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Wirtschaft · Bankenübernahme

EZB ebnet UniCredit Weg zur Commerzbank-Kontrolle

UniCredit darf ihren Anteil an der Commerzbank über 30 Prozent ausbauen. Damit rückt eine Kontrolle der Frankfurter Bank durch den italienischen Konzern näher.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die mögliche Übernahme der Commerzbank durch UniCredit würde den europäischen Bankenmarkt verändern.
Symbolbild: Die mögliche Übernahme der Commerzbank durch UniCredit würde den europäischen Bankenmarkt verändern. KI-generiert

Die italienische Großbank UniCredit hat im Ringen um die Commerzbank eine zentrale Hürde genommen. Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank erlaubt dem Institut, seine Beteiligung über die Schwelle von 30 Prozent hinaus zu erhöhen. Damit kann UniCredit die Kontrolle über Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Privatbank vorbereiten. Medienberichten zufolge peilt die Bank bis Ende des Jahres rund 50 Prozent der Stimmrechte an.

Anteil kann weiter steigen

UniCredit hält bereits knapp 30 Prozent der Commerzbank-Aktien. Dazu kommen Ansprüche auf weitere Papiere, die sich das Institut über Finanzgeschäfte gesichert hat. Auch im Rahmen eines freiwilligen Übernahmeangebots wurden dem Konzern Aktien angedient. Durch die Zustimmung der EZB kann UniCredit diese Positionen nun in tatsächliche Stimmrechte umwandeln.

Eine weitere Genehmigung steht noch aus: Die Europäische Kommission muss den Zusammenschluss wettbewerbsrechtlich prüfen. Medienberichten zufolge habe Brüssel eine Entscheidung bis Mitte November angekündigt. In Finanzkreisen gilt diese Prüfung demnach nicht als großes Hindernis.

UniCredit wertet die EZB-Entscheidung als wichtigen Fortschritt. Die Commerzbank äußerte sich dazu zunächst nicht. Die Europäische Zentralbank selbst kommentierte den Vorgang ebenfalls nicht. Ihre Aufsicht hatte grenzüberschreitende Zusammenschlüsse europäischer Banken in der Vergangenheit grundsätzlich positiv bewertet.

Bundesregierung hält an Forderungen fest

Für die Commerzbank wäre eine Übernahme ein tiefer Einschnitt. Das Institut blickt auf mehr als 150 Jahre Geschichte zurück und gehört zum DAX. Der Bund ist seit der Finanzkrise beteiligt und hält noch gut 13 Prozent der Aktien. Damit verfügt die Bundesregierung weiter über Einfluss, auch wenn sie den Einstieg von UniCredit nicht mehr grundsätzlich stoppen kann.

Die Regierung verlangt von UniCredit Zusagen für den Standort Frankfurt, für die Rolle der Commerzbank im Geschäft mit dem Mittelstand und für die Beschäftigten. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil spricht inzwischen von konstruktiven Gesprächen. Zuvor hatte die Bundesregierung das Vorgehen der italienischen Bank deutlich kritisiert.

Bankenexperten sehen die Eigenständigkeit der Commerzbank schwinden. Volker Brühl vom Center for Financial Studies der Goethe-Universität Frankfurt sagte: „Die Übernahme ist nicht mehr aufzuhalten.“ Aus seiner Sicht dürfte auch die bisherige Führung der Commerzbank nach einem Machtwechsel unter Druck geraten. Medienberichte nennen als mögliches Mittel eine außerordentliche Hauptversammlung, bei der UniCredit Einfluss auf den Aufsichtsrat nehmen könnte.

Sorge um Arbeitsplätze

Besonders umstritten sind mögliche Einschnitte beim Personal. UniCredit will die Commerzbank perspektivisch mit der HypoVereinsbank zusammenführen, die bereits zum italienischen Konzern gehört. Dadurch sollen hohe Einsparungen möglich werden. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi befürchtet den Abbau von bis zu 15.000 Stellen bei der Commerzbank.

Der Gewerkschafter Jan Duscheck fordert verbindliche Sicherheiten für Beschäftigung und Standorte. Weltweit arbeiten bei der Commerzbank rund 40.000 Vollzeitkräfte. Für Beschäftigte beider Banken bleibt damit offen, wie stark eine Integration das Filialnetz, Zentralfunktionen und internationale Einheiten verändern würde.

Auch im Firmenkundengeschäft sind Folgen möglich. Die Commerzbank gilt als wichtige Bank für mittelständische Unternehmen in Deutschland. Wettbewerber hoffen, verunsicherte Kundinnen und Kunden gewinnen zu können. Die Deutsche Bank sieht darin eine Gelegenheit: Vorstandsmitglied Alexander von zur Mühlen sagte am Rande der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Bangkok, man sehe die geplante Übernahme „als Chance“.

Einordnung für den Bankenmarkt

Ein Zusammenschluss würde einen großen europäischen Bankkonzern schaffen. Die kombinierte Bilanzsumme läge bei etwa 1,3 Billionen Euro. Befürworter verweisen darauf, dass europäische Banken im Vergleich zu US-Instituten oft kleiner und stärker auf einzelne nationale Märkte ausgerichtet sind.

Florian Heider vom Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE sieht in Fusionen über Landesgrenzen hinweg einen Weg zu mehr Größe. Für international tätige Unternehmen könnte ein größeres europäisches Netzwerk Vorteile bringen, etwa durch die starke Stellung von UniCredit in Italien sowie in Mittel- und Osteuropa. Zugleich verliert der Finanzplatz Frankfurt mit einer kontrollierten Commerzbank einen eigenständigen DAX-Bankkonzern.