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Wirtschaft · Ölmarkt und Börsen

G7-Ölreserven beruhigen Märkte nur vorerst

Die G7 wollen Diesel und Rohöl aus Reserven freigeben. Der Schritt drückt die Ölpreise und stützt Aktienmärkte in Europa und den USA.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ölreserven und Kraftstoffpreise stehen im Zentrum der Debatte über Energiepreise und Inflation.
Symbolbild: Ölreserven und Kraftstoffpreise stehen im Zentrum der Debatte über Energiepreise und Inflation. KI-generiert

Die geplante Freigabe von Diesel- und Rohölreserven durch die G7-Staaten hat die Lage am Ölmarkt am Dienstag spürbar entspannt. Auslöser des Eingriffs sind Sorgen über knapperes Angebot infolge des Iran-Kriegs. Parallel fielen Ölpreise und Anleiherenditen, was Aktienmärkte in Frankfurt und New York stützte. Für die Debatte über hohe Energiekosten ist der Schritt bedeutsam, weil Rohölpreise ein wichtiger Faktor für Kraftstoffpreise und Inflationserwartungen sind.

G7 greifen in den Ölmarkt ein

Die G7-Staaten setzen auf strategische Vorräte, um die Nervosität am Energiemarkt zu dämpfen. Nach Angaben von n-tv sollen sowohl Diesel als auch Rohöl aus Notfallbeständen auf den Markt kommen. Damit reagieren die Industriestaaten auf Befürchtungen, dass der Krieg mit Iran die Versorgung beeinträchtigen könnte.

Zusätzlich wirkten höhere Ausfuhren aus dem Nahen Osten preisdämpfend. Am Markt für Nordseeöl der Sorte Brent fiel der Preis laut Tagesschau zeitweise unter 98 Dollar je Barrel, zog später am Nachmittag aber wieder etwas an. Die Bewegung zeigt, dass die Entlastung zwar Wirkung entfaltet, der Markt aber weiterhin empfindlich auf Angebotsrisiken reagiert.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher sind solche Preisbewegungen nicht automatisch sofort an der Zapfsäule sichtbar. Dennoch beeinflussen Rohölpreise die Erwartungen für Kraftstoffe, Transportkosten und damit auch die Inflation. Genau deshalb beobachten Notenbanken, Finanzmärkte und Politik die Entwicklung eng.

Börsen profitieren von sinkender Nervosität

Die Reaktion an den Aktienmärkten fiel positiv aus. In Frankfurt legte der DAX am Dienstag um 0,77 Prozent auf 25.449 Punkte zu. Neben dem Ölpreisrückgang halfen nachgebende Renditen an den Anleihemärkten. Nach dem jüngsten Druck auf Staatsanleihen der Eurozone kam es dort zu einer Gegenbewegung.

Besonders Frankreich stand zuvor im Fokus. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen sank auf 4,75 Prozent. Am Freitag hatte sie noch fast die Marke von fünf Prozent erreicht. Auch der Abstand zwischen französischen und deutschen Anleihen verringerte sich wieder, nachdem er zuvor den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht hatte.

Auch in den USA sorgte die Entspannung bei Öl und Zinsen für Rückenwind. Der S&P 500 stieg um 0,6 Prozent auf 7.818 Punkte, die Nasdaq gewann 0,4 Prozent auf 27.599 Punkte. Beide Indizes erreichten neue Höchststände. Der Dow Jones rückte um 0,5 Prozent auf 51.521 Punkte vor.

Inflation bleibt ein Risiko

Die Beruhigung am Energiemarkt verringert kurzfristig die Sorge, dass steigende Energiepreise die Teuerung erneut antreiben. Sinkende Inflationserwartungen können wiederum die Renditen von Staatsanleihen drücken und Aktien attraktiver machen. Ein Vermögensverwalter erklärte gegenüber n-tv, stabilere oder fallende Ölpreise minderten die Furcht vor energiegetriebener Inflation.

Gleichzeitig bleibt die Lage für die US-Notenbank schwierig. An den Finanzmärkten wird eine weitere Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung weniger stark eingepreist. Der Stratege Tim Ghriskey sagte n-tv zufolge: „Wir erwarten nicht, dass die Fed bei der nächsten Sitzung etwas unternimmt.“ Er rechnet aber weiter mit einem schrittweisen Kurs steigender Zinsen.

Ein Grund für Vorsicht ist die robuste US-Nachfrage. Das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten wuchs im August um 13,7 Prozent, weil die Importe ein Rekordniveau erreichten. Die Einfuhren von Investitionsgütern stiegen um 4,4 Prozent. Eine starke Nachfrage kann Preisdruck verstärken, selbst wenn Energiepreise vorübergehend nachgeben.

Euro bleibt unter Druck

Am Devisenmarkt reichte die Entspannung nicht für eine deutliche Erholung des Euro. Die Gemeinschaftswährung hatte zuvor ein 17-Monats-Tief erreicht und profitierte nur begrenzt. Belastend wirken neben Energiefragen auch die Sorgen um Frankreichs Staatsfinanzen.

Der weitere Verlauf hängt damit von mehreren Faktoren ab: von der Wirkung der G7-Reserven, den Ölströmen aus dem Nahen Osten, der Geldpolitik und der Haushaltslage in großen Euroländern. Für die Politik ist der Griff in Ölreserven ein Mittel zur kurzfristigen Stabilisierung. Dauerhaft entscheidet jedoch, ob Angebotssorgen nachlassen und die Energiepreise nicht erneut zum Inflationstreiber werden.