Wirtschaft · Konjunkturprognose
Bund erwartet 1,3 Prozent Wachstum im Jahr 2026
Die Bundesregierung rechnet für 2026 nun mit einem realen Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Damit korrigiert das Wirtschaftsministerium seine Frühjahrsannahme deutlich nach oben; damals hatte es noch 0,5 Prozent erwartet. Die deutsche Wirtschaft kommt damit stärker voran als zunächst angenommen, obwohl der Iran-Krieg, andere geopolitische Spannungen und hohe Energiepreise die Konjunktur belasten.
Exporte und Staatsausgaben stützen die Erholung
Das Ministerium von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sieht mehrere Gründe für die bessere Einschätzung. Vor allem das Auslandsgeschäft liefert Impulse. Deutsche Unternehmen profitierten im zweiten Quartal von einer besonderen Entwicklung auf den Weltmärkten: Wegen internationaler Engpässe bauten Käufer Bestände an energieintensiven Waren auf, die in Deutschland hergestellt wurden.
Hinzu kommen staatliche Ausgaben. Investitionen in Infrastruktur sowie zusätzliche Mittel für Verteidigung wirken nach Einschätzung der Regierung bereits in die Wirtschaft hinein. Auch der Deutschlandfunk berichtete über diese Faktoren als zentrale Begründung für die höhere Prognose. Die Regierung wertet die Entwicklung als Hinweis darauf, dass die Wirtschaft trotz gestiegener Kosten und unsicherer Weltlage robuster ist, als sie noch im Frühjahr angenommen hatte.
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre Erwartungen zuletzt ebenfalls angehoben. Sie kamen ebenfalls auf ein Wachstum von 1,3 Prozent für 2026. Die neue Projektion der Bundesregierung liegt damit im Rahmen dieser jüngeren Einschätzungen.
Reiche verlangt weitere Reformen
Bundeswirtschaftsministerin Reiche verbindet die besseren Zahlen mit Forderungen nach Strukturreformen. Laut Tagesschau sagte sie: “Wir haben die Talsohle hinter uns gelassen, die deutsche Wirtschaft wächst wieder.” Zugleich machte sie deutlich, dass sie die Erholung nicht als gesichert ansieht. Aus dem aktuellen Plus solle eine tragfähige wirtschaftliche Dynamik entstehen.
Reiche fordert dafür wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie, stabilere Sozialbeiträge und mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten. Bereits vor Veröffentlichung der Herbstprojektion hatte sie im Bundestag auf den Reformbedarf verwiesen. ZDFheute zitierte sie mit dem Satz: “Die Lage bleibt fragil.”
Die schwarz-rote Koalition berät derzeit über mehrere wirtschafts- und sozialpolitische Vorhaben. Dazu zählen Maßnahmen am Arbeitsmarkt und die geplante Rentenreform. Beide Themen sind innerhalb der Koalition umstritten.
Ausblick für 2027 und 2028
Auch für 2027 ist die Regierung optimistischer als zuvor. Das Wirtschaftsministerium erwartet nun ein Wachstum von 1,1 Prozent. Im Frühjahr hatte die Prognose noch bei 0,9 Prozent gelegen. Für 2028 fällt der Ausblick dagegen schwächer aus: Die Regierung rechnet dann nur noch mit einem Plus von 0,6 Prozent.
Der weitere Verlauf hängt nach Einschätzung des Ministeriums stark von internationalen Konflikten ab. Dabei nennt die Regierung vor allem den Nahen Osten und die Ukraine. Entspannung in diesen Krisen könnte die Energiepreise senken und die Erholung beschleunigen. Bleiben die Preise hoch, belastet das Unternehmen und private Haushalte weiter.
Wirtschaft warnt vor zu viel Optimismus
Wirtschaftsverbände reagieren zurückhaltend auf die besseren Regierungszahlen. Der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Volker Treier, sieht die Exportwirtschaft weiterhin durch handelspolitische Unsicherheiten und Standortprobleme gebremst. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov warnte, der Aufschwung sei “teuer erkauft”. Er beruhe stark auf staatlichen, schuldenfinanzierten Ausgaben und auf höheren Ausfuhren in den EU-Binnenmarkt.
Aus Sicht der Kammer braucht es deshalb weitere Reformen, damit aus der aktuellen Belebung mehr wird als ein kurzfristiger Effekt. Genannt werden niedrigere Kosten, schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und bessere Infrastruktur. Die neue Herbstprojektion markiert damit eine spürbare Aufhellung, zeigt aber zugleich, wie abhängig die Erholung von politischen Entscheidungen und der internationalen Lage bleibt.