Wirtschaft · Autokrise
China-Schwäche erhöht den Druck auf Volkswagen
Volkswagen gerät in einer ohnehin angespannten Lage zusätzlich unter Druck. Neben Absatzproblemen, Sparmaßnahmen und einem weiteren Rückruf belastet vor allem die Schwäche wichtiger Automärkte. Neue Daten zum weltweiten E-Auto-Geschäft zeigen, wie stark sich die Nachfrage regional auseinanderentwickelt. Besonders der Rückgang in China ist für deutsche Hersteller ein Warnsignal, weil der Markt für viele Autobauer lange als zentraler Wachstumstreiber galt.
China bremst den E-Auto-Markt
Die weltweiten Verkäufe von Elektroautos sind im September erstmals nach sechs Monaten Wachstum wieder gesunken. Nach Daten des britischen Forschungsunternehmens Benchmark Mineral Intelligence, über die das Handelsblatt berichtete, wurden 2,15 Millionen Elektroautos verkauft. Das waren zwei Prozent weniger als im Vormonat. Seit Jahresbeginn liegt der Absatz mit 15,5 Millionen Fahrzeugen aber noch drei Prozent über dem Vorjahreswert.
Auffällig ist die unterschiedliche Entwicklung in den großen Märkten. In China gingen die Verkäufe im September um 18 Prozent auf 1,11 Millionen Fahrzeuge zurück. Nordamerika verzeichnete sogar ein Minus von 44 Prozent. Dort wirkt das Auslaufen von US-Steuervorteilen für Elektroautos Ende September 2025 nach. Chinesische Hersteller reagieren auf die schwächere Nachfrage im Heimatmarkt zunehmend mit Exporten.
Für Volkswagen und andere deutsche Autobauer verschärft das die Lage. Die Konzerne müssen hohe Investitionen in Elektromobilität stemmen, während in wichtigen Absatzregionen die Nachfrage schwankt. Wenn der chinesische Markt weniger verlässlich wächst, erhöht das den Druck auf Kosten, Modellplanung und Produktion.
Europa setzt einen Gegenakzent
Anders sieht das Bild in Europa aus. Dort erreichte der E-Auto-Absatz im September laut Benchmark Mineral Intelligence einen neuen Höchststand. Fast 600.000 Elektroautos wurden verkauft, rund zehn Prozent mehr als beim bisherigen Spitzenwert im Juni. Der Datenmanager Charles Lester sprach dem Handelsblatt zufolge vom stärksten europäischen Monat seit Beginn der Erhebungen.
Auch in Deutschland steigt der Anteil reiner Elektroautos an den Neuzulassungen. Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigen ein Plus von 9,1 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rheinland-Pfalz kommt im laufenden Jahr auf einen Elektroanteil von 33,1 Prozent. In Schleswig-Holstein sind es 32,6 Prozent.
Der europäische Aufschwung mildert die Belastung, löst sie aber nicht. Denn die Branche muss gleichzeitig auf schwache Märkte, hohe Entwicklungskosten und verschärften Preiswettbewerb reagieren. Gerade wenn einzelne Regionen stark wachsen und andere deutlich nachgeben, wird die Planung für Hersteller und Zulieferer schwieriger.
Mittelstand verlagert stärker ins Ausland
Die Probleme der Autoindustrie treffen auf eine breitere Standortdebatte. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Restrukturierungsberatung FTI Andersch, die dem Handelsblatt exklusiv vorlag, zeigt eine wachsende Bereitschaft zur Verlagerung. 15 Prozent der befragten Industrieunternehmen verlagern Produktionsstätten oder planen einen solchen Schritt. Bei Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz liegt der Anteil bei 31 Prozent.
Als Gründe werden unter anderem lange Genehmigungsverfahren in Deutschland und bessere Bedingungen im Ausland genannt. Christian Säuberlich, Deutschlandchef von FTI Andersch, sagte dem Handelsblatt, viele Unternehmerinnen und Unternehmer warteten nicht mehr auf bessere Rahmenbedingungen. Sie entschieden genauer, an welchen Standorten sie investierten.
Ein Beispiel ist The Coatinc Company. Das Unternehmen hat drei kleinere deutsche Werke verkauft, zugleich aber stark in größere Standorte in Deutschland investiert. Zusätzliche Kapazitäten entstehen jedoch in den Niederlanden, Belgien und vor allem in den USA. Diese Entwicklung zeigt, dass Unternehmen Deutschland nicht zwingend aufgeben, neue Wachstumsprojekte aber zunehmend anders verteilen.
Porsche setzt stärker auf hohe Preise
Auch innerhalb der deutschen Autobranche verschieben sich Strategien. Porsche stellt sein Luxussegment stärker in den Mittelpunkt. Konzernchef Michael Leiters will weniger Fahrzeuge verkaufen, dafür aber teurere Modelle. Nach Angaben der FAZ soll der Anteil besonders hochpreisiger Fahrzeuge von etwa einem Drittel auf fast die Hälfte steigen. Bis 2030 soll der Durchschnittspreis der teuersten 10.000 verkauften Autos von 270.000 auf 330.000 Euro zulegen.
Mit dem Designkonzept „Mission S“ zeigt Porsche zugleich, wohin die Marke technisch und gestalterisch steuern will. Technische Details wurden nicht genannt. Im Rahmen der neuen Ausrichtung sollen Verbrennungsmotoren wieder mehr Gewicht erhalten.
Die Entwicklung macht deutlich, wie unterschiedlich die Antworten der Branche ausfallen. Während Massenhersteller wie Volkswagen stärker mit Kosten, Nachfrage und Umstellung der Produktion ringen, versuchen Premiumanbieter, höhere Margen über exklusive Modelle abzusichern. Für Zulieferer und Maschinenbauer bleibt entscheidend, wie schnell Hersteller ihre Investitionspläne an die neuen Marktbedingungen anpassen.