Wirtschaft · Konjunkturausblick
IWF hebt Wachstumsprognose für Deutschland deutlich an
Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr deutlich mehr zu als noch im Sommer: Für 2026 erwartet er nun ein reales Wachstum von 1,3 Prozent statt 0,7 Prozent. Für 2027 hebt der Fonds den Ausblick leicht auf 1,1 Prozent an. Als Hauptgrund gilt eine robustere Konjunktur, die trotz hoher Energiepreise und internationaler Krisen besser durchhält als zuvor angenommen.
Prognose gleicht dem Regierungsbild
Wie der Tagesspiegel berichtet, liegt der IWF mit seiner neuen Einschätzung nun genau auf der Linie der Bundesregierung. Berlin hatte in der vergangenen Woche dieselben Wachstumswerte genannt. Das Bundeswirtschaftsministerium begründet den besseren Ausblick mit einer widerstandsfähigeren deutschen Wirtschaft.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte die Aufhellung vor allem mit staatlichen Ausgaben erklärt. Rund zwei Drittel des stärkeren Wachstums gingen demnach auf Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung zurück. Etwa ein Drittel komme aus dem Exportgeschäft.
Der Außenhandel profitierte zeitweise von Engpässen auf den Weltmärkten. Wegen des Konflikts in der Golfregion legten Käufer größere Vorräte energieintensiver Güter an. Dazu zählen unter anderem Stahl, Dünger und Aluminium aus deutscher Produktion. Auch deutsche Zulieferunternehmen bekommen Impulse aus dem Boom rund um Künstliche Intelligenz.
Eurozone entwickelt sich etwas besser
Auch für den Euroraum fällt der IWF-Ausblick günstiger aus. Für 2026 erwartet der Fonds ein Plus von 1,1 Prozent. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als in der Juli-Prognose. Für 2027 bleibt die Erwartung bei 1,2 Prozent.
Nach einem schwachen Jahresauftakt legte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wieder zu. Besonders Irland erholte sich stark, Spanien blieb dynamisch. In anderen Ländern der Währungsunion sieht der IWF eher eine stabile Lage. Belastend wirken dort weiter hohe Energiekosten und eine zurückhaltende Stimmung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Im Vergleich großer Industriestaaten steht Deutschland damit nicht mehr am Ende der europäischen Wachstumsskala. Die Süddeutsche Zeitung verweist darauf, dass der IWF Frankreich inzwischen schwächer einschätzt: Für die französische Wirtschaft werden nur noch 0,4 Prozent Wachstum 2026 und 0,7 Prozent 2027 erwartet. Spanien liegt mit 2,5 Prozent in diesem Jahr und 1,8 Prozent im kommenden Jahr deutlich darüber.
Weltwirtschaft bleibt widerstandsfähig
Der IWF rechnet auch global etwas optimistischer. Für 2026 erwartet er ein Wachstum von 3,1 Prozent, zuvor waren 3,0 Prozent veranschlagt. Für 2027 bleibt die Prognose bei 3,4 Prozent.
Der Ölpreisschock infolge des Kriegs gegen Iran hat die Weltwirtschaft bislang nicht abgewürgt. US-Präsident Donald Trump hatte den Krieg vor gut einem halben Jahr gemeinsam mit Israel begonnen. Die Straße von Hormus, eine wichtige Route für den Energiehandel, wurde anschließend blockiert. Seitdem ist der Rohstofffluss stark eingeschränkt, was die Preise steigen ließ.
Dass die globale Konjunktur dennoch nicht eingebrochen ist, erklärt der IWF mit mehreren Pufferfaktoren. Die Wirtschaft sei besser auf Energieschocks vorbereitet. Zugleich halfen zusätzliche Ölförderung außerhalb des Persischen Golfs, freigegebene strategische Reserven und eine geringere Nachfrage aus China.
Künstliche Intelligenz spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro sagte bei einer Pressekonferenz in Bangkok, der Handel mit KI-bezogenen Waren habe wesentlich zum Welthandel beigetragen. Ohne diese Güter wäre dessen Wachstum ungefähr nur halb so stark ausgefallen. Zugleich warnt der Fonds vor Risiken, falls Erwartungen an KI-Unternehmen enttäuscht werden und Technologiewerte an den Börsen stark fallen.
Schulden und Inflation bleiben Risiken
Die globale Teuerung bleibt hoch. Für 2026 erwartet der IWF weiter 4,7 Prozent Inflation. Für 2027 rechnet er mit 4,1 Prozent und damit etwas mehr als zuvor. Tenreyro sieht sowohl die Energiekrise als auch den KI-Boom als mögliche Preistreiber.
Für die USA hält der Fonds seine Wachstumsprognose bei 2,3 Prozent für 2026. Auch 2027 soll die US-Wirtschaft in ähnlichem Tempo zulegen. Gestützt wird sie durch Konsumausgaben, Investitionen in neue Technologien, günstige Kredite und eine hohe Produktivität. Als Nettoexporteur von Energie sind die Vereinigten Staaten weniger direkt vom Energieschock betroffen.
Der IWF warnt jedoch davor, die Widerstandskraft der Weltwirtschaft als dauerhaft gesichert zu betrachten. Hohe Staatsschulden, gestiegene Finanzierungskosten, knappe Reserven und anhaltende geopolitische Konflikte können neue Belastungen auslösen. Besonders energieimportierende ärmere Länder leiden unter höheren Preisen für Öl, Gas und Lebensmittel sowie schwächeren Währungen.