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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Autobranche unter Druck

Hybrid-Deal mit China könnte VW Luft verschaffen

China will Exporte von Hybridautos in die EU begrenzen. Für VW und andere deutsche Hersteller könnte der Wettbewerbsdruck in Europa etwas sinken.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die europäische Autoindustrie steht unter wachsendem Wettbewerbsdruck aus China.
Symbolbild: Die europäische Autoindustrie steht unter wachsendem Wettbewerbsdruck aus China. KI-generiert

Die EU und China haben sich im Handelsstreit um Hybridautos auf eine Begrenzung chinesischer Ausfuhren nach Europa verständigt. Für Volkswagen und andere deutsche Autobauer kann das eine Entlastung bedeuten, weil chinesische Hersteller in der EU zuletzt stark zulegten. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic erklärte nach Gesprächen in Peking, die Lieferungen könnten um mehr als die Hälfte sinken. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und den Mitgliedstaaten.

China akzeptiert Exportbremse

Nach Angaben von Sefcovic hat Peking zugesagt, den Absatz von Hybrid- und Plug-in-Hybridautos in der Europäischen Union zu dämpfen. Über einen Zeitraum von vier Jahren soll die Zahl der betroffenen Fahrzeuge demnach um einige Millionen geringer ausfallen. China selbst sprach zunächst nur von einer Verständigung in diesem Punkt, ohne die von der EU genannten Größenordnungen zu bestätigen.

Die Vereinbarung soll mit den Regeln der Welthandelsorganisation vereinbar sein. Sie ist Teil einer breiteren gemeinsamen Erklärung, die insgesamt 16 Punkte umfasst. Dazu gehört auch die Absicht, innerhalb der WTO-Vorgaben Möglichkeiten für niedrigere Zölle auf bestimmte Waren zu prüfen.

Für die deutschen Hersteller ist vor allem das Segment der Hybridfahrzeuge wichtig. Wie tagesschau.de berichtet, waren im August mehr als 44 Prozent der neuen Pkw in der EU Hybride oder Plug-in-Hybride. Diese Fahrzeuge kombinieren einen Verbrennungsmotor mit einem Elektroantrieb; Plug-in-Modelle können zusätzlich extern geladen werden.

Konkurrenz trifft Kernmarkt

Der Druck aus China trifft deutsche Autobauer in einem Markt, der lange zu ihren Stärken zählte. Chinesische Anbieter konnten nicht nur bei reinen Elektroautos Marktanteile gewinnen, sondern auch bei Plug-in-Hybriden. Im zweiten Quartal kam nach Angaben von VW-Chef Oliver Blume bereits jedes dritte in Europa verkaufte Plug-in-Hybridauto von einem chinesischen Hersteller.

Blume warnte vor einigen Wochen vor der Dynamik der Wettbewerber aus China. Sie träten „aggressiv auch nach Europa“ auf, sagte er laut tagesschau.de. Für VW und andere europäische Hersteller ist vor allem der Preiswettbewerb ein Problem. Experten sprechen angesichts hoher Rabatte chinesischer Anbieter von einem Preiskampf, bei dem deutsche Hersteller nur schwer mithalten können.

Die nun angekündigte Begrenzung der Ausfuhren könnte diesen Druck mindern. Sie schottet den europäischen Markt jedoch nicht ab, sondern soll den Zustrom bestimmter chinesischer Modelle bremsen. Damit bleibt der Wettbewerb bestehen, fällt aber möglicherweise weniger stark aus als bislang erwartet.

Verband sieht vorsichtigen Fortschritt

Der Verband der Automobilindustrie reagierte positiv, aber zurückhaltend. VDA-Präsidentin Hildegard Müller bezeichnete die Verständigung als erstes gutes Zeichen. Zugleich machte sie deutlich, dass eine abschließende Bewertung erst möglich sei, wenn die Einzelheiten und Folgen für die Branche vorliegen.

Auch im Europäischen Parlament wird der Schritt als begrenzt eingeordnet. Bernd Lange, SPD-Politiker und Vorsitzender des Handelsausschusses, sieht zwar Fortschritte, aber keinen entscheidenden Durchbruch. Die Importbegrenzung könne den Druck auf europäische Autobauer verringern, ohne Europa vollständig abzuriegeln.

Für VW fällt die Verständigung in eine Phase, in der der Konzern in Europa mit hohem Kostendruck, schwacher Nachfrage in Teilen des Marktes und wachsender Konkurrenz aus China konfrontiert ist. Gerade im Übergang zwischen Verbrennergeschäft, Hybridmodellen und batterieelektrischen Autos entscheidet sich, wie stark die deutschen Hersteller ihre Marktposition halten können.

Handelspolitik wird schärfer

Die Einigung steht auch vor dem Hintergrund einer breiteren Debatte über den Umgang Europas mit China. Eine Expertenkommission des Bundestages kommt laut WELT AM SONNTAG zu dem Schluss, dass die bisherige Einordnung Chinas als Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale nicht mehr trägt. Aus deutscher und europäischer Sicht überwögen inzwischen Rivalität und wachsende Risiken.

Die Kommission fordert stärkere handelspolitische Möglichkeiten der EU. Europa müsse reagieren können, wenn China in Konflikten wirtschaftlichen Druck aufbaue. Als wichtiger Hebel gelten Beschränkungen beim Zugang zum europäischen Binnenmarkt, weil Chinas Wirtschaft stark auf Ausfuhren ausgerichtet ist.

Der Hybrid-Kompromiss zeigt, wie eng Industriepolitik, Handel und die Lage der Autobauer inzwischen verbunden sind. Für VW löst die Vereinbarung keine strukturellen Probleme. Sie kann aber Zeit verschaffen, wenn weniger chinesische Hybridmodelle in den europäischen Markt drängen.