Wirtschaft · Energieversorgung
Gasreserve soll Haushalte per Umlage belasten
Das Bundeswirtschaftsministerium will die geplante nationale Gasreserve offenbar über eine Umlage finanzieren. Private Haushalte und gasverbrauchende Unternehmen müssten damit ab Herbst 2027 zusätzliche Kosten tragen. Wie n-tv und der Spiegel unter Berufung auf einen Referentenentwurf berichten, werden die jährlichen Ausgaben in den ersten zehn Jahren auf 247 Millionen bis 308 Millionen Euro veranschlagt. Die Reserve soll vor Engpässen schützen, etwa bei Sabotage oder beim Ausfall zentraler Infrastruktur.
Kosten für Haushalte
Für typische Haushalte rechnet der Entwurf mit einer vergleichsweise kleinen, aber dauerhaft angelegten Mehrbelastung. Genannt wird eine Spanne von 3,77 Euro bis 7,20 Euro pro Jahr. Bei einem Einfamilienhaus mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden läge der Betrag rechnerisch zwischen 5,80 Euro und 7,20 Euro jährlich. Das entspricht 0,03 bis 0,04 Cent je Kilowattstunde.
Starten soll die erste Abrechnungsphase am 1. Oktober 2027. Damit würde die Finanzierung über den Gasverbrauch geregelt und nicht vollständig aus dem Bundeshaushalt bestritten. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte zuvor auch andere Modelle erwogen, darunter Haushaltsmittel oder eine Kombination verschiedener Finanzierungswege. Der nun vorliegende Ansatz greift jedoch die Umlage-Idee wieder auf, gegen die es zuvor auch Bedenken aus den Koalitionsfraktionen von Union und SPD gegeben hatte.
Die Welt ordnet den Entwurf als Abkehr von der bisherigen Speicherstrategie ein. Bislang setzt der Staat auf gesetzliche Mindestfüllstände für Gasspeicher. Künftig soll stattdessen eine gezielte Reserve bereitstehen, die nur in einer akuten Notlage genutzt werden darf.
Reserve für Extremfälle
Das geplante Vorratsvolumen liegt bei 24 Terawattstunden Gas. Diese Menge soll ausreichen, um den Ausfall der größten deutschen Importstruktur für Gas über 30 Tage hinweg abzufedern. Als mögliche Krisenszenarien werden Sabotageakte oder schwerwiegende Störungen wichtiger Anlagen genannt.
Die Reserve wäre nicht für normale Marktschwankungen gedacht. Sie dürfte erst eingesetzt werden, wenn die Bundesnetzagentur die Notfallstufe ausruft. Die Behörde würde dann auch über die Verwendung entscheiden. Mit dieser Konstruktion soll der Staat in einer extremen Lage handlungsfähig bleiben, ohne sofort auf schärfere Eingriffe zurückgreifen zu müssen.
Der Entwurf nennt als Ziel, Abschaltungen bei Industriekunden zu vermeiden. Auch ein staatlicher Zugriff auf private Gasvorräte soll durch die Reserve möglichst entbehrlich werden. Für Unternehmen ist die Regelung deshalb doppelt relevant: Sie zahlen über ihren Verbrauch mit, könnten in einer Mangellage aber zugleich von zusätzlicher Versorgungssicherheit profitieren.
Ablösung der Speichervorgaben
Die derzeitigen Füllstandsvorschriften wurden 2022 eingeführt, nachdem russische Gaslieferungen weggebrochen waren. Sie verpflichten Betreiber dazu, Speicher zu bestimmten Stichtagen ausreichend zu füllen. Diese Regeln laufen am 31. März 2027 aus.
Eine vom Ministerium beauftragte Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass solche Vorgaben eine marktbasierte Vorsorge für den Winter erschweren können. Die neue Reserve soll diesen Mechanismus ersetzen und stärker auf außergewöhnliche Krisen zugeschnitten sein. Damit verschiebt sich die Energiepolitik von allgemeinen Speicherpflichten hin zu einer separaten Sicherheitsreserve.
Politische Einordnung
Die Grünen unterstützen den Finanzierungsweg. Ihr energiepolitischer Sprecher Michael Kellner sagte Reuters laut den Berichten: „Die Umlagefinanzierung ist richtig.“ Zugleich machte er deutlich, dass die Reserve für die aktuelle Heizperiode nicht mehr helfen werde.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher rückt nun weniger die Frage in den Vordergrund, ob Deutschland zusätzliche Gasvorsorge braucht. Entscheidend wird, wie transparent die Umlage ausgestaltet wird und ob die erwarteten Kosten stabil bleiben. Der Entwurf verlagert die Debatte damit von der Grundsatzentscheidung auf die konkrete Belastung von Haushalten und Wirtschaft.