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Wirtschaft · Deutsche Industrie

Industrieaufträge brechen im August kräftig ein

Die deutsche Industrie hat im August 10,6 Prozent weniger Aufträge erhalten als im Juli. Besonders fehlende Großbestellungen im Fahrzeugbau drücken die Bilanz.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine ruhende Industriehalle steht für die schwächere Nachfrage in der deutschen Industrie.
Symbolbild: Eine ruhende Industriehalle steht für die schwächere Nachfrage in der deutschen Industrie. KI-generiert

Der Auftragseingang der deutschen Industrie ist im August deutlich stärker gesunken als erwartet. Das Neugeschäft fiel gegenüber Juli um 10,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten nach Angaben des Handelsblatts lediglich ein Minus von 1,0 Prozent erwartet. Zuvor hatte die Industrie drei Monate hintereinander mehr Bestellungen verbucht.

Großaufträge fehlen

Ausschlaggebend für den Rückgang war vor allem ein Einbruch bei großen Bestellungen. Betroffen war besonders der Bereich „Sonstiger Fahrzeugbau“. Dazu zählen unter anderem Militärfahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe und Schienenfahrzeuge. In dieser Sparte sank der Auftragseingang laut Handelsblatt um 61,5 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Der starke Ausschlag hängt auch mit der Entwicklung im Juli zusammen. Damals hatte sich das Auftragsvolumen in diesem Bereich wegen außergewöhnlich vieler großer Bestellungen im Schiffbau, Flugzeugbau und bei Schienenfahrzeugen mehr als verdoppelt. Das Statistische Bundesamt revidierte den Zuwachs für diese Sparte auf 129,4 Prozent. Im Gesamtindex war der Auftragseingang im Juli um revidiert 3,2 Prozent gestiegen.

Der Deutschlandfunk berichtete ebenfalls, dass der Rückgang vor allem mit weniger Großaufträgen zusammenhängt. Genannt wurden dabei Aufträge für militärische Fahrzeuge, Luftfahrt, Schifffahrt und Bahntechnik. Damit traf der Rückschlag einen Teil der Industrie, der häufig stark von einzelnen umfangreichen Bestellungen geprägt wird.

Ohne Großaufträge kaum Veränderung

Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf dpa, dass der Auftragseingang ohne Großbestellungen nahezu auf dem Stand des Vormonats gelegen habe. Die Gesamtrate von minus 10,6 Prozent zeigt deshalb vor allem den starken Einfluss weniger großer Projekte auf den Monatswert.

Trotzdem fällt der Rückgang in eine Phase, in der die Industrie auf Signale für eine stabilere Nachfrage angewiesen ist. Nach drei Anstiegen in Folge war der Augustwert ein deutlicher Dämpfer. Der Auftragseingang gilt in der Konjunkturbeobachtung als wichtiger Hinweis darauf, wie sich Produktion und Auslastung in den kommenden Monaten entwickeln können.

Experten sehen keine Wende

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, wurde vom Handelsblatt mit den Worten zitiert, der Auftragseingang möge „nicht so recht überzeugen“. Zwar sei das deutliche Minus vor allem durch weniger Rüstungsaufträge erklärbar. Zugleich fehle aber eine neue Investitionsdynamik, die auf einen nachhaltigen Aufschwung schließen lasse.

Die Bundesregierung investiert derzeit hohe Summen in die Modernisierung der Bundeswehr. Solche Ausgaben können einzelne Monatswerte im industriellen Auftragseingang deutlich beeinflussen, wenn große Bestellungen gebündelt eingehen oder ausbleiben. Im August wirkte dieser Effekt nun in die entgegengesetzte Richtung als im Juli.

Einordnung

Die Augustdaten zeigen zwei Seiten der Lage. Einerseits erklärt der Rückgang bei Großaufträgen einen erheblichen Teil des Einbruchs. Ohne diese schwankungsanfälligen Bestellungen blieb die Nachfrage nahezu stabil. Andererseits blieb der erhoffte breitere Schub für die Industrie aus. Der Abstand zwischen der erwarteten Entwicklung und dem tatsächlichen Minus war groß.

Für die deutsche Konjunktur ist der Rückschlag deshalb bedeutsam. Die Industrie steht im Zentrum vieler Wertschöpfungsketten, von Zulieferbetrieben bis zu Dienstleistern. Wenn neue Bestellungen ausbleiben, kann sich das später auf Produktion, Beschäftigung und Investitionen auswirken. Der August liefert damit keinen Hinweis auf eine gefestigte Erholung, sondern auf eine weiterhin fragile Lage.