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Wirtschaft · Deutsche Wirtschaft

IW erwartet mehr Wachstum durch Digitalisierung

Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet ab 2030 mit höherem Wachstumspotenzial. Digitalisierung, KI und Investitionen sollen die Produktivität stärken.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Digitalisierung, Investitionen und neue Infrastruktur gelten als mögliche Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft.
Symbolbild: Digitalisierung, Investitionen und neue Infrastruktur gelten als mögliche Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft. KI-generiert

Die deutsche Wirtschaft kann nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahrzehnt wieder stärker zulegen. Das arbeitgebernahe IW erwartet für die Jahre 2030 bis 2040 ein jährliches Potenzialwachstum von 0,7 Prozent. Für die laufende Dekade bis 2030 geht das Institut dagegen nur von 0,3 Prozent pro Jahr aus. Die Prognose stützt sich auf eine neue IW-Studie.

Mehr Tempo ab den 2030er Jahren

Das Potenzialwachstum beschreibt, wie stark eine Volkswirtschaft langfristig wachsen kann, ohne Überhitzung auszulösen. Die IW-Prognose deutet damit auf eine bessere wirtschaftliche Grunddynamik in den 2030er Jahren hin. Besonders in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts rechnen die Forscherinnen und Forscher mit zusätzlichem Schwung. Dann soll das Wachstumspotenzial auf ein Prozent pro Jahr steigen.

Als zentrale Treiber nennt das Institut die Digitalisierung und den breiteren Einsatz künstlicher Intelligenz. Beide Entwicklungen sollen Unternehmen effizienter machen und die Produktivität erhöhen. Damit verbindet das IW die Erwartung, dass technische Neuerungen nicht nur einzelne Branchen verändern, sondern die gesamtwirtschaftliche Leistungsfähigkeit stärken.

Investitionen als Voraussetzung

Neben digitalen Technologien spielt aus Sicht des IW der Kapitaleinsatz eine wichtige Rolle. Im Durchschnitt soll er einen Wachstumsbeitrag von einem halben Prozentpunkt leisten. Hintergrund sind große Investitionsbedarfe in mehreren Bereichen. Genannt werden der Einsatz von KI, der Ausbau der Energieinfrastruktur und Maßnahmen für den Klimaschutz.

Die Studie stellt zugleich klar, dass diese Entwicklung nicht automatisch eintritt. Deutschland müsse seine anhaltende Schwäche bei Investitionen überwinden. Ohne zusätzliche private und öffentliche Mittel dürften die erwarteten Produktivitätsgewinne schwerer zu erreichen sein. Die Bundesregierung will deshalb in der kommenden Woche einen internationalen Investorengipfel in Berlin ausrichten. Ziel ist es, mehr privates Kapital zu mobilisieren.

KI als Chance und Risiko

Der stärkere Einsatz künstlicher Intelligenz gilt damit als ein möglicher Wachstumsfaktor. Gleichzeitig wird über die gesellschaftlichen Folgen der Technologie gestritten. Dazu gibt es Warnungen des Wirtschaftsnobelpreisträgers Daron Acemoglu. Er sieht Risiken für Beschäftigung und liberale Demokratie, wenn sich die Entwicklung der KI unverändert fortsetzt.

Damit stehen zwei Perspektiven nebeneinander: Einerseits kann KI die Produktivität steigern und Unternehmen effizienter machen. Andererseits kann Automatisierung Arbeitsplätze verändern oder verdrängen. Für die Wirtschaftspolitik ergibt sich daraus die Aufgabe, technologische Modernisierung mit sozialer Absicherung, Qualifizierung und klaren Regeln zu verbinden.

Wachstum bleibt politisch abhängig

Die IW-Zahlen zeigen vor allem ein Szenario für die kommenden Jahre. Ob es eintritt, hängt stark von Investitionen, Infrastruktur und Rahmenbedingungen ab. Der Ausbau von Energie- und Digitalnetzen, schnellere Planungsprozesse und verlässliche Bedingungen für Unternehmen dürften dabei entscheidend sein.

Deutschland kommt aus einer Phase schwacher Wachstumsraten. Wenn Digitalisierung und KI tatsächlich breiter in der Wirtschaft ankommen, könnten sie einen Teil der strukturellen Probleme abfedern. Die Studie macht aber ebenso deutlich, dass technischer Fortschritt allein nicht genügt. Er muss finanziert, umgesetzt und politisch begleitet werden.