Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Autobranche unter Druck

China-Schwäche verschärft Druck auf VW und Zulieferer

Volkswagen leidet weiter unter schwacher Nachfrage in China. Auch Zulieferer wie Schaeffler passen Kapazitäten an und beschleunigen den Stellenabbau.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die schwächere Autonachfrage erhöht den Druck auf Hersteller, Werke und Zulieferer.
Symbolbild: Die schwächere Autonachfrage erhöht den Druck auf Hersteller, Werke und Zulieferer. KI-generiert

Volkswagen und andere deutsche Autohersteller geraten durch die anhaltende Schwäche in China weiter unter Druck. Besonders europäische Elektro- und Verbrennermodelle verlieren dort an Zugkraft. Die Folgen reichen inzwischen tiefer in die Lieferketten: Schaeffler nimmt hohe Abschreibungen vor, überprüft Produktionskapazitäten und kommt beim freiwilligen Stellenabbau schneller voran als geplant.

China belastet deutsche Hersteller

Der chinesische Automarkt bleibt für die deutschen Konzerne das zentrale Problemfeld. Während heimische Anbieter bei Elektroautos Marktanteile gewinnen, tun sich europäische Modelle schwer. Zugleich sinkt die Nachfrage nach Verbrennern. Volkswagen, BMW und Mercedes spüren diese Entwicklung deutlich.

Nach Angaben von n-tv meldete BMW für das dritte Quartal insgesamt 551.072 verkaufte Autos und Motorräder. Das waren 6,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In China setzte der Münchner Konzern 114.355 Fahrzeuge ab, ein Minus von 24,8 Prozent. In Europa und den USA legte BMW dagegen leicht zu. Der Rückgang in China fiel bei BMW demnach geringer aus als bei Mercedes und Volkswagen. Für Volkswagen nennt n-tv ein Minus von fast zwei Fünfteln.

Die Zahlen zeigen, wie stark sich die Gewichte verschieben. China war für deutsche Hersteller lange ein Wachstumsmotor. Nun trifft die schwache Nachfrage ausgerechnet jene Unternehmen, die hohe Investitionen in Elektrifizierung, Software und neue Modelle stemmen müssen. Für Volkswagen verschärft das den wirtschaftlichen Druck in einer Phase, in der ohnehin über Kosten, Auslastung und Wettbewerbsfähigkeit gerungen wird.

Schaeffler schreibt Millionen ab

Auch Zulieferer müssen auf die veränderte Lage reagieren. Schaeffler teilte am Dienstag mit, dass Sonderabschreibungen und Rückstellungen insgesamt 240 Millionen Euro erreichen. Davon entfielen 220 Millionen Euro auf das Sommerquartal. Die FAZ berichtet, Auslöser seien fortgesetzte Mengenreduzierungen bei Projekten europäischer Autohersteller.

Betroffen sind vor allem Anlagen, die wegen rückläufiger Aufträge nicht mehr im bisherigen Umfang gebraucht werden. Zudem bereinigt Schaeffler sein Angebot bei bestimmten Thermomanagementsystemen. Konzernchef Klaus Rosenfeld begründete die Schritte mit einer Anpassung an veränderte Marktbedingungen. Schaeffler will die Risiken in der Bilanz senken und die Ertragskraft in den kommenden Jahren verbessern.

Die Elektromobilität bleibt für den Zulieferer trotz Wachstum schwierig. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz dieser Sparte laut Tagesspiegel um 0,2 Milliarden Euro auf 3,9 Milliarden Euro. Gleichzeitig war sie im dritten Quartal weiter defizitär. Die bereinigte operative Marge lag bei minus 13,1 Prozent, nach minus 15 Prozent im Vorjahr. Der Konzernumsatz sank über alle Sparten hinweg um 0,2 Milliarden Euro auf 17,5 Milliarden Euro.

Stellenabbau läuft schneller

Der Anpassungsdruck betrifft nicht nur Anlagen und Produktlinien, sondern auch die Beschäftigten. Schaeffler hatte bereits 2024 ein Programm zum freiwilligen Abbau von 4.700 Arbeitsplätzen bis Ende 2029 gestartet. Bis zum 30. September 2026 waren nach Unternehmensangaben bereits 3.715 Stellen erreicht. Nach aktueller Planung soll die Zielgröße nun Ende 2028 erreicht werden, also ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen.

Auch bei der Altersteilzeit ist die Beteiligung höher als geplant. Statt der angepeilten 1.300 Beschäftigten haben bereits 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein entsprechendes Angebot angenommen. Für den Konzern bedeutet das eine schnellere Entlastung bei den Kosten. Für die Branche zeigt es, wie stark die Transformation mittlerweile in die Belegschaften hineinwirkt.

Gleichzeitig sucht Schaeffler nach neuen Wachstumsfeldern. Dazu zählen Rüstung, Raumfahrt und Komponenten für humanoide Roboter. In diesem Bereich stehen nach Unternehmensangaben Aufträge über 400 Millionen Euro in den Büchern. Außerdem will Schaeffler das Geschäft mit chinesischen Autoherstellern ausbauen, weil europäische Kunden in China schwächer laufen.

Einordnung: Zulieferer folgen den Herstellern

Die Entwicklung bei Schaeffler verdeutlicht, dass die Krise der deutschen Autohersteller nicht an den Werkstoren endet. Wenn Volkswagen, BMW oder Mercedes in China weniger Fahrzeuge verkaufen oder Projekte zurückfahren, trifft das unmittelbar die Zulieferer. Produktionsanlagen werden neu bewertet, Programme gestrichen, Kapazitäten angepasst.

Für Volkswagen bleibt die Lage besonders angespannt, weil der Konzern in China stark exponiert ist und zugleich hohe Kosten in Europa tragen muss. Der verschärfte Wettbewerb mit chinesischen Herstellern trifft die deutschen Anbieter auf zwei Ebenen: Sie verlieren Absatz auf einem Kernmarkt und müssen gleichzeitig schneller günstigere, wettbewerbsfähige Elektroautos entwickeln.

Europa bietet derzeit zwar Entlastung bei Elektroautos. BMW verzeichnet dort eine starke Nachfrage, und auch Schaeffler sieht bessere Bedingungen. Doch die Verluste in China wiegen schwer. Für Hersteller, Zulieferer und Beschäftigte bleibt der Spar- und Umbauzwang damit ein bestimmendes Thema der deutschen Industrie.