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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Außenhandel unter Druck

Exportdämpfer verschärft Chinas Druck auf die Industrie

Deutschlands Ausfuhren sind im August erneut gefallen. Während das US-Geschäft einbricht, wächst der Abstand zu China – Brüssel prüft härtere Handelsinstrumente.

Presseonline-Redaktion · · 4 Min. Lesezeit

Symbolbild: Deutsche Industrie und Exportlogistik stehen unter wachsendem internationalen Druck.
Symbolbild: Deutsche Industrie und Exportlogistik stehen unter wachsendem internationalen Druck. KI-generiert

Deutschlands Exportwirtschaft geht mit einem Dämpfer in den Herbst. Im August sanken die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 0,8 Prozent auf 137,6 Milliarden Euro, während Fachleute zuvor mit einem Plus gerechnet hatten. Zugleich nimmt der Wettbewerbsdruck aus China zu: Zwar stiegen die deutschen Lieferungen in die Volksrepublik im Monatsvergleich, doch über die ersten acht Monate fällt die Bilanz deutlich schwächer aus als bei den Importen aus China.

Schwacher August nach schwachem Juli

Der Rückgang im August folgt auf ein Minus im Juli. Damit hat sich die Erholung des deutschen Außenhandels im Sommer spürbar abgeschwächt. Die Einfuhren entwickelten sich dagegen besser und legten im August um 0,9 Prozent auf 118,1 Milliarden Euro zu. Der Außenhandelsüberschuss verringerte sich dadurch auf 19,5 Milliarden Euro, nach 21,6 Milliarden Euro im Vormonat.

Besonders stark belastete das Geschäft mit den Vereinigten Staaten. Die USA blieben zwar der wichtigste einzelne Absatzmarkt für Waren aus Deutschland. Die Exporte dorthin fielen im August aber um 6,3 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro. Auch in die Europäische Union verkauften deutsche Unternehmen weniger: Die Lieferungen in die Mitgliedstaaten gingen um 0,6 Prozent auf 77,5 Milliarden Euro zurück.

n-tv zitierte den VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel mit der Einschätzung, die Ausfuhren hätten im laufenden Jahr eine zentrale Rolle für das Wachstum gespielt. Nun enttäuschten sie im dritten Quartal. Gitzel rechnet deshalb nur noch mit einem geringen Zuwachs der Wirtschaftsleistung und verweist auf die Bedeutung der Auftragseingänge für die kommenden Monate.

China-Geschäft zeigt zwei Richtungen

Auf den ersten Blick fällt China im August positiv auf. Die deutschen Ausfuhren dorthin stiegen gegenüber Juli um 4,7 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Der Monatswert verdeckt jedoch die Entwicklung im Jahresverlauf. Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf dpa-Zahlen, dass deutsche Exporte nach China in den ersten acht Monaten um 12,9 Prozent zurückgingen. Im selben Zeitraum nahmen die Importe aus China um 10,1 Prozent zu.

Damit verschiebt sich das Verhältnis weiter zulasten der deutschen Industrie. Viele Unternehmen stehen nicht nur auf dem chinesischen Markt unter Druck. Chinesische Anbieter treten auch in Europa und in Drittstaaten immer stärker als Konkurrenten auf. Für exportorientierte Branchen verschärft das die Lage in einer Phase, in der wichtige Absatzmärkte wie die USA und Teile Europas schwächer laufen.

Der Außenhandelsverband BGA hob seine Prognose für 2026 dennoch leicht an. Er erwartet nun ein Exportplus von 1,0 Prozent, zuvor hatte der Verband 0,6 Prozent angenommen. Grundlage ist die Entwicklung der ersten acht Monate, in denen die Ausfuhren insgesamt um 4,4 Prozent auf 1.092,7 Milliarden Euro zunahmen. BGA-Präsident Dirk Jandura warnte laut n-tv jedoch vor einer vorschnellen Trendwende; ein Teil des Zuwachses gehe auf höhere Preise zurück.

Brüssel sucht schärfere Mittel

Parallel wächst in der EU der politische Druck, auf Handelskonflikte mit China schneller reagieren zu können. Deutschland und Frankreich haben für den EU-Gipfel in der kommenden Woche ein informelles Papier eingebracht. Danach soll die EU-Kommission bei unfairen Praktiken oder Wettbewerbsverzerrungen innerhalb weniger Tage mit Gegenmaßnahmen reagieren können.

EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič sagte im Deutschlandfunk, schnellere Verfahren könnten Änderungen bei Abstimmungen nötig machen. Darüber müssten die Staats- und Regierungschefs entscheiden. Für eine solche Reform wären Gesetzesänderungen erforderlich. Šefčovič reist an diesem Donnerstag für zwei Tage nach Peking; geplant ist auch ein Gespräch mit Chinas Handelsminister Wang Wentao.

Hintergrund ist ein wachsendes Ungleichgewicht im Handel zwischen der EU und China. Die Europäische Union führt deutlich mehr Waren aus China ein, als sie dorthin verkauft. Der Abstand liegt inzwischen bei mehr als einer Milliarde Euro pro Tag. Brüssel wirft Peking vor, diesen Abstand durch staatliche Unterstützung für Unternehmen zu vergrößern. Europäische Firmen sorgen sich zudem um ihre Abhängigkeit bei Rohstoffen und Halbleitern, falls sich der Konflikt zuspitzt.

Risiko für den Industriestandort

Für Deutschland trifft der Streit einen besonders empfindlichen Punkt. Die Industrie ist stark auf internationale Märkte, offene Lieferketten und verlässliche Handelsbedingungen angewiesen. Wenn Exportmärkte schwächeln und zugleich chinesische Konkurrenz in immer mehr Bereichen auftritt, sinkt der Spielraum für eine rasche Erholung.

Die August-Zahlen zeigen deshalb mehr als eine kurzfristige Schwankung. Sie verbinden eine konjunkturelle Abkühlung mit einer strukturellen Herausforderung. Ob die Exporte im Herbst wieder anziehen, hängt von neuen Aufträgen, der Nachfrage in den USA und Europa sowie vom weiteren Kurs im Handel mit China ab.