auf KI um

Auch in der Spielebranche wird KI zu einem Produktionsfaktor. Epic Games hat die Veröffentlichung seines ersten Spiels aus der Partnerschaft mit Disney verschoben, wie Bloomberg berichtet. Der Shooter mit Figuren aus Marvel und „Star Wars“ war demnach für März 2027 vorgesehen. Ein neuer Termin wurde intern noch nicht genannt.

Die Entwicklung soll nun deutlich stärker auf KI-Werkzeuge ausgerichtet werden. Bloomberg beschreibt den Ansatz als „AI first“: Systeme wie Anthropics Claude übernehmen Aufgaben, während Menschen sie anleiten und kontrollieren. In einer internen Nachricht hieß es demnach knapp: „Kein handgeschriebener Code mehr“. Auch grafische Inhalte sollen mit KI-gestützten Arbeitsabläufen entstehen.

Im Team stieß die Umstellung laut Bloomberg auf Skepsis. Einige Beschäftigte zweifelten, ob der erhoffte Nutzen eintritt. Epic-Kommunikationschef Jake Jones erklärte gegenüber Bloomberg, das Unternehmen setze auf KI-beschleunigte Entwicklung unter Führung der eigenen Entwicklerinnen und Entwickler, die weiterhin die kreative Richtung vorgäben.

Der wirtschaftliche Druck ist erheblich. Disney investierte 2024 rund 1,5 Milliarden US-Dollar in Epic und erhielt dafür eine Beteiligung. Die Kooperation soll mehrere Spiele umfassen. Epic hatte im März mehr als 1.000 Stellen gestrichen. Firmenchef Tim Sweeney hatte damals betont, die Entlassungen stünden nicht im Zusammenhang mit KI.

Chancen und Risiko wachsen zusammen

Der Einsatz generativer KI bleibt in der Spielebranche umstritten. In der GDC-Umfrage „State of the Game Industry“ gaben 2026 mehr als ein Drittel der über 2.300 Befragten an, generative KI beruflich zu nutzen. Zugleich hielt mehr als die Hälfte die Technologie für schädlich für die Branche.

Die Debatte reicht über einzelne Branchen hinaus. In der FAZ warnt Bill Gates vor extremen Folgen eines Missbrauchs Künstlicher Intelligenz; zugleich können KI-Agenten im Zusammenspiel bereits komplexe Aufgaben bewältigen. Genau diese Doppelbewegung prägt die Wirtschaft: KI verspricht Geschwindigkeit, geringere Kosten und neue Arbeitsweisen. Je mehr Entscheidungen und Produktionsschritte an solche Systeme wandern, desto wichtiger werden klare Grenzen, Aufsicht und Abschaltpunkte.