Wirtschaft · Energiepreise
G7 setzen Ölreserven gegen hohe Spritpreise ein
Die G7-Staaten wollen die angespannten Öl- und Kraftstoffmärkte mit einer Freigabe strategischer Vorräte beruhigen. Bis zu 100 Millionen Barrel sollen in den kommenden vier Monaten zusätzlich an den Markt kommen. Besonders Diesel könnte dadurch kurzfristig günstiger werden. In den USA reagiert Präsident Donald Trump zugleich mit einem Dekret auf hohe Dieselpreise.
Mehr Angebot aus staatlichen Reserven
Die sieben großen Industriestaaten stellen Rohöl, Diesel, Gasöl als Diesel-Vorprodukt sowie weitere Mineralölprodukte aus strategischen Beständen bereit. Die tagesschau berichtete unter Berufung auf Marktexperten, der Schritt könne die Preise rasch dämpfen, weil zusätzliches Angebot auf einen knappen Markt trifft.
Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, verwies gegenüber der tagesschau auf eine frühere Freigabe im Frühjahr. Damals seien 400 Millionen Barrel aus Reserven genutzt worden. Stanzl sagte, dies habe dazu geführt, dass „auch an der Tankstelle die Preise günstiger wurden“. Eine ähnliche Wirkung hält er nun erneut für möglich.
Ein weiterer preisdämpfender Faktor ist die Lagerung der Reserven. Viele Bestände liegen bereits in den jeweiligen Ländern. Dadurch fallen Transportkosten aus dem Nahen Osten weg, die wegen der Kriegsrisiken stark gestiegen sind. Stanzl nannte als Beispiel einen Ölpreis von rund 100 Dollar je Barrel. Für Lieferungen vom Persischen Golf nach China kämen derzeit 30 bis 35 Dollar hinzu, nach Europa sieben bis zehn Dollar.
Diesel bleibt der Engpass
Die Entlastung dürfte vor allem beim Diesel spürbar werden. Während sich die Folgen der Blockade der Straße von Hormus bei manchen Ölprodukten durch neue Routen abschwächen lassen, bleibt der Dieseltransport stark eingeschränkt. Der Rohölfluss aus dem Nahen Osten liegt laut Stanzl nahezu wieder auf dem Niveau vor dem Krieg. Bei Diesel werde dagegen nur etwas mehr als die Hälfte der Menge transportiert, die vor dem Angriff auf Iran üblich war.
Die geplante Freigabe setzt deshalb offenbar einen Schwerpunkt bei Diesel und Gasöl. Das kann Engpässe abmildern, ersetzt aber keine dauerhafte Normalisierung der Lieferwege. Entscheidend bleibt, ob sich die Lage am Persischen Golf stabilisiert.
Trump öffnet roten Diesel
Auch in den USA greifen staatliche Stellen ein. Donald Trump unterzeichnete bei einem Wahlkampftermin in Nebraska ein Dekret, mit dem der als roter Diesel bekannte Kraftstoff für alle Verbraucher zugänglich werden soll. Der Deutschlandfunk berichtete, dieser eingefärbte Diesel sei bislang steuerbegünstigt gewesen und normalerweise Landwirtschaftsmaschinen oder Heizungsanlagen vorbehalten.
Trump stellte Lastwagenfahrern nach Angaben der Meldung eine durchschnittliche Ersparnis von 100 Dollar pro Tankfüllung in Aussicht. Dadurch sollten auch andere Preise sinken, etwa für Lebensmittel. Der Schritt erfolgt in einer politisch angespannten Phase: Diesel ist seit Beginn des von Trump begonnenen Iran-Kriegs stark teurer geworden, und am 3. November stehen in den USA Zwischenwahlen an.
Wirkung bleibt begrenzt
Fachleute sehen die Freigabe der Reserven als kurzfristige Hilfe, nicht als Lösung für anhaltende Knappheit. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, sagte der tagesschau: „Solche Maßnahmen können ja nur den Mangel etwas in die Zukunft abmildern.“ Wenn die Knappheit bleibe, reichten auch Reserven irgendwann nicht mehr aus.
Zudem braucht das Wiederauffüllen der Bestände Zeit. Amin Nasser, Chef des Ölkonzerns Saudi Aramco, warnte, die Anspannung an den Märkten für Rohöl und Kraftstoffe könne ein bis zwei Jahre andauern. So lange könne es dauern, bis Staaten und Unternehmen ihre Lager wieder aufgebaut haben.