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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Preise und Zinsen

Energiepreise und Bauzinsen verstärken Kostendruck

Netzentgelte für Strom und Gas sollen 2027 steigen. Zugleich liegen Bauzinsen bei einzelnen Banken wieder über fünf Prozent.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Energie- und Finanzierungskosten belasten private Haushalte und Immobilienkäufer.
Symbolbild: Energie- und Finanzierungskosten belasten private Haushalte und Immobilienkäufer. KI-generiert

Haushalte und Immobilienkäuferinnen und -käufer müssen sich auf neuen Kostendruck einstellen. 2027 sollen die Netzentgelte für Strom und Gas im Schnitt steigen, wie aus Berechnungen von Verivox hervorgeht. Zugleich haben Bauzinsen bei einzelnen Banken wieder die Marke von fünf Prozent überschritten. Damit treffen höhere laufende Energiekosten und teurere Finanzierung auf eine ohnehin angespannte Debatte über Preise und Zinsen.

Stromnetze werden etwas teurer

Die Stromnetzentgelte sollen zum Jahreswechsel bundesweit im Durchschnitt um 1,9 Prozent steigen. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch entspräche das rechnerisch rund 8 Euro brutto mehr pro Jahr. Die Netzentgelte sind ein wichtiger Teil der Stromrechnung; sie stehen für etwa ein Viertel des Endpreises.

Die regionalen Unterschiede fallen deutlich aus. In den alten Bundesländern steigen die Stromnetzentgelte im Schnitt um 10 Euro, in den neuen Bundesländern sinken sie dagegen um durchschnittlich 3 Euro. Besonders stark fällt der Anstieg demnach in Hamburg aus. Verivox verweist darauf, dass die Kosten für Ausbau und Betrieb der Netze je nach Region unterschiedlich hoch sind. Zudem werden seit 2025 Gebiete entlastet, in denen besonders viel Strom aus Wind und Sonne entsteht.

Ein Grund für den bundesweiten Anstieg ist die Kürzung des staatlichen Zuschusses zu den Kosten der Übertragungsnetze. Der jährliche Bundeszuschuss sinkt um knapp eine Milliarde Euro auf 5,525 Milliarden Euro im Jahr 2027. Diese Kosten werden an die nachgelagerten Netzebenen weitergegeben und erscheinen später in den Netzentgelten auf der Stromrechnung.

Gaspreise unter zusätzlichem Druck

Auch beim Gas rechnet Verivox mit höheren Netzentgelten. Im bundesweiten Durchschnitt sollen sie 2027 um rund 3 Prozent steigen. Für eine Familie in einem Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergäben sich daraus rechnerisch etwa 19 Euro brutto Mehrkosten im Jahr. Gasnetzentgelte machen nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft etwa ein Fünftel des Preises für Haushaltskundinnen und Haushaltskunden aus.

Bei Gas ist der Effekt der Netzentgelte allerdings nur ein Teil des Problems. Das Vergleichsportal erwartet wegen gestiegener Großhandelspreise insgesamt höhere Gaspreise. Als Auslöser nennt der Bericht den Iran-Krieg. Besonders in Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Brandenburg sollen die Gasnetzentgelte überdurchschnittlich steigen. In Sachsen und Thüringen gehen sie leicht zurück.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher könnten die Endpreise spürbarer steigen als die Netzentgelte allein. Verivox rechnet zum Jahreswechsel mit breiten Preiserhöhungen, falls Versorger höhere Beschaffungskosten weitergeben. Je nach Tarif nennt das Portal eine Spanne von 10 bis 20 Prozent. Beim Strom hängt die Entwicklung stärker davon ab, ob Anbieter höhere Einkaufskosten ausgleichen können.

Baufinanzierungen bleiben belastet

Neben den Energiekosten rücken auch die Finanzierungskosten wieder stärker in den Fokus. Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung liegen bei manchen Banken inzwischen über fünf Prozent. Im Durchschnitt bleiben die Konditionen darunter: Nach Zahlen der FMH-Finanzberatung liegen sie bei rund 4,5 Prozent.

Für Bauherrinnen, Bauherren und Kaufinteressierte bedeutet ein solches Zinsniveau eine anspruchsvolle Kalkulation. Die Monatsbelastung hängt zwar vom Kreditbetrag, der Tilgung und dem Eigenkapital ab. Doch höhere Zinsen begrenzen den finanziellen Spielraum bei Immobilienkäufen und Neubauten. Verglichen mit den frühen 1980er Jahren sind die heutigen Sätze niedriger; damals lagen Bauzinsen zeitweise über zehn Prozent. Für viele aktuelle Finanzierungen ist aber nicht der historische Vergleich entscheidend, sondern die Frage, ob Einkommen und Eigenkapital zur gewünschten Immobilie passen.

Bedeutung für die Preisdebatte

Die Entwicklung zeigt, warum Preis- und Zinssorgen in der Wirtschaft wieder enger zusammenrücken. Energie ist ein zentraler Ausgabenposten privater Haushalte. Steigende Netzentgelte wirken direkt auf Strom- und Gasrechnungen, auch wenn ihr Anteil je nach Tarif unterschiedlich ist. Beim Gas kommen höhere Beschaffungskosten hinzu, die Versorger weiterreichen können.

Gleichzeitig verteuern höhere Bauzinsen langfristige Finanzierungen. Das betrifft vor allem Haushalte, die kaufen oder bauen wollen, sowie Anschlussfinanzierungen. Die Kombination aus höheren laufenden Kosten und teurerem Fremdkapital erhöht den Druck auf Budgets. Für die weitere Inflationsdebatte bleibt daher entscheidend, wie stark Energiepreise tatsächlich steigen und ob das Zinsniveau auf dem derzeitigen Niveau verharrt.