Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Automarkt

E-Autos rücken bei Kaufpreisen näher an Verbrenner

Elektroautos bleiben im Schnitt teurer als Verbrenner, doch der Abstand sinkt wieder. Neue günstigere Modelle und höhere Rabatte drücken die Preise.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Elektroautos und Verbrenner nähern sich bei den Kaufpreisen wieder an.
Symbolbild: Elektroautos und Verbrenner nähern sich bei den Kaufpreisen wieder an. KI-generiert

Elektroautos und Pkw mit Verbrennungsmotor liegen bei den Kaufpreisen wieder dichter beieinander. Im September kosteten die beliebtesten vollelektrischen Modelle in Deutschland durchschnittlich 2.124 Euro mehr als vergleichbare Verbrenner. Damit verringerte sich der Abstand gegenüber August um 125 Euro, wie tagesschau.de unter Berufung auf eine Auswertung des Center Automotive Research berichtet. Der Trend kann dem E-Auto-Markt zusätzlichen Schub geben, weil der hohe Anschaffungspreis für viele Käuferinnen und Käufer ein zentrales Hindernis bleibt.

Abstand sinkt nach Anstieg im Sommer

Für die Berechnung wurden jeweils die 25 meistverkauften E-Autos und Verbrennermodelle in Deutschland gegenübergestellt. Grundlage sind sogenannte Transaktionspreise, also Listenpreise abzüglich der ermittelten Nachlässe im Internet und bei Vermittlern. Das private Center Automotive Research, kurz CAR, stützt sich dabei auch auf Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes.

Der aktuelle Rückgang folgt auf eine Phase steigender Preisunterschiede. Im Dezember 2025 lag der durchschnittliche Mehrpreis für reine Stromer noch bei 1.328 Euro. Bis Juli erhöhte er sich auf 2.363 Euro. Im September ist der Abstand nun wieder kleiner, liegt aber weiterhin fast 800 Euro über dem Wert vom Dezember.

Im längeren Vergleich fällt die Differenz dennoch niedrig aus. Im Oktober 2024 betrug der durchschnittliche Abstand noch mehr als 6.500 Euro. In der frühen Phase der Elektromobilität lagen E-Autos teils um 15.000 Euro über vergleichbaren Verbrennern. Die derzeitige Entwicklung zeigt daher eine deutliche Annäherung, auch wenn von Preisgleichheit noch keine Rede sein kann.

Rabatte nehmen wieder zu

Ein wichtiger Faktor sind steigende Nachlässe bei Elektroautos. Bei den 25 meistverkauften E-Modellen lag der durchschnittliche Rabatt im September bei 17,9 Prozent. Im August waren es 17,4 Prozent. n-tv verweist dabei ebenfalls auf Berechnungen des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer.

Dudenhöffer hatte den vorherigen Preisanstieg bis Juli mit einem für Hersteller günstigen Marktumfeld erklärt. Hohe Kraftstoffpreise und die staatliche Kaufprämie machten Elektroautos attraktiver. Zusätzliche Verkaufsanreize seien aus Herstellersicht damals weniger nötig gewesen.

Diese Lage verändert sich nun. Die höheren Rabatte deuten darauf hin, dass die Anbieter wieder stärker um Käuferinnen und Käufer konkurrieren. Für den Markt ist nicht nur der Listenpreis entscheidend, sondern der Betrag, der nach Nachlässen tatsächlich gezahlt wird. Genau diesen Wert bildet die CAR-Auswertung ab.

Neue Modelle erhöhen den Druck

Nach Einschätzung des Instituts tragen neue und günstigere Elektroautos zur aktuellen Bewegung bei. Der ID.Polo und weitere neue Stromer aus dem Volkswagen-Konzern setzen ältere vollelektrische Kleinwagen stärker unter Druck. Wenn neue Modelle mit niedrigeren Einstiegspreisen auf den Markt kommen, müssen bestehende Angebote attraktiver werden.

Dieser Effekt kann sich über einzelne Fahrzeugklassen hinaus bemerkbar machen. Günstigere Modelle dienen oft als Orientierungspunkt für Kundinnen und Kunden und zwingen Wettbewerber, Preise oder Rabatte anzupassen. Besonders im Kleinwagensegment ist der Anschaffungspreis ein entscheidendes Verkaufsargument.

Dudenhöffer rechnet laut den Berichten damit, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Monaten verstärkt. Für Hersteller bedeutet das mehr Preisdruck. Für Kaufinteressierte kann es die Auswahl an bezahlbareren E-Autos verbessern.

Kaufprämie nicht eingerechnet

Die staatliche Kaufprämie für Elektroautos ist in den verglichenen Preisen nicht enthalten. Die Auswertung zeigt damit den Marktpreis ohne diesen zusätzlichen Vorteil. Das ist für die Einordnung wichtig, weil Förderungen die tatsächliche Belastung beim Kauf weiter verändern können.

Für den Wettbewerb zwischen E-Autos und Verbrennern bleibt die Anschaffung nur ein Teil der Rechnung. Betriebskosten, Kraftstoff- oder Strompreise und Wartung spielen ebenfalls eine Rolle. Die aktuelle Studie betrachtet jedoch allein den Kaufpreis der meistverkauften Modelle. Gerade dort war der Rückstand von Elektroautos lange groß. Dass er nun wieder schrumpft, ist ein wichtiges Signal für den deutschen Automarkt.