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Wirtschaft · Autohandel

EU und China bremsen Handel mit Hybridautos

Brüssel und Peking verständigen sich in Peking auf geringere Exporte chinesischer Hybridautos in die EU. Die Vereinbarung soll den Handelsstreit entschärfen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Hybridautos in einem europäischen Hafen stehen für den Handelsstreit zwischen EU und China.
Symbolbild: Hybridautos in einem europäischen Hafen stehen für den Handelsstreit zwischen EU und China. KI-generiert

China und die Europäische Union haben sich am Freitag in Peking auf eine Drosselung chinesischer Hybridauto-Exporte verständigt. Die Einfuhren von Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeugen in die EU sollen über vier Jahre deutlich unter dem bisher erwarteten Niveau liegen. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič stellte nach den Gesprächen in Aussicht, dass die Lieferungen um mehr als die Hälfte geringer ausfallen könnten als ohne Eingriff. Die Vereinbarung muss noch von den Staats- und Regierungschefs der EU bewertet werden.

Kompromiss nach Gesprächen in Peking

An den Verhandlungen nahmen neben Šefčovič der chinesische Handelsminister Wang Wentao und Vizepremier He Lifeng teil. Beide Seiten erklärten die Verständigung als vereinbar mit den Regeln der Welthandelsorganisation. Das Handelsblatt berichtet unter Berufung auf Šefčovič, die Abmachung könne mehrere Millionen chinesische Fahrzeuge vom europäischen Markt fernhalten, verglichen mit einer Entwicklung ohne Begrenzung.

Eine feste Obergrenze nannte der EU-Kommissar nicht. Unklar bleibt auch, mit welchem Instrument die niedrigeren Ausfuhren erreicht werden sollen. Denkbar waren vor den Gesprächen unter anderem freiwillige Exportzurückhaltung oder Preiszusagen. Šefčovič legte die konkrete Konstruktion zunächst nicht offen, weil die Einigung den EU-Spitzen vorgelegt werden soll. Der EU-Gipfel am 15. und 16. Oktober in Brüssel wird damit zum nächsten politischen Prüfpunkt.

Nach Angaben der F.A.Z. ist die Halbierung nicht als Rückgang gegenüber heutigen Einfuhren zu verstehen, sondern gegenüber einem erwarteten Szenario ohne Vereinbarung. Aus EU-Kreisen war demnach von einer Grundlage in der Größenordnung von 600.000 bis 800.000 Fahrzeugen die Rede. Auch diese Zahl beschreibt keinen veröffentlichten verbindlichen Deckel.

Reaktion auf stark steigende Importe

Der Streit hatte sich verschärft, seit chinesische Hersteller ihre europäischen Verkäufe von Hybridmodellen erheblich ausgebaut haben. Für reine Elektroautos aus China gelten seit 2024 zusätzliche EU-Ausgleichszölle. Sie liegen je nach Hersteller zwischen 7,8 und 35,3 Prozent, zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von in der Regel zehn Prozent. Plug-in-Hybride waren von diesem Verfahren nicht erfasst, weil sie unter andere Regeln fallen und auch mit Verbrennungsmotor fahren können.

Heise verweist auf Eurostat-Daten, nach denen die EU-Importe chinesischer Vollhybride von 659 Fahrzeugen im Jahr 2022 auf 160.662 Einheiten in den ersten sieben Monaten 2026 gestiegen sind. Bei Plug-in-Hybriden wuchs die Zahl demnach von 56.706 auf 217.764 Fahrzeuge. Der europäische Herstellerverband ACEA sieht darin eine Belastung für den Markt. Im ersten Halbjahr dieses Jahres kamen chinesische Marken nach Verbandsangaben bei Hybridautos auf 14 Prozent Marktanteil, bei Plug-in-Hybriden auf 25 Prozent.

Die Kommission hatte deshalb auch eigene Schutzmaßnahmen geprüft. Im Raum standen Zölle auf Hybridfahrzeuge, die nach dem Überschreiten bestimmter Kontingente greifen könnten. Mit der neuen Verständigung dürfte dieser Schritt vorerst weniger wahrscheinlich werden, sofern die politische Zustimmung in der EU erfolgt.

Weitere Handelspunkte bleiben offen

Die Verständigung betrifft nicht nur die Autodebatte. Peking stellte Erleichterungen beim Marktzugang für europäische Produkte in Aussicht, darunter Autoteile, Olivenöl und Schuhe. Šefčovič bezifferte den aktuellen Exportwert dieser Waren auf fast vier Milliarden Euro und die möglichen Zollersparnisse auf mindestens 225 Millionen Euro. Zudem sollen Ausfuhrlizenzen für Seltene Erden und Batterien in die EU leichter erteilt werden.

Parallel laufen Gespräche über chinesische Elektroautos weiter. Dabei geht es um Preisverpflichtungen und Überprüfungen im Zusammenhang mit der EU-Antisubventionsuntersuchung. Für Brüssel ist der Autokonflikt Teil eines größeren Problems: Das Handelsdefizit der EU gegenüber China wird auf rund eine Milliarde Euro pro Tag beziffert. Neben der Autobranche stehen auch Maschinenbau und Chemieindustrie unter Druck.

Automobilverbände bewerteten die Verständigung vorsichtig positiv. Der europäische Verband ACEA begrüßte den Schritt. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie verwies zugleich darauf, dass eine endgültige Einschätzung erst nach Kenntnis der Einzelheiten möglich sei. Für die EU bleibt entscheidend, ob aus der politischen Einigung belastbare Vorgaben werden, die den Importanstieg tatsächlich bremsen.