Wirtschaft · Warenhauskrise
Gericht ordnet Galeria-Insolvenzverfahren an
Das Amtsgericht Düsseldorf hat das vorläufige Insolvenzverfahren über Galeria angeordnet und den Sanierungsexperten Frank Kebekus als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt. Die Warenhauskette hatte am vergangenen Freitag Insolvenz beantragt. Für Galeria ist es bereits die vierte Pleite innerhalb von sechs Jahren. Der Betrieb in den verbliebenen 83 Häusern mit rund 12.000 Beschäftigten läuft zunächst weiter.
Gericht setzt Verwalter ein
Mit der Entscheidung des Gerichts übernimmt Kebekus vorläufig die Kontrolle über zentrale Schritte des Verfahrens. Für die Beschäftigten, Vermieter und Lieferanten beginnt damit erneut eine Phase großer Unsicherheit. Galeria hatte erst 2024 nach einem vorangegangenen Insolvenzverfahren einen neuen Eigentümerkreis bekommen. Damals wurden neun Standorte geschlossen.
Die frühere Eigentümerphase war eng mit dem österreichischen Investor René Benko verbunden, dessen Unternehmensgruppe später zusammenbrach. Nach der Insolvenz 2024 übernahmen der Manager Bernd Beetz und die US-Investmentgesellschaft NRDC Equity Partners die angeschlagene Kette. Beetz hält nach Angaben der taz rund ein Viertel an Galeria.
Offen ist, ob die Beschäftigten Insolvenzgeld bekommen. Diese Leistung der Bundesagentur für Arbeit kann Löhne und Gehälter bei Zahlungsunfähigkeit für bis zu drei Monate sichern. Bei Galeria gibt es jedoch eine Besonderheit: Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung aus dem Verfahren von 2024 noch nicht aufgehoben. Eine solche Konstellation kann Ansprüche auf Insolvenzgeld beeinträchtigen.
Streit an der Spitze
Parallel zum juristischen Verfahren ist ein Konflikt über die Verantwortung für die Krise sichtbar geworden. Beetz distanzierte sich von der Entscheidung der Geschäftsführung, zum Insolvenzgericht zu gehen. Er sagte der Bild-Zeitung, er halte eine Insolvenz „grundsätzlich für vermeidbar“. Die Eigentümer hätten das Unternehmen in einer schwierigen Lage übernommen und erhebliches Kapital bereitgestellt.
Die Gewerkschaft Verdi sieht die Verantwortung dagegen nicht nur beim Management. Silke Zimmer aus dem Verdi-Bundesvorstand warf laut taz sowohl der Geschäftsführung als auch den Gesellschaftern Fehler vor. Sie sprach von „haarsträubenden Managementfehlern“ und kritisierte zugleich fehlende nachhaltige Investitionen der Eigentümer. Verdi fordert rasche Klarheit für die rund 12.000 Beschäftigten.
Der Konflikt trifft ein Unternehmen, das seit Jahren kein stabiles Geschäftsmodell findet. Die Warenhauskette versucht, große Innenstadtlagen, hohe Mietkosten und veränderte Einkaufsgewohnheiten miteinander zu vereinbaren. Jede neue Insolvenz verschärft dabei die Lage gegenüber Vermietern, Banken, Lieferanten und Kommunen.
Folgen für Innenstädte
Besonders sichtbar sind die Folgen in Städten, in denen Galeria noch große Flächen besetzt. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt die Lage in München: Dort gab es zu Beginn des Jahrzehnts noch neun Galeria-Häuser. Übrig sind vier Standorte am Marienplatz, am Rotkreuzplatz, an der Münchner Freiheit und im Olympia-Einkaufszentrum.
Am Rotkreuzplatz steht das Ende bereits fest. Der Mietvertrag läuft Ende Januar 2027 aus. Danach soll dort ein Neubau vorbereitet werden. Geplant sind weniger Einzelhandelsflächen sowie Hotel, Büros, Gastronomie und Wohnungen. Gespräche über eine kurze Verlängerung hatten nach Darstellung der SZ zuvor noch eine Rolle gespielt, der neue Insolvenzantrag veränderte jedoch die Ausgangslage.
Auch der Standort am Marienplatz steht unter besonderer Beobachtung. Er gilt als umsatz- und gewinnstärkste Galeria-Filiale in Deutschland. Zugleich läuft der Mietvertrag für das Hauptgebäude an der Kaufingerstraße 1 Ende 2027 aus. Galeria müsste mit den Eigentümern neue Vereinbarungen treffen. In der aktuellen Lage dürfte das schwieriger werden.
Im Olympia-Einkaufszentrum haben die Eigentümer bereits Alternativen vorbereitet, falls Galeria auszieht. Die Nachfrage nach Flächen in dem Einkaufszentrum sei gut. An der Münchner Freiheit gehört das Gebäude einem großen Münchner Immobilienverwalter. Ein Wegfall des Warenhauses würde auch dort umfangreiche Planungen und Investitionen erfordern.
Modell unter Druck
Die erneute Insolvenz ist mehr als ein einzelner Unternehmensfall. Galeria steht für das Problem klassischer Warenhäuser, die große Flächen in zentralen Lagen betreiben und zugleich gegen Fachhändler, Einkaufszentren und Onlinehandel bestehen müssen. Für viele Innenstädte sind die Häuser dennoch wichtige Ankerpunkte, weil sie Laufkundschaft anziehen und ganze Einkaufsstraßen prägen.
Für Kommunen und Vermieter stellt sich nun erneut die Frage, ob die Warenhausflächen weiter in ihrer bisherigen Form betrieben werden können. An mehreren früheren Standorten wurden bereits andere Konzepte entwickelt, häufig mit kleineren Handelsflächen und zusätzlicher Nutzung durch Büros, Gastronomie, Hotels oder Wohnungen. Der Fall Galeria zeigt damit auch, wie tief der Strukturwandel in den Innenstädten inzwischen reicht.