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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Logistik und Sicherheit

Bund untersagt Cosco-Einstieg bei Zippel

Die Bundesregierung blockiert den Verkauf einer Mehrheit an der Hamburger Logistikfirma Zippel an die chinesische Staatsreederei Cosco. Begründet wird der Schritt mit Risiken für Lieferketten.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Container und Transportwege stehen für die sicherheitspolitische Bedeutung von Logistiknetzen.
Symbolbild: Container und Transportwege stehen für die sicherheitspolitische Bedeutung von Logistiknetzen. KI-generiert

Die Bundesregierung hat den geplanten Verkauf von 80 Prozent der Anteile an der Hamburger Logistikfirma Zippel an die chinesische Staatsreederei Cosco untersagt. Das Bundeskabinett fasste den Beschluss am Mittwoch; das Bundeswirtschaftsministerium begründete ihn mit sicherheitspolitischen Risiken für Deutschland und die Europäische Union. Das Handelsblatt meldete, die Entscheidung sei in der Kabinettssitzung ohne Debatte gefallen.

Sicherheitsprüfung schlägt Kartellfreigabe

Damit endet vorerst ein Verfahren, das zunächst aus wettbewerbsrechtlicher Sicht anders bewertet worden war. Das Bundeskartellamt hatte im Februar keine Einwände gegen den Erwerb der Mehrheit an Zippel erhoben. Für die Bundesregierung war jedoch nicht allein die Marktmacht entscheidend, sondern die Frage, ob durch den Einstieg eines staatlich kontrollierten chinesischen Konzerns kritische Abhängigkeiten entstehen könnten.

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte laut Tagesschau, Deutschland begrüße ausländische Investitionen grundsätzlich. Der Staat könne aber auf Grundlage des Außenwirtschaftsrechts eingreifen, wenn ein Erwerb die öffentliche Ordnung oder Sicherheit gefährden könne. Die geplante Transaktion hätte nach Darstellung des Ministeriums die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten in Deutschland und Europa geschwächt.

Ende April waren Sicherheitsbedenken des Bundesamts für Verfassungsschutz bekannt geworden. Der Deutschlandfunk verwies zudem darauf, dass die wettbewerbsrechtliche Freigabe des Kartellamts bereits vorlag, bevor die sicherheitspolitische Bewertung öffentlich stärker in den Vordergrund rückte.

Zippel spielt im Hinterland eine Rolle

Zippel ist auf Containertransporte im Hinterland spezialisiert. Das Unternehmen verbindet vor allem Seehäfen wie Hamburg und Bremerhaven mit Industrie- und Handelsstandorten, insbesondere in Ostdeutschland. Eingesetzt werden dabei Bahn, Binnenschiff und Lastwagen.

Nach Angaben des Handelsblatts verfügt Zippel über eine jährliche Kapazität von 175.000 Standardcontainern. Bundesweit ist der Marktanteil damit begrenzt. An einzelnen Umschlagplätzen ist die Bedeutung jedoch deutlich höher: In Berlin, Schkopau und Elsterwerda liegt der Anteil am Containerumschlag demnach zwischen 35 und 90 Prozent.

Bei der Beschäftigtenzahl gibt es unterschiedliche Angaben: Das Handelsblatt nennt 210 Mitarbeitende und einen Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro. Die Tagesschau verweist auf frühere Angaben von etwa 350 Beschäftigten.

Unternehmenschef zeigt sich enttäuscht

Zippel-Chef Alex Plaß reagierte gegenüber dem Handelsblatt zurückhaltend, aber enttäuscht. Die Bundesregierung habe entschieden, das Unternehmen nehme den Beschluss zur Kenntnis, sagte er sinngemäß. Plaß erklärte zudem, man hätte sich „ein anderes Ergebnis gewünscht“. Ob Zippel juristisch gegen die Untersagung vorgeht, ließ er offen.

Für Cosco wäre der Einstieg ein weiterer Baustein im europäischen Logistiknetz gewesen. Die chinesische Reederei zählt nach Transportmenge zu den weltweit größten Anbietern im Containerverkehr. Sie ist bereits am Hamburger Containerterminal Tollerort beteiligt, dort allerdings nur mit 24,99 Prozent.

Frühere Debatte um Tollerort wirkt nach

Die Beteiligung an Tollerort hatte 2022 innerhalb der damaligen Bundesregierung eine heftige Auseinandersetzung ausgelöst. Am Ende wurde ein Einstieg unterhalb der Schwelle von 25 Prozent erlaubt. Die damalige Entscheidung stand bereits im Zeichen der Frage, wie viel Einfluss chinesische Staatsunternehmen auf deutsche Hafen- und Transportinfrastruktur erhalten sollen.

Der nun untersagte Zippel-Deal zeigt, dass die Bundesregierung bei Logistikunternehmen nicht nur klassische Infrastruktur im Hafen betrachtet. Auch Verbindungen ins Hinterland können für Lieferketten und Versorgungssicherheit eine strategische Rolle spielen. Die Entscheidung reiht sich damit in eine restriktivere Prüfung chinesischer Investitionen in sicherheitsrelevanten Bereichen ein.