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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Ölmarkt unter Druck

Hormus-Risiko hält Ölpreise hoch

Trotz wieder steigender Ölausfuhren aus der Golfregion bleibt Rohöl teuer. Militärische Begleitung, hohe Transportkosten und Angriffe im Golf bremsen die Entspannung.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Öltanker auf See steht für die angespannte Lage auf wichtigen Transportrouten des Rohölmarkts.
Symbolbild: Ein Öltanker auf See steht für die angespannte Lage auf wichtigen Transportrouten des Rohölmarkts. KI-generiert

Die Ölmärkte bleiben vom Konflikt am Persischen Golf geprägt. Zwar erreichen die Ausfuhren aus der Region wieder annähernd das Niveau vor der Eskalation. Doch die Passage durch die Straße von Hormus ist teuer, gefährlich und politisch fragil. Für den Kraftstoffmarkt bedeutet das: Eine belastbare Entspannung bei Rohöl ist nicht erreicht, auch wenn wieder mehr Öl transportiert wird.

Exporte steigen trotz Risiko

Nach Angaben der Analysefirma Kpler, über die die FAZ berichtet, haben die Ölexporte aus der Golfregion seit Ende September fast wieder das Vorkriegsniveau erreicht. Das liegt demnach an Ausweichrouten und daran, dass Tanker wieder stärker durch die Straße von Hormus fahren.

Das US-Regionalkommando Centcom nennt sogar 20 Millionen Barrel täglich. Das läge leicht über dem durchschnittlichen Umfang vor Beginn des Krieges. Der Schiffsverkehr läuft aber nicht unter normalen Bedingungen. Nach Darstellung der FAZ fahren Tanker unter militärischem Schutz, teils nachts und mit abgeschalteten Ortungssignalen. Schiffe aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten bringen Rohöl demnach im Pendelverkehr durch die Meerenge, laden es im Golf von Oman auf andere Tanker um und kehren zurück.

Die Route ist für den Weltölmarkt zentral, weil große Mengen Rohöl aus der Golfregion durch das enge Seegebiet transportiert werden. Schon Störungen oder zusätzliche Sicherheitskosten können sich auf Rohölpreise auswirken. Davon hängen auch die Kostenketten für Benzin, Diesel und Heizöl ab.

Teure Sicherheit auf See

Die höheren Liefermengen drücken den Ölpreis bislang kaum. Ein wichtiger Grund sind die stark gestiegenen Kosten. Die FAZ verweist auf Angaben der „Financial Times“, wonach ein Tankertransport vor einem Jahr noch 20.000 bis 50.000 Dollar kostete. Inzwischen sollen es 1,3 Millionen Dollar sein. Dazu kommen deutlich höhere Versicherungsprämien.

Teilweise übernehmen die Förderstaaten Risiken selbst. Kapitäne, die die Fahrt wagen, sollen Monatsgehälter von bis zu 100.000 Dollar erhalten. Zugleich binden Begleiteinsätze der US-Marine militärische Kräfte. Mehrfach sollen iranische Raketen amerikanische Kriegsschiffe nur knapp verfehlt haben.

Kpler hält eine vollständige Öffnung der Meerenge in den kommenden sechs Monaten nicht für wahrscheinlich. Auch andere Warengruppen aus der Region, darunter petrochemische Produkte, Gas und Dünger, bleiben deutlich unter früheren Exportmengen.

Neue Angriffe am Golf

Die politische Lage bleibt angespannt. In der vergangenen Woche gab es laut einem Reuters-Bericht, den die FAZ aufgreift, mehr Attacken auf Schiffe am Golf als in jeder anderen Woche seit Kriegsbeginn. Ein General der iranischen Revolutionsgarde erklärte, die Straße von Hormus sei geschlossen und Iran kontrolliere sie. Iranische Medien meldeten zudem Angriffe auf zwei Schiffe außerhalb der Meerenge. Eines davon soll sich in der Nähe des Hafens Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten befunden haben, der für Umladungen von Öl wichtig ist.

Daneben gibt es Hinweise auf Zahlungen von Golfstaaten an Iran, um sichere Transporte zu ermöglichen. Das US-Finanzministerium bestätigte solche Zahlungen Mitte September im Zusammenhang mit Sanktionen gegen die japanische Kryptobörse Bitbank. Kpler-Expertin Michelle Brohard geht davon aus, dass Produzenten möglichst schnell Öl auf den Markt bringen wollen, solange die Route nutzbar bleibt.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die amerikanische Militärplanung. „The Atlantic“ berichtete, das Weiße Haus habe das Pentagon beauftragt, neue Angriffsoptionen auszuarbeiten.

Weitere Energieanlagen im Fokus

Auch der Krieg gegen die Ukraine wirkt auf die Energierisiken. Der MDR meldete unter Berufung auf Reuters, dass die Ukraine erneut die große Raffinerie im sibirischen Omsk angegriffen habe. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs versorgt die Anlage die russische Armee mit Treibstoff. Der Gouverneur der Region erklärte lediglich, eine Drohne habe ein Industriegebiet getroffen.

Die Raffinerie liegt rund 2.500 Kilometer von der Ukraine entfernt. Angaben zu den konkreten Folgen des Angriffs wurden nicht gemacht. Der Vorfall zeigt aber, dass Energieinfrastruktur auch weit entfernt von den Frontlinien ein Ziel bleibt. Für den Ölmarkt zählt damit nicht nur die Fördermenge, sondern auch die Frage, ob Transportwege, Raffinerien und Häfen verlässlich funktionieren.