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Wirtschaft · Automarkt

E-Autos legen trotz Förderstreit kräftig zu

In Deutschland sind im September deutlich mehr Elektroautos zugelassen worden. Die neue Kaufprämie treibt die Nachfrage, doch Experten warnen vor einem späteren Rückschlag.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Elektroauto an einer öffentlichen Ladesäule steht für den wachsenden Markt und die Debatte über staatliche Förderung.
Symbolbild: Ein Elektroauto an einer öffentlichen Ladesäule steht für den wachsenden Markt und die Debatte über staatliche Förderung. KI-generiert

Elektroautos gewinnen in Deutschland weiter stark an Boden. Im September wurden nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts so viele Stromer neu zugelassen wie selten zuvor. Der Spiegel berichtet von 88.599 Elektroautos und damit fast einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahresmonat. Zugleich rückt die neue staatliche Kaufprämie in den Mittelpunkt: Die Bundesregierung wertet das Programm als Erfolg, während Kritik vor einem künstlich verstärkten Boom und einem möglichen Einbruch nach dem Ende der Förderung warnt.

September bringt starken Zulassungsschub

Der Marktanteil von Elektroautos erreichte im September nach den vom Spiegel genannten Zahlen 34,5 Prozent. Damit lagen reine Stromer nur noch knapp hinter Hybridfahrzeugen. n-tv nennt für reine Elektroautos eine etwas andere Zahl von rund 86.600 Neuzulassungen und berichtet von einem Plus von etwa 95 Prozent im Vergleich zum September des Vorjahres.

Der Anstieg fällt in eine Phase, in der hohe Kraftstoffpreise die Entscheidung vieler privater Käuferinnen und Käufer beeinflussen. Elektroautos erscheinen dadurch nicht nur als Klimaschutzoption, sondern auch als Kostenfrage. Die neue Kaufprämie verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Sie kann seit dem 19. Mai beantragt werden und gilt rückwirkend für Fahrzeuge, die seit dem 1. Januar zugelassen wurden.

Gefördert werden Kauf und Leasing neuer Elektroautos, bestimmte Plug-in-Hybride sowie Elektroautos mit Reichweitenverlängerer. Die Prämie richtet sich an Privatpersonen, nicht an Dienstwagen. Je nach Fahrzeug, Einkommen und Haushaltsgröße beträgt der Zuschuss zwischen 1.500 und 6.000 Euro.

Fast 100.000 Förderfälle

Bis zum 1. Oktober wurden nach Angaben des Spiegel 97.790 elektrisch angetriebene Fahrzeuge unterstützt, darunter 8.196 Plug-in-Hybride. n-tv berichtet unter Berufung auf Regierungsangaben von 100.000 ausgezahlten Prämien. Bundesumweltminister Carsten Schneider sagte der Bild-Zeitung, das Programm habe die Erwartungen „weit übertroffen“.

Nach den Regierungsangaben erreicht die Förderung viele Haushalte mit niedrigeren und mittleren Einkommen. Die Hälfte der Antragstellerinnen und Antragsteller verfügt demnach über ein Haushaltsjahreseinkommen von höchstens 45.000 Euro. Drei Viertel liegen bei maximal 60.000 Euro. Schneider stellt die Förderung deshalb als Entlastung dar: Jedes zusätzliche Elektroauto verringere die Abhängigkeit von teurem Kraftstoff und von Ölimporten.

Auch die Modellverteilung zeigt, welche Fahrzeuge besonders häufig bezuschusst wurden. Der Spiegel nennt als Spitzenreiter das Tesla Model Y mit 8.297 bewilligten Anträgen. Dahinter folgen der Škoda Elroq mit 5.710 und das Tesla Model 3 mit 3.845 Förderfällen. Ebenfalls häufig vertreten sind kleinere und kompaktere Modelle wie der Citroën ë-C3, der Leapmotor T03, der VW ID.3 und der Hyundai Inster.

Warnung vor verzerrtem Markt

Der Autoexperte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands Berlin bewertet den Förderboom deutlich skeptischer. n-tv zitiert ihn mit der Einschätzung, der Durchbruch der Elektromobilität habe bereits vor der neuen Prämie eingesetzt. Aus seiner Sicht liegt der wichtigste Grund in den hohen Spritpreisen, nicht allein im staatlichen Zuschuss.

Schwope warnt zudem, Förderprämien könnten Preise und Rabatte verändern. Wenn Hersteller und Händler wegen staatlicher Zuschüsse weniger eigene Nachlässe gewähren, komme ein Teil des Geldes nicht vollständig bei den Kundinnen und Kunden an. Er sieht deshalb die Gefahr, dass der Markt nach dem Auslaufen der Förderung erneut schwächer wird.

Die Sorge vor einer starken Begünstigung chinesischer Hersteller hat sich bislang nicht bestätigt. Nach ersten Auswertungen entfallen weniger als 15 Prozent der Förderanträge auf Fahrzeuge aus China. Damit profitieren derzeit vor allem Modelle europäischer, amerikanischer und weiterer internationaler Anbieter.

Geld reicht nicht unbegrenzt

Für das Förderprogramm stehen insgesamt drei Milliarden Euro bereit. Die Bundesregierung kalkuliert damit, von 2026 bis 2029 etwa 800.000 Fahrzeuge unterstützen zu können. Gemessen an den bislang bewilligten Anträgen ist das Programm damit noch nicht ausgeschöpft, doch die Geschwindigkeit der Nachfrage entscheidet darüber, wie lange der Topf reicht.

Die Debatte dreht sich deshalb nicht mehr nur um den aktuellen Erfolg. Entscheidend wird, ob die hohen Zulassungszahlen auch ohne starke Kaufanreize Bestand haben. Hohe Kraftstoffpreise, mehr verfügbare Modelle und sinkende Einstiegspreise sprechen für eine weiter wachsende Nachfrage. Der Streit über die Prämie zeigt jedoch, wie abhängig Teile des Marktes weiterhin von politischen Rahmenbedingungen sind.