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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Öl und Automarkt

Hohe Spritpreise treiben Elektroauto-Rekord

In Deutschland erreichen Elektroautos im September den höchsten Zulassungsanteil bisher. Zugleich rücken Angriffe der Huthi auf Ziele in Saudi-Arabien Öl-Infrastruktur in den Fokus.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Hohe Kraftstoffpreise und geopolitische Spannungen erhöhen den Druck auf den Automarkt.
Symbolbild: Hohe Kraftstoffpreise und geopolitische Spannungen erhöhen den Druck auf den Automarkt. KI-generiert

Hohe Spritpreise verändern den deutschen Automarkt spürbar. Im September wurden knapp 88.600 Elektro-Pkw neu zugelassen, der Anteil lag damit bei 34,5 Prozent und erreichte einen Höchststand. Parallel wächst die Unsicherheit rund um die Energieversorgung in der Golfregion: Die Huthi-Miliz griff nach eigenen Angaben Ziele in Saudi-Arabien an, darunter eine Raffinerie und den internationalen Flughafen.

Elektroautos mit Rekordanteil

Das Kraftfahrt-Bundesamt meldete die neuen Zulassungszahlen am Montag. Nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft EY stieg der Marktanteil reiner Elektroautos gegenüber September 2025 um 15,2 Prozentpunkte. Besonders stark legten private Käuferinnen und Käufer zu: Im August wurden in diesem Segment 141 Prozent mehr Elektroautos neu zugelassen als ein Jahr zuvor. Bei Unternehmen betrug das Plus 33 Prozent.

Wie n-tv berichtet, tragen die hohen Kraftstoffpreise erheblich zu dieser Entwicklung bei. Zusätzlich wirkt die wieder eingeführte staatliche Förderung. Das Bundesumweltministerium teilte mit, dass von Mitte Mai bis Anfang Oktober 100.000 Anträge bewilligt wurden. Die Prämie kann seit dem 19. Mai beantragt werden und gilt rückwirkend für Fahrzeuge, die seit Jahresbeginn zugelassen wurden.

Die Unterstützung richtet sich vor allem an Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen. Je nach Modell, Haushaltsgröße und Einkommen liegt sie zwischen 1.500 und 6.000 Euro. Rund die Hälfte der Antragstellenden hat laut Ministerium ein jährliches Haushaltseinkommen von höchstens 45.000 Euro. Umweltminister Carsten Schneider sagte n-tv zufolge, jedes zusätzliche E-Auto mache Deutschland unabhängiger von Ölimporten und internationalen Konflikten.

Verbrenner verlieren deutlich

Neben den reinen Elektroautos blieben Hybridfahrzeuge im September sehr gefragt. Knapp 98.900 Pkw mit Hybridantrieb wurden neu zugelassen, ihr Anteil erreichte 38,5 Prozent. Benziner verloren dagegen kräftig: Rund 44.600 Neuzulassungen bedeuteten ein Minus von etwa 29 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Ihr Marktanteil lag nur noch bei 17,4 Prozent.

Auch Diesel-Pkw gingen weiter zurück. Im September wurden rund 23.000 Dieselautos neu zugelassen, etwa 20 Prozent weniger als im September 2025. Der Marktanteil lag bei 9,0 Prozent. Damit kommen Elektro- und Hybridfahrzeuge zusammen inzwischen auf fast drei Viertel der Neuzulassungen.

Für die Hersteller ist der Trend dennoch schwer kalkulierbar. Automarktexperte Constantin Gall sprach bei n-tv von einem „echten Dilemma“. Er verwies darauf, dass die Unternehmen nicht sicher einschätzen könnten, ob die Nachfrage nach Elektroautos nach dem Ende der Förderung stabil bleibe. Gall kritisierte wechselnde politische Vorgaben und forderte langfristige Verlässlichkeit für Investitionen in Werke, Batterien und Lieferketten.

Angriffe auf Saudi-Arabien

Zur Lage auf den Energiemärkten kommt neue Spannung in der Golfregion. Deutschlandfunk meldete, dass Saudi-Arabien nach Angriffen der Huthi militärische Unterstützung aus Pakistan und der Türkei erhält. Die Hilfe soll dem Königreich dabei dienen, weitere Attacken der Miliz abzuwehren.

Die Huthi erklärten demnach, sie hätten unter anderem den internationalen Flughafen sowie eine Raffinerie des staatlichen saudischen Ölkonzerns angegriffen. Aus Riad wurden am Abend erneut Explosionen gemeldet. Eine offizielle Stellungnahme Saudi-Arabiens lag zunächst nicht vor.

Saudi-Arabien unterstützt im Jemen die Regierungstruppen, die derzeit militärisch gegen die Huthi vorgehen. Die Miliz wird vor allem vom Iran unterstützt. Angriffe auf Ziele in Saudi-Arabien treffen damit nicht nur einen regionalen Konfliktherd, sondern auch ein Land mit zentraler Bedeutung für den internationalen Ölmarkt.

Branche bleibt unter Druck

Die höheren Kraftstoffkosten fallen in eine Phase, in der die deutsche Autoindustrie ohnehin angespannt ist. Das Ifo-Institut registrierte im September eine deutlich schlechtere Stimmung in der Branche. Ifo-Expertin Anita Wölfl sieht die Autoindustrie weiterhin in einer Krise.

Politisch gewinnt die Frage an Gewicht, wie lange der aktuelle Elektro-Boom trägt. Grünen-Fraktionsvize Katharina Dröge forderte mehr Schutz vor chinesischen Dumpingpreisen und sprach sich dafür aus, das geplante Ende neuer Verbrenner zu verteidigen. Außerdem verlangte sie gezielte Unterstützung für Familien sowie Menschen mit geringem Einkommen, etwa über Leasingmodelle für gebrauchte Elektroautos.