Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Energie und Verkehr

Hormus-Angriffe erhöhen Druck auf Spritpreise

Neue Angriffe rund um die Straße von Hormus belasten den Ölmarkt. Zugleich sorgt Donald Trumps Diesel-Absprache mit Russland für politischen Streit.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Spannungen im Ölhandel können sich auf Kraftstoffpreise auswirken.
Symbolbild: Spannungen im Ölhandel können sich auf Kraftstoffpreise auswirken. KI-generiert

Angriffe auf Schiffe rund um die Straße von Hormus verschärfen die Unsicherheit im internationalen Energiehandel. Ein Tanker geriet nach einem Treffer in Brand, zudem setzte das US-Militär im Golf von Oman einen Frachter fest. Parallel versucht US-Präsident Donald Trump, den Druck hoher Kraftstoffpreise mit zusätzlichen Dieselmengen aus Russland zu dämpfen. Damit treffen militärische Eskalation, blockierte Seewege und politische Manöver direkt auf einen Markt, der für Autofahrerinnen und Autofahrer entscheidend ist.

Tanker brennt in zentraler Ölroute

In der Straße von Hormus ist erneut ein Tanker attackiert worden. Der Spiegel berichtete unter Berufung auf die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO, der Kapitän habe von einem Treffer durch ein „unbekanntes Geschoss“ gesprochen. An Bord brach Feuer aus, die Besatzung wurde den Angaben zufolge in Sicherheit gebracht. Wie schwer das Schiff beschädigt wurde, blieb zunächst offen.

Die Meerenge zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel zählt zu den wichtigsten Passagen für den weltweiten Öl- und Gashandel. An ihrer schmalsten Stelle ist sie nur wenige Dutzend Kilometer breit. Seit Beginn des Kriegs Ende Februar behindert Iran dort den Schiffsverkehr mit Drohungen und Angriffen. Zuletzt kam es wieder häufiger zu Beschuss in der Region.

Nach Angaben des Spiegels hatten Irans Revolutionswächter erst am Freitag erklärt, einen Flüssiggastanker auf einer Route nahe der omanischen Küste angegriffen zu haben. Die US-Marine begleitet in dem Gebiet seit Monaten zivile Handelsschiffe. Teheran wertet diese Route als unzulässig und verlangt Fahrten näher an der iranischen Küste.

US-Militär stoppt Frachter im Golf von Oman

Zusätzlich meldete der Deutschlandfunk einen US-Angriff auf ein Handelsschiff im Golf von Oman. Das zuständige Regionalkommando Centcom teilte demnach mit, ein US-Kampfflugzeug habe einen unter panamaischer Flagge fahrenden Frachter am Heck getroffen. Dadurch sei der Antrieb ausgefallen. Verletzte soll es nicht gegeben haben.

Laut Centcom habe das Schiff mehrfach Warnungen ignoriert und versucht, die US-Seeblockade gegen Iran zu umgehen. Die Blockade iranischer Häfen bleibt nach Darstellung der US-Regierung in Kraft. Zugleich gelangen weiterhin Öllieferungen durch die Straße von Hormus.

Die Lage ist damit doppelt angespannt: Iran blockiert und attackiert Schiffe in der Meerenge, während die USA ihrerseits militärisch gegen Schiffe vorgehen, die sie als Bruch ihrer Blockade einstufen. Für den Ölmarkt bedeutet das ein höheres Risiko auf einer Route, die für Lieferketten von zentraler Bedeutung ist. Steigen Transport- und Ausfallrisiken, kann sich das an den Rohölmärkten und später an den Zapfsäulen bemerkbar machen.

Trump verspricht Diesel aus Russland

In den USA sind hohe Benzinpreise zu einem politischen Problem für Trumps Republikaner geworden. Der Krieg belastet den US-Haushalt nach Angaben des Spiegels mit monatlich drei Milliarden Dollar. Vor den Kongresswahlen am 3. November versucht Trump zugleich, Erwartungen auf sinkende Ölpreise zu setzen. Er erklärte wiederholt, er rechne nach der Wahl mit einem deutlichen Rückgang.

Als kurzfristigen Schritt kündigte Trump nach einem Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin zusätzliche Diesel-Lieferungen an. Mehr als 300.000 Tonnen sollten nach seiner Darstellung für die USA und den Weltmarkt bereitgestellt werden. Auf seiner Plattform Truth Social sprach Trump davon, dies solle „umgehend“ geschehen.

Die Größenordnung relativiert den Effekt. Die US-Energiebehörde EIA beziffert den Verbrauch von Diesel und anderen Destillatkraftstoffen in den Vereinigten Staaten auf rund 3,77 Millionen Barrel pro Tag. Umgerechnet sind das etwa 500.000 Tonnen. Die von Trump genannte Menge entspräche rechnerisch nur gut 14 Stunden des US-Verbrauchs.

Politischer Konflikt um Moskau

Die Ankündigung ist auch deshalb brisant, weil Trump erst im vergangenen Monat ein Gesetz unterzeichnet hatte, das ihm weitreichende Möglichkeiten für neue Sanktionen gegen Russland gibt. Das Parlament wollte damit den Druck auf den Kreml wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine erhöhen. Zusätzliche Dieselmengen aus Russland weisen in die entgegengesetzte Richtung.

Für Autofahrerinnen und Autofahrer entsteht der Preisdruck damit aus mehreren Richtungen. In der Golfregion steigt das Risiko für Transporte, die Straße von Hormus bleibt ein militärischer Brennpunkt, und in den USA verstärkt der Wahlkampf den Druck auf die Regierung, Kraftstoffpreise zu senken. Ob Trumps Diesel-Zusage den Markt beruhigen kann, ist angesichts der genannten Menge begrenzt. Entscheidend bleibt, ob die Schifffahrt durch die Meerenge stabil bleibt und ob die Konfliktparteien weitere Eskalationen vermeiden.